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Der Orient · 1843-03-07 · Heft 10 (7.3.1843) · p. Seite 75

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 10 (7.3.1843)
Article
Hamburg: Wochenbericht ...
Date
1843-03-07
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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75 Insinuationen und Zwecken botmäßig und dienstbar wer den, und Alles nicht in einem klaren Spiegel, sondern durch ein. — obendrein vielleicht trübes — Kaleidoscop anschauen? Ist er dann noch mit Recht Oberhaupt, Führer, Leiter seiner Gemeinde zu nennen oder ist er nicht vielmehr eine Puppe, die man in Sammet und Seide gekleidet hat, ein Uhrwerk, das durch eine Maschinerie in Bewegung gesetzt wird? Also Charakterfestigkeit und eine wenigstens einigermaßen solide Kenntniß der Sprache sind unumgänglich nöthig erscheinende und unerläßliche Erfordernisse. Aber freilich darf es auch an Routine, Geschäftserfahrung, Gewandtheit in der Schlichtung von Streitigkeiten, Leutseligkeit im Umgänge mit jedem, sei es Recht oder Antwort, Hilfe und Beistand oder Aufklärung und Trost Fordernden, er stehe hoch oder -niedrig, gelte, für arm oder reich, nicht fehlen. Darum ist es am Gecachensten, nur für solche zu stimmen, welche bereits einige Jahre Rabbinatsfunktionen geübt und sich die Liebe und Achtung ihrer Gemeinden zu erwerben gewußt haben. Eine aus gewissenhaften, hellblickenden, scharfsichtigen, auch durch ihr Aeußeres Zutrauen erweckenden Mitgliedern jüdisch-englischer Gemeinden verschiedener religiöser Nuaneen zusammengesetzte Deputation beobachte die Wirksamkeit des Candidaten an Ort und Stelle, in seiner gewohnten Sphäre, unter seinen Pflegebefohlenen, prüfe, was er zur Hebung der Andacht, Verbesserung des Schulwesens, Abschaffung tiefgewurzelter Mißbräuche, Einigkeit im Leben u. s. w. gethan und geleistet hat und statte nur über diejenigen genaueren Bericht an ihre Committenten ab, welche von ihrer Gemeinde aus innern, sittlichen Motiven ungern scheiden und von derselben lebhaft vermißt werden würden. Man erkennt auf den ersten Blick, daß wir jetzt nur noch ein kleines Häuflein zur Auswahl übrig haben, daß die zahlreiche Sippschaft,-von dtr das Gerücht weiß, auf ein bescheidenes Duumvirat oder Triumvirat herabgeschmolzen ist. Aber auch für die Uebrigbleibenden, die nicht auf der großen Retraite spurlos verloren gegangen sind, ist noch theologische Gelehrsamkeit, hohe Moralität, anerkannter literarischer Ruf, NachweisWeordneter Universuätsstudien, vor Allem zweifellose echte und bewährte Frömmigkeit ohne radikale Neuerungssucht wie ohne hartnäckigen Stabilismus nötlstg, ehe sie sich Hoffnung machen können, nicht blos gewählt zu werden —- denn dabei spielt ja so oft im Leben der leidige Zufall die Hauptrolle, —sondern wenn sie gewählt sind, das Bewußtsein zu haben, daß sie nicht blos berufen, sondern daß sie wirklich auserwählt waren, um ihre Aufgabe würdig zu erfüllen. — Und was anderes, als diese große, wichtige, bedeutungsvolle Aufgabe, die einem Chelf-Rabbi in London, in naher und ferner Zukunft beschieden sein möchte, rechtfertigt solche Anforderungen wie wir sie gestellt haben und wie sie, so hoffen wir, die Wähler selbst stellen werden? Schwedin, 22. Febr. In dem interessanten Aufsatze: „Das> Jahr 5602 von E. C." in den Nrn. 43—53 des Orients 1842, sind auch in Nr. 52 einige kurze Notizen von den Verhältnissen der Israeliten im Großherzogthum Meklenburg-Schwerin gegeben, die wahrscheinlich aus unzulänglicher Bekanntschaft des Herrn Vers, mit den hiesigen Lokalverhältniffen, eine Berichti- .gung fordern, welche hoffentlich sowohl'dem Hrn. Vers, als den geehrten Lesern dieser Blätter nicht unlieb sein dürfte. Die .mit dem Beginn des Jahres 1841 in Schwerin begründete Gemeindeschule, welcher Hr. Dr. I. A. Fränkel ein Jahr als Lehrer vorgestanden, hat mit dessen Abgänge keine augenblickliche Unterbrechung erlitten und erfreuet sich unter der Leitung des wackern Lehrers Hrn. Meyer eines gedeihlichen Fortgangs. Die in Güstrow Ostern 1841 errichtete Religionsschule hat durch den nach sünfvierteljährigem Wirken eefolgten Tod des hoffnungsvollen Dr. Löwe einen schmerzlichen Verlust erlitten. Seine Stelle vertritt seit Michaelis 1842 der viele Jahre an der Schule zu Strelitz als Religionslehrer angestellt gewesene Hr. Dr. Sophar. Die in Bützow und Wahren Michaelis 1841 errichteten Religionsschulen, an deren ersterer Hr. Traube und letzterer Hr. Gold stein — beide wissenschaftlich gebildete und des Lehrfaches kundige Männer — vorstehen, bestehen gleichfalls und entfalten in ihren Kreisen eine wohlthärige Wirksamkeit. Durch die Anstellung des Herrn Freund —früheren Lehrers an der Schule zu Hildesheim —in Röbel (Michaelis 1841) hat die dortige Religionsschule eine wesentliche Verbesserung erfahren. . In den genannten Gemeinden ist das Religionslehrer-Amt von dem Schächter- und Cantorfach getrennt und kann demgemäß eine gemeinnützige Wirksamkeit entfalten. In den übrigen kleinern Gemeinden hat eine solche Trennung bisher nicht stattsinden können. Es sind jedoch in diesen folgende Retigionsschulen hervorzuheben, welche durch Anstellung qualisicirter Lehrer einen erfreulichen Aufschwung genommen haben. Die zu Grevismühlen unter Leitung des Herrn Alba, die zu Neustadt unter Herrn Braggenheim, zu.Goldberg unter Hrn. Goldschiener, zu Crivitz unter Hrn. Neustadt, zu Parchim unter Hrn. Cahn, Rehna unter Hrn. Levi, Dargun unter Hrn. Freienberg, Ludwigslust unter Hrn. Gabriel, Neukalden unter Hrn. Steinthal, Stavenhagen unter Hrn. Cohn und Teterow unter Hrn. Sulinger. Die Schwierigkeit für alle, mitunter kleine und wenig bemittelte Gemeinden, qualisicirte Lehrer zu gewinnen, ist allein Schuld daran, wenn noch hie und da störende Lücken wahrgenommen werden. Ein durch die landesherrlichen Commiffarien im israelitischen Oberrache kräftig unterstützte Bitte bei der hohen Landes-Regierung um die theilweise Verwendung des noch bestehenden Schutzgeldes zum Behufs eines gedeihlichen israelitischen Schulwesens, 10*

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