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Der Orient · 1843-02-28 · 9 (28.2.1843) · p. Spalte 133-134

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
9 (28.2.1843)
Article
Jüdische Volkskalender [Rezension]
Date
1843-02-28
Page
Spalte 133-134 (sequence 1)
Language
German
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133 134 Jüdische Bolkskalender. Wiener Kalender. Jüdische Bolkskalerrder. 1. Kalender und Jahrbuch für Israeliten auf das Jahr 5603/ mit Beiträgen von Dr. I- Auerbach, Dr. Ludwig August Frankl/ Dr. I. M. Jost, I. N.Mannheimer, Dr. Ludwig Philipp son, Dr. M. Sachs, M. E. Stern, Josef Werthheimer. Wien, 1843. 6. Franz Edler v. Schmid und I. I. Busch. Volksbücher sind die Telegraphen der verdrehtesten Bildung und Aufklärung, die Gradmesser der bei der Masse durchgedrungenen Cultur und theils als Resultate des Volksverstandes, theils wieder durch den allgemeinen Einfluß auf Fortbildung dieses Verstandes verdienen dergleichen Bücher die höchste Beachtung und die sorgsamste Pflege. Israelitische Volksbücher verdienen aber noch, abgesehen von den allgemeinen Gründen, eine desondere Beachtung und Aufmunterung, da, bei dem jetzigen Zustande der israelitischen Kultur, diese erst ein zu fühlendes Bedürsniß horvorbringen sollen. Denn bei aller Schreibseligkeit, die seit ungefähr zwei Jahrzehnten unter den Israeliten Mode geworden, so hat sich diese doch noch nicht über Predigten, Katechismen und Ritualstreitschristen hinaus ausgedehnt; an nur einigermaaßen erträgliche Volksbücher, Kalender, Almanache, Jahrbücher und andere dergleichen haben wir bis jetzt, wenn man einige flüchtige Erscheinungen abrechnet, die aber eben so schnell verschwinden, kaum, zu denken, und gewiß werden es Viele wie ich in der Ordnung finden, daß diese Erscheinung mit Freuden zu begrüßen und ihr Anerkennung, Beifall und Theilnahme zu wünschen sei. Die Herren Verleger, nach ihrer Aeußerung^ im Vorworte, sind entschlossen, dieses Jahrbuch.regelmäßig fortzuführen, wenn die gefällige Mitwirkung von angesehenen Männern Israels nicht ermüdet, und die große Masse des jüdischen Publikums in diesem Buche eine Befriedigung sinder, da das Eine so nöthig ist als dos Andere, oder vielmehr das Erste von den Letzteren bedingt ist. Sehr gut sagt in diesem Jahrbuche S. 113, als von dem Buche Tarschisch des Mose den Esra die Rede ist, der Hr. Dr. Sachs: „Das berühmteste Werk unseres Autors ist das Buch Tarschisch, ein bunter prächtiger Poesiegarten, das, sowie der Diwan, des erlösenden Moments harret, der es aus dem engen Raume der Bibliotheken in das Licht der Oeffentlichkeit ruft. Möchte dieser nicht fern sein, und die in einem kleinen Kreise mit seltener Treue und Aufopferung gepflegte jüdische Wissenschaft bald umfassendere Theilnahme und Förderung von daher, gewinnen, wo die Mittel zu Theaterlogen und eleganten Keepsakes mit englischen Stahlstichen in Hüll' und Fülle vorhanden sind, aber für die Unterstützung jüdischer Schriftwerke, mit dem Interesse für die Nationalliteratur fehlen. Das von jüdischen Magnaten oft so theuer erkaufte Mäcenatenthum, sollte wenigstens der jüdischen Literatur auch einmal zu Gute kommen!" — In diesen Wunsch des Hrn. Dr. Sachs möchte nicht nur Jeder einstimmen, der den merkantilen Krebsgang unserer besten Schriften, wenn die Ostermesse heranrückt, kennt, sondern auch jeder Literaturfreund, dem das Stocken der besten Werke bekannt ist. Früher gehörte es zum guten Ton, ja' zum Hausmöbel, daß jeder nur einigermaßen bemittelte Hausvater sich eine kleine Hausbibliothek anschaffte, das war eine Thatsache, und es mußte uns genügen, daß es die Literatur der damaligen Zeit war. Jetzt hat die große Aufklärung die reichen Juden ganz umgeandert, zu einem wahnwitzigen Enthusiasmus für Liszt, zu den seltenen Sprüngen für die Elfter haben die gefüllten Geldsacke der Juden hinlängliche Mittel, obgleich sie nur dafür verhöhnt und verspottet werden, nie aber zum Ankauf des kleinsten Schriftwerkes, zur Unterstützung eines Unternehmens, das zum Wöhle der Juden mehr beiträgt, als die Krankenhäuser, die Heine-Hospitals, die jämmerlichen Almosen sammt dem ganzen Papierwucher an den Börsen Europa's. Doch ich will, dieses Thema für eine andere Gelegenheit versparen, da sich nur zu oft dazu eine Gelegenheit darbietet, und will zu unserem Jahrbuche zurückkehren, welches ich dem Publikum recht dringend empfehle, damit das schöne und nützliche Unternehmen nicht durch einen unzeitigen schmutzigen Geiz unserer jüdischen Magnaten gestört werde, was ich übrigens auch für die anderen hier anzuzeigenden Volksschriften erbitte. Nimmer kann es ein Familienvater bereuen, wenn er für einige lumpige Gulden, die er sonst so leicht hingibt, um sich auslachen zu lassen, alle dergleichen Schriften entweder für sich oder für seine Kinder an schafft-; es kann durchaus nicht schaden, wenn sie etwas Gemächlichkeit und jüdische Geschichte lernen, wenn auch nur, um sie vor Thorheiten zu bewahren.' Um meine Empfehlung zu motiviren gebe ich hier von allen diesen Volksbüchern ein übersichtliches Referat; vielleicht wird auch mancher Leser durch diese oder jene Erzählung zur Anschaffung bestimmt. Zuerst kommt der eigentliche Kalender, bestehend aus folgenden Pacthien: 1) Zeitrechnung und Erinnerungstafel an besonders für Israeliten denkwürdige Ereignisse. Zur Abwechselung sollte im nächsten Jahrgang für diese etwas verbrauchte Form Dr. Sommerhausens Daat Dorot (Brüssel 1842., Lpz. bei Fritzsche) in einer deutschen Bearbeitung gegeben werden, oder andere Themate zur Bestimmung der Epochen gewählt werden. Die Herausgeber haben auch wirklich in einer Note eine solche Weiterführung versprochen und es wäre den nachfolgenden Kalendern dasselbe zu empfehlen. 2) Zeit- und Festrechnnung der Israeliten im Jahre 5603, nämlich: die vier Jahreszeiten und die Feste und Neumonde, wobei ich folgende Verbesserungen wünsche: für Tekufoth setze Tekufot, für Chesw a n s. M a r ch e sch w a n, s. T a m u s s. T a m m us, f. Nissan s. N i s a n, f. A z e r e t h s. A z z e r e t u. 9*

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