Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 10 (7.3.1843)
- Article
- Römische Gesetzgebung über die Juden
- Date
- 1843-03-07
- Page
- Spalte 145-146 (sequence 1)
- Language
- German
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Literaturblall des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für Mische Geschichte und Literatur. JVi lQt Veipzig/ den 7. März 1843. Römische Gesetzgebung über die Luden. Von Gottfried Cohen. — Zur Geschichte der jüdischen Schulen.. 1. Geschichtliche Darstellung der isr. Freischule zu Hamburg rc. 2. Einladung zur öffentl Prüfung der Zöglinge der isr. Freischule rc. 3. Die Rechtsverhältnisse der öffentl. Schulen im Großherz. Baden. 4. Zur Geschichte der königl. Wilhelmsschule. — Politische Literatur. Die Juden in Oesterreich, Preußen und Sachsen rc. v. Schirnding. (Fortsetzung.) —, Leipziger Literaten - Verein. — Literarische Ankündigungen. Römische Gesetzgebung über die Juden. Von Gottfried Cohen. Erster Abschnitt. Die Juden haben von jeher das Schicksal gehabt, Ausnahmsgesetzen unterworfen zu sein. Von der Zeit an, als ihnen der Aufenthalt in der nunmehrigen Aelia Capüolina verboten war, bis auf den heutigen Tag, wo man sie von einem großen Theil der Erwerbszweige zurückhalten und ihnen die Rechte des Staatsbürgers versagen will, immer finden wir die Gesetzgebungen in einem feindlichen Berhaltniß den Juden gegenüber. Wie dies gekommen, warum jene Gesetze entstanden , ob sie n öthig gewesen, wie sie auf das Leben eingewirkt, und wie umgekehrt das Leben andere neue Gesetze hervorgerufen, Alles dies zu untersuchen, wäre für den Geschichtsschreiber und Staatsmann gleich wichtig. Noch ist es Keinem gelungen, das Phänomen zu erklären, wie inmitten der nun schon fast zwei Jahrtausende dauernden Verfolgungen und Bedrückungen die Juden sich erhalten, wie sie ohne äußere Macht immer wieder dem Drucke sich entwinden, und kaum aufachmend schon wieder in Verfolgung der allen Menschen angebocnen Rechte sich tbatig erzeigten; wie sie unter allen Völkern des Erdbodens zerstreut ihre Eigenthümlichkeit, ihre Religion bewahrt' und sich.von aller fremden Beimischung und Einmischung frei erhalten haben. Das Alterthum giebt uns eine Rnhe großer und berühmter Völker, an Macht und Geistesbildung dem armen das Land Palästina bewohnenden Volke weit überlegen, Nichts von ihnen ist aber geblieben, als Zhr Name, ihr Ruhm, Ihr Glanz — die Juden aber haben neben diesen auch sich selbst zu erhalten gewußt. Das Christenthum hat allmählig alle widerstrebende Elemente der europäischen Welt theils zu vernichten, theils in sich aufzunehmen und mit sich zu assimiliren .gewußt; das Judenthum allein, seiner Natur nach demselben weit näher stehend, hat sich aus dem Schiffbruche der Meinungen und Religionen des Alterthums gerettet. Offenbar liegt in demselben eine unendlich tiefe innere Kraft, obgleich wir Einen Theil der Ursachen dieser Erscheinung in dem Charakter des jüdischen Volks küchen müssen. Anhänglichkeit an die ererbte Religion, tiefe Ehrfurcht vor dem Andenken ihrer Urahnen, eine allen Verfolgungen trotzbietende Geisteskraft" sind die Charakterzüge, die allgemein bei den Juden sich finden. Wenn es daher von der einen Seite eine traurige Beschäftigung ist, das Unglück, das sie durch alle Jahrhunderte erlitten, hervorzusuchen, so gewährt es von der andern Seite eine eben so große Befriedigung, zu sehen, wie . sie demselben nie unterlagen. Wollen wir den heutigen Zustand der Juden begreifen, um zussehen, wie sie demselben zu entreißen sind, so müssen wir an der Hand der Geschichte und der Gesetzgebungen ihre^ Schicksale verfolgen von. dem Augenblicke an, wo sie zuerst dem Drucke überwiesen wurden. Dieser Anfangspunkt ist aber um so wichtiger, jemehr ihr spaterer Zustand, gleichsam wie in einer organischen Entwickelung, auf den scühern entstanden ist. Wir müssen darüber klar werden, was ihr Schicksal unter Römerherrschast gewesen, wie es gekommen, daß die Römer ihnen besondere Gesetze vorgezeichnet, wie sie dem entstandener? Christenthum gegenüber sich zeigten, und vor Allem, wie die zur Herrschaft gekommene christliche Religion mit 10