Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Beilage zu Nr. 9 (28.2.1843)
- Date
- 1843-02-28
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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bedeute: nach und nach. Kamen die Juden am nächsten Landtage mit einer Petition, so würde man sie wieder auf den nächsten vertrösten. Die Stimmen .gegen diese Maaßregel gingen meistens von den betheiligten Gewerbetreibenden aus und seien gray am in a de futuro; doch nicht Alle dieses Standes seien dagegen, wie das Zeugniß eines erfahreren Gewerbtreibenden beweise, der 1837 in diesem Saale gesessen habe. Dies sei der Beweis, daß die Besorgnisse wegen einer Emancipation nicht so tief begründet seien; denn sonst würden sich alle Gewerbtreibenden dagegen aussprechen. Wohl seien die Volksmeinung und die Wähler zum Lheil dagegen, aber dies sei kein Grund, sich auch hier dagegen auszusprechen, um so weniger, als dies nicht liberal, gerecht und im Sinne der Constitution sei. Als Abschlagszahlung nehme er das Deputationsgutachten an, so weit es den Juden das Geforderte gewähre, stimme aber dagegen, so weit dies nicht der Fall sei. Abg. v. Zeschwitz: Nach und nach bedeute, daß im Wege der Gesetzgebung die moralische Hebung der Juden bewirkt werde; er sei im Princip für die Emancipation: nur dürfe dem Juden nie eine Stellung eingeräumt werden, in welcher er einen Einfluß auf die christliche Kirche und Schule haben könnte. Abg. Lodt: Wenn der Abgeordnete die moralische Hebung als Bedingungunz betrachte, so. mache er sich einer petitio principii schuldig. Abg. Tzschucke: Er wisse nicht, wie seine Wähler über die vorliegende Frage dächten; wie ihr Urtheil auch immer ausfallen möge, er sei .seiner. innersten Ueberzeugung nach für eine volle Emancipatwn. Die Verbesserung des bürgerlichen Zustandes der Juden sei eine von der Staatsklugheit gebotene Maßregel, weil die Juden sich ohne gleiche Berechtigung mit den Christen von den Fehlern nicht reinigen könnten, welche man ihnen zum Vorwurfe mache. Es handle sich jetzt aber auch nicht um eine völlige Emancipation; er habe das Deputationsgutachttn mit.unterschrieben und gehöre zu der Minorität, welche sich hinsichtlich des EinemPunktes gegen die beschränkte-Bevorwortung der Petition gebildet habe. Abg. aus dem Winkel: Die schnelle Abänderung der Gesetze sei nicht gut. Durch jedes Gesetz werde etwas bestimmt, was Dem oder Jenem nicht anstehe. Solle daher ans jede Forderung einer Abänderung eingegangen werden, so gerathe die Gesetzgebung in Verwirrung. Er halte es für wohlge- Lhan, den Juden die gewünschten Vortheile nur nach u. nach einzurätpnen. Wenn in eine große Gesellschaft -ein einzelnes Mitglied eintreten wolle, so frage man erst: paffe es in dieselbe? Wenn er erwäge, daß dieser Fall dem gegenwärtigen ganz analog sei, so könne er in Betracht der gemachten Erfahrungen über die Antwort nicht in Verlegenheit sein. Denn diese sprächen nicht für den gewünschten Fortschritt; die Juden hätten selbst von den ihnen gewährten Rechten nicht immer den rechten Gebrauch gemacht; er halte sich daher überzeugt, daßdie ihnen bereits zugestandenen Vortheile noch für einige Zeit ausreichend seien. Abg.. Brockhaus-: Er stimme mit dem Redner vor ihm in dem Grundsatz überein, daß ein zu schneller Wechsel in der Gesetzgebung nicht rathsam sei; aber es würde jetzt auch nicht von der Abänderung eines Gesetzes'dje Rede sein, wenn diese nicht die Entfernung einiger illiberaler Bestimmungen bezweckte, dienerst durch die Schuld der Kammer in das Gesetz gekommen wären; die Kammer übe daher nur eine der gewöhnlichsten Pflichten, und diese sei, daß man ein Unrecht wieder gut zu machen suchen müsse. Habe mnn gemeint, die Juden müßten vor ihrer Emancipation erst.den Gipfel der Tugend erklimmen, so leuchte die Jrrthümlichkeit dieser