Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1843-02-28 · Heft 9 (28.2.1843) · p. Seite 67

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 9 (28.2.1843)
Article
Das hannöver'sche Judengesetz
Date
1843-02-28
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2360092-2360256-2360266-2368539--3027-2368591
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 67 -! Trennung versucht, kann sie doch nicht materiell durchgeführt! werden. Wenn Versuche gemacht würden, dürsten die Beamj ten nicht von den Bürgern, die Bürger nicht von den Juden, | die Städter nicht von den Landleuten, Jene und Diese nicht f unter sich zu trennen sein. Im Frieden hat dieß nichts zu ( bedeuten und im Kriege darf man es nicht einmal versuchen, \ weil dieß die Wehre vernichten würde.? Das Schutzverhältniß der Juden wird aufgehoben, allein t die Leistungen, die daraus folgen, bleiben einstweilen bei stehen. Mit andern Worten: die Leibeigenschaft wird aufi gehoben, allein der Eigenhorige bleibt vor wie nach an die I Scholle gefesselt. Nein! es ist noch weit drückender, denn der Jude, welcher in seinem bisherigen Wohnorte an den Gemeindeverband gewiesen ist, soll dafür alle Leistungen übernehmen, welche der Christ trägt, ohne jedoch auf ein Gemeindeamt oder dergleichen Anspruch machen zu dürfen. Unsere Regierung ist viel zu human, und zu rechtlich gesinnt, um dergleichen zu dekretirm,' möge man auch sonst so viel gegen sie sagen als man will, aber der Adel, die adelige Geistlichkeit und die Domamenkammer betrachten das so hohe Schutzgeld als eine Rente, welche den Gütern anklebt. Vor einigen Jahren verpachteten ein Edelmann und ein geistlicher Pfründner ibre Güter , und da wurde der Judenschutz bei dem einen Gute zu 556 Thlr. bei dem andern zu 576 Thlr. in Anschlag gebracht. Bei den'Domainen werden diese Einkünfte nicht mit verpachtet, sondern unmittelbar erhoben. Der Gesetzentwurf lautet: „Das Schutzv erhältniß der Juden wird aufgehoben". Die Adelskammer hat das Amendement gemacht: „allein die Leistungen bleiben bestehen". Die zweite Kammer hat dieß — wie sich von selbst versteht — angenommen und die Regierung, nachdem sie vergeblich die Adelskamm er zu bewegen g esucht/das Amendement fallen ' zu lassen, nichts weiter als das Wörtchen „Einstweilen" erreicht. „Einstweilen" heißt aber bei dem Adel in solchen Dingen „ewig". Was soll man dazu sagen? oder richtiger : was wird darüber in den bürgerlichen Familien, den Gesellschaften , den Klubbs re. täglich gesprochen? Ach! das müßten Adel und adelige Geistlichkeit hören! Aber wenn sie es auch hören, verschlucken sie es, und denken an den ewigen Frieden, an die Eintracht des deutschen Volks und an die fürstlichen Toaste daraus. Riederland. Amsterdam, 1. Febr. Meinem letztem Berichte über den Fortgang der trefflichen Machasor-Ueberfttzung und die Belohnung, welche den Uebersetzern zu Theil geworden, welche Mittheilung der Orient brachte,/habe ich noch hinzuzufügen, daß die Herren M. S. und G. I. Polak jetzt noch ein anderes literarisches Unternehmen begonnen, das von allen Freunden der Aufklärung und der wahren religiösen Bildung die größte Beachtung verdient. Ich meine die Herausgabe der ganzen Bibel mit Ausnahme des Pentateuch, irn Urtexte mit holländischer Übersetzung, die nach der bereits gedruckten Probe-aus Hiob in jeder Beziehung sich der besten Bibel-Uebertragung nnreihen dürste. Unser aufgeklärter, alles Gute fördernder Rabbiner Hirsch Herzveld zu Zwolle hat nicht nur dieses Unternehmen gutgeheißen, sondern auch noch durch seine ausgezeichnete Haskama sehr empfehlen und auf das Bedürfniß einer solchen noch aufmerksam gemacht. Hr. Herzveld, der Ihren Lesern, so viel ich weiß, .noch gar nicht bekannt ist, verdient aber gewiß nicht minder als die guten Rabbinen Deutschlands einer rühmlichen Erwähnung; er ist ein aufrichtiger Mann des Fortschritts und nicht nur Oberrabbiner, sondern auch wirklich ein Gelehrter, und wegen seiner Verdienste ist er Ritter des Löwenordens. Sein im vorigen Jahre im Haag erschienene Broschüre in holländischer und hebe, Sprache über eine Kultusreform werden Sie nächstens zur Beurtheilung erhalten. Unser Synagogenwesen und unsere Institute sind bekannt; sie haben schon so oft eine Besprechung in deutschen jüdischen Blättern gefunden, daß jede. Erwähnung, derselben, zumal der Zustand mehr unveränderlich bleibt, als überflüßig erscheint. —r Das Neueste, was hier innerhalb der jüdischen Kreise stark zur Sprache kommt, ist das ohne Titelblatt prachtvoll gedruckte Brvschürchen von dem Eomite für die Palästina-Spenden. Alle jüdische-Blätter, und am Ende alle Freunde der Wahrheit, sind gegen die Heimlichkeit der Vertheilung, gegen die durchaus unmotivirte Verweigerung der Rechnungsablage, und man bedauert hier allgemein, daß die sonst so wackeren Comite-Mitglieder, wie die Herren.Hirsch und Jacob Lehren, Abraham Prinz und Salm an Rubens sind, den gerechten Anforderungen der Eommitenten sich entziehen. Deutschland. Berlin, 20. Febr. Die Vossische Zeitung vom 7. Febr. enthält abermals eine jener Einsendungen, aus denen man ersehen kann, wie einzelne Mitglieder der jüdischen Gemeinde zu Berlin ihren Vorstehern das Leben recht sauer zu machen und ihr Amt zu verleiden trachten» Die Einsender beklagen sich über die Preiserhöhung des. koschern Fleisches. Diese Abgabe (jährlich 6000 Thlr.) treffe nämlich nur den Mittelstand und die Armen, da die Reichen und sogar die Vorsteher ihren Fleischbedarf nicht aus dem Gemeindescharr, sondern gegen die Warnung der geistl. Beamten aus dem Nebenscharm nehmen. Ein Theil der Reichen beobachte außerdem die jüdischen Speisegefttze nicht. — Auch sei es zu verwundern, daß die Vorsänger und die Schächter, die doch auch religiöse Funktionen üben, 9 *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.