Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 8 (21.2.1843)
- Article
- Schriften über Humanität und Duldung [Rezension]
- Date
- 1843-02-21
- Page
- Spalte 123-124 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8555529-9897774-9897790-2368488--2565-2368522- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
123 Stimmen berühmter Christen über den Damascener Blutprozeß. Politische Literatur. 124 der hier gesammelten Stimmen ist weniger, um das bekannte schauerliche Mährchen zu widerlegen, als durch die mitgetheilten Zeugnisse 'berühmter Männer, die Leser der Humanität und der Duldung zuzuwenden, so daß der Aberglaube an die blutige Mähr selbst verschwindet. Es wird daher genügen, um auch diesen Nachtrag den Lesern des Orients zu empfehlen, wenn ich den Inhalt übersichtlich mittheile. Die Anlage zerfällt in 2 Abteilungen, deren erste Folgendes enthält: 1) Einleitung, worin die psychologische Erscheinung erklärt wird, wie die Aufmerksamkeit, welche schlechte Handlungen erregen, in verderbten Gemüthern zum Reizmittel werden, dieselben Thaten oder ähnliche zu thun. Der Aberglaube ist ebenfalls rontagiös; es muß daher immerfort dagegen gekämpft werden, wenn nicht Fanatismus und Unsinn ihr Netz über des Menschen Herz ausbreiten soll. Dieses bewog Hrn. L. im März 1841 ein Schreiben an die berühmten Gelehrten, nämlich an Dr. Ioh. Fr. v. Meyer und Dr. F. Jos. Molitor zu richten, um öffentliche Erklärungen über diesen Gegenstand von ihnen zu erhallen. Diese Erklärungen werden mitgetheilt und die von Molitor hat, wie erwähnt, bereits im Oriente einen Platz gefunden. Was das Verhä'ltniß der beiden Gutachten zu einander anlangt, so ist das erste'mehr aus der tiefen biblischen Anschauung hervorgegangen, während das zweite die Traditionen selbst zu Gewährsmännern wählt. — Hierauf folgt die zweite Abtheilung.— Im Jahre 1842 erschien das Werk: „Der neue Pitaval. Eine Sammlung der interessantesten Criminalgeschichten aller Länder aus älterer und neuerer Zeit", in welchem auch der Damaskus-Prozeß einen Platz gefunden. In der Darstellung des Prozesses erschien aber, -trotz der großen Besonnenheit und Unparteilichkeit, noch Manches, über welches §i\ L. zu sprechen sich berufen fühlte, vorzüglich da seit jener Zeit noch Daumers tolle Schrift erschien. Hr. L. erließ an die'Herausgeber eine Denkschrift, worauf die humansten und befriedigmsten Antworten erfolgten. Alle diese Aktenstücke sind hier mitgetheilt. Wir halten jede besondere Empfehlung dieser. Anlage für überflüßig; die Leser der Damascia werden gewiß auch diesen Nachtrag mit großer Befriedigung aus der Hand legen. Bei dieser Gelegenheit erlauben wir uns das geehrte Publikum auch aus die andern Schriften des Hrn. Löwenstem aufmerksam zu machen) diese sind: nobu/ *bwü. Die Pr overbien Salomo 's, mit Benutzung älterer und neuerer Manuskripte edirt, erklärt und metrisch übersetzt. 8. Frankfurt a. M., Siegmund Schwerbe r. 1838. Preis: 1 Rthlr. 8 Gr., oder 2 fl. 20 kr. rhein. (In Partieen wohlfeiler:) OM Die Thronen, oder Klagelieder Jeremias, mit Benutzung älterer und neuerer Manuskripte edirt, erklärt und metrisch übersetzt. Mit Hinzufügung verschiedener in den Synagogen eingeführten Elegien (nvP) für den Trauertag der Zerstörung Jerusalems (nV). 8. furt a. M., Karl Körner. 1838. Preis: ä Khlr., oder 54 kr. rhein. Damascia. Die Judenverfolgung zu Damaskus und ihre Wirkungen auf die öffentliche Meinung, nebst Nachweisungen über den Ursprung der gegen die Juden wiederholten Beschuldigung, als bedienten sie sich des Menschenblutes bei rituellen Zeremonien. Im Lauf der Ereignisse dargestellt und beleuchtet. 8. Zweite, verbesserte Auflage. Rödelheim, I. Lehrberger u. Comp. 1841. Preis: 20 Sgr», oder 1 fl. 12 kr.. Ueberzeugungen eine s Israeliten, gegenüber dem Proselytenthum. 8. Rödelheim, I. Lehrberger und Comp. Frankfurt a. M., I. CH. Hermann'sche Buchhandlun g. 1842. Preis: z Thlr. 48 kr. rhein. Politische Literatur Die Juden in Oesterreich, Preußen und Sachsen. Ihre allgemeine Stellung, ihre Rechte, Forderungen und Wünsche mir legalen Nachweisen v. Ferdinand Graf Schirnding. 1842. 8. Leipzig bei Volkmar. (Fortsetzung.) Doch beschuldige ich den H. S. nicht ungerechter Weise? Habe ich seine Freisinnigkeit nicht mißverstanden? Wie, wäre das Ganze eine geistreiche Ironie, ein fein versteckter Angriff auf die mit allen Privilegien ausgerüstete, zum Nachtheil des gesammten Staatskörpers so sehr bevorzugte Aristokratie gewesen) wenn es der müssiggängerische Theil' des Adels wäre, der weder durch körperliche noch geistige Arbeit der Gesellschaft nützt, der aus seinen längst vermoderten Ahnen Faulbette macht, um in seiner Trägheit darauf auszuruhen, sich den Staatskosten zu entziehen und nur die Vorteile für sich in Anspruch zu nehmen: wenn es nur dieser wäre, den der die Lugend der Selbstverleugnung in hohem Grade besitzende H. S. angreifen wollte? Wenn der H. Gr. in seiner eisernen Konsequenz sich selbst die Bürgerrechte abspräche, da er doch weit weniger als der Jude, an der Volksarbeit Lheil nimmt? — Zwar muß man das dem Gr. lassen, daß er die Literatur ganz Handwerksmäßig betreibt,' und seine Schriften können füglich zur körperlichen Arbeit gerechnet werden. Vielleicht entschließt sich H. Schirnding auch die Schriftstellern aufzugeben und die Feder mit dem Pflugschaar zu vertauschen. Aus dem H. G. könnte noch ein tüchtiger Bauer werden, und damit wäre dem Adel, Bürger, Bauer und Juden gedient. — Wir haben bisher einige Beispiele von des Werfs. Sonderbaekeiten dargelegt, es mögen nun einige Schlechtigkeiten folgen. Er sagt, „Es ist eine bekannte Lhatfache, daß Maria Theresia, aufgebracht über den Vorschub, den die Juden damals den Feinden Oesterreichs geleistet, 'beschloß, sie sämmtlich fortzujagen". Wer verbürgt diese Thatsache? Wo find die Beweise? Wie die Details davon? Warum sind die Thäter nicht eingezogen, das Verbrechen nicht untersucht, die Hochverräter nicht exemplarisch verurtheilt und bestraft worden? Warfts die sämmtliche Iudenschaft Böhmens, die sich dieses Frevels schuldig gemacht? Wo hat die Kaiserin einen solchen Grund angegeben? Wo dergleichen, ich will nicht sagen als erwiesen, nur als Verdacht ausgesprochen? So lange Gr. Schirnding dies nicht nachweist, Hafter auf ihm die Schmach des Verläumders. Er stehe seinem Gewissen und der Oeffent- Lichkeit Rede. I