Prämisse von selbst, ein. — Denn wenn man mit gleichem Rechte dann auch sagen könnte: Verlag von C. L. Fritzsche. ■ ~ ~~ Preßfreiheit soll nicht eher gewährt werden, als bis durch die Presse nicht mehr gesündigt wird, so müsse man gefaßt sein, noch lange auf die verheißene Preßfreiheit zu warten. - Abg. Hensel: Es sei nicht von Fremdlingen, sondern von den eignen Staatsbürgern die Rede, die noch großen Beschränkungen unserworfen. seien, ob sie schon mit den Christen gleiche Pflichten hätten. Was für die Juden, beansprucht werde, sei nichts weiter als ein diesem Prinzip der Gleichheit sich annäherndes Verhältniß. Das Beanspruchte vermöge den gewerbtreibenden Christen keineswegs ernstlich zu bedrohen; der Christ stehe auf einer zu hohen Srufe, als daß er sich pom Juden überflügeln lassen sollte. Wo aber ja einer solchen Besorgniß Raum gegeben sei, habe die Deputation auch angerathen, an dem arithmetischen Verhältnisse festzuhalcen, und über das „nach und nach", bemerke er, daß die Regierung selbst die Juden für alle von der. Deputation bevorworteten Rechte befähigt gefunden habe. Der Entwurf des Gesetzes von 1838 sei eine Leiter, auf der die Juden nach und nach zur bürgerlichen Freiheit gelangen sollten. In diese seien von den Ständen selbst noch einige neue Sprossen eingeschlagen worden, und es sei Zeit, wieder einige daraus zu entfer- 'nen.- Aus der äußern Freiheit entwickle sich die innere, daher sei die fortschreitende Verbesserung des bürgerliche Zustandes der Juden um so mehr zu empfehlen, als durch die gebotenen Vortheile zunächst nur für die^ jüdische Jugend gesorgt werde, die durch die Geburt ein Recht aus das Staatsbürgerthum erworben habe. Abg. Poppe: Er sei für die Emancipation, weil er sie selbst für die christliche Bevölkerung nach den gemachten Erfahrungen für eine Wohllhat, den jetzigen Zustand für eine Last halte, und werde daher jeden zweckentsprechenden Antrag unterstützen. Abg. v. Thielaur In den Gründen des Widerstandes gegen die Emancipation der Juden gleiche man einem Manne, der einem Durstigen, der zu trinken verlange, oder einem Hungrigen, der gesättigt sein wolle, sage: Mein Frcuud, du möchtest dich erkälren oder dir den Magen verderben! Alle Gegengründe bis auf den aus der Beschränkung des' Aufenthaltes der Juden auf die Orte Dresden und Leipzig entnommenen Einwand hätten für ihn keinen Werth; aber es brauche diese Beschränkung auch nicht fortzubestehcn. Auf die Vorurtheile gegen die Emancipation dürfe man keine Rücksicht nehmen, man müsse diese ausrotten. Der Grund, daß die hinsichtlich der moralischen Hebung der Juden von dem Gesetze von 1838 gehegten Erwartungen nicht Alle befriedigt fänden, sei darin zu suchen, daß man etwas Halbes gemacht habe und doch etwas Ganzes erwarte. Daß die Juden ehrenhafte, würdige Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden könnten, daran hindere sie ihre Religion nicht.— Den Beweis liefere Holland, wo sie durch den Gebrauch, den sie von der staatsbürgerlichen Mündigsprechung gemacht, gezeigt hätten, daß sie würdig seien, der Nation anzugehören. Wenn man immer davon rededaß sie sich der ihnen zu crtheilenden Rechte erst würdig machen sollten, so sei das nichts anders, als wenn man sage, sie sollten, schwimmen lernen, aber nicht ,in's Wasser gehen. Man möge sie doch nur nicht wie Parias/ sondern wie Menschen behandeln! Abg. Jani: Da man die Juden einmal im Lande habe und sie nicht wieder los werden könne, müsse man ihnen wie den Christen rechtliche Erwerbsmittel gewähren. — Die christliche Bevölkerung sei ihnen an Zahl weit überlegen und nehme mindestens in gleicher' Proportion wie die jüdische zu; daher sei kein Grund zu der Befürchtung , daß sie von dieser überflügelt werden könne. Er stimme daher für das Deputa- -tkonsgutachten. \ (L. A. Z.) Druck von I. H. Nagel.