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Der Orient · 1843-02-21 · 8 (21.2.1843) · p. Spalte 121-122

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
8 (21.2.1843)
Article
Schriften über Humanität und Duldung [Rezension]
Date
1843-02-21
Page
Spalte 121-122 (sequence 2)
Language
German
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121 122 Des Christen Dankopfer am Buß- und Bettage. Eine Predigt. wie tragisch der Stoff ist, und was die Ausführung betrifft, so können wir es bezeugen, daß es mit großem Geschicke geschehen. Die Diction ist lebendig und klar, die Verse sind abgerundet und würdig gehalten, und jedes einzelne der großen Gedichte hallt in der Seele des Lesers unwillkührlich nach. Sehr schön schließt der Sänger: „Das Schreckenswort, das Liebe kann ertödten, — das die Geliebte von der Brust des Jünglings reißt, — das Wort, das bei dem Schall der Kriegsdrometen — den Tapfern in die Niedrigkeit verweist, — den hohen Geist in niedern Sraub getreten, — den Menschen aus der Menschen Zahl' verweist, — das Wort heißt „Jude"; blutige Thränen — weihe ich des Wortes heimathlosen Söhnen." „Der Himmel gab uns alle gleiche Rechte — und nur zum Elend hat es uns gereicht, — daß wir der Duldung Keim in uns ertödten, — im frechen Wahn den Mensch(en) mit Füßen treten. Ich sage es frei: Wo steht das Recht geschrieben, — das jenes Volk zur Niedrigkeit geblieben." 2.) Des Christen Dankopfer am Buß - und Bettage. Eine Predigt unter hem freien Himmel vor Christen und Juden gehalten am 3. Nov. 1842 von einem protestantischen Geistlichen. 2. Aufl. Hamburg, 1842. 8. Mor. Geber. In den kurzen Worten des Vorwortes liegt des Verfassers Persönlichkeit und Tendenz wie ein Buch aufgeschlagen. Es heißt da: „Er (der Vers.) nennt sich einen protestantischen Geistlichen, weil er gegen alles Ungöttliche, d. h. gegen alles Unvernünftige und Unwahre protestirt und von je her protestirt hat. Er protestirt gegen alle Beschlüsse und Handlungen, die dem Adel und der Würde der menschlichen Natur entgegen sind, mögen sie von einem gekrönten oder gehörnten Haupte, von einem Königskabinet oder einer Rathsversammlung ausgegangen sein; er protestirt gegen die profanen, wie die sanctionirten Vorurtheile, sie mögen im alten oder neuen Testamente begründet sein wollen; von einem Rabbi oder einem Kirchenvater herrühren; er protestirt gegen die Sklaverei und die Unterdrückung Einzelner, wie ganzer Menschenrassen, sie mögen im Osten oder im Westen seufzen, mögen zu den Beschnittenen oder Unbeschnittenen gehören." In diesem Geiste ist die ganze Predigt geschrieben, mit dem drekgetheilten Rufe: Christ! Entrichte deine Schuld l Erkenne deine Roth! Erfülle deine Pflicht! wälzt sich der Strom der Rede mächtig hin, die Dämme des Vorurtheils niederreißend. Mit Begeisterung ist in dieser - Predigt von einem christlichen Prediger das Humanitätsgebot des Jahrhunderts in begeisterte Dyrheramben umgegossen und der Leser, so eingenommen er auch sonst gegen diese Idee sein möge, wird von der krästigeu und frischen Diktion hingerissen. Trefflich ist die Apostrophe in Bezug auf die Juden Hamburgs, wo diese Predigt gehalten wurde, so daß wir es uns nicht versagen können, sie herzustellen: Was wollen denn eure jüdischen Brüder? die Söhne eurer Mutter? Wollenste Rathsherren, Senatoren werden? Syndici werden? Wollen sie B a n k und Börse unter ihre Obhut bringen? Wollen sie eure Patronate an sich reißen? — Emaurcipirt r das heißt: Entknochtet .wollen sie sein; in einem freien Staate wollen sie nicht die einzigen Knechte und Sklaven sein! Frei wollen sie sein! das heißt zuerst, sie wollen frei athmen, sie wollen in jeder Straße, in jedem Viertel der Stadt athmen können, ohne zu befürchten, daß der christliche Nachbar aus dem Hamburgischen Gesetzbuch (Ist es glaublich!) ihnen beweist, daß ein Jude nicht überall — athmen darf. Frei wollen sie sein! das heißt zweitens: sie wollen ihre Hände, ihre Arme, ihre Leibes- und Geisteskraft frei gebrauchen, zu jeglichem ehrlichen Gewerbe, zu jeglicher nützlichen Kunst, zu jeglicher Wissenschaft, damit sie th ätig und arbeitsam sein können, ein Handwerk treiben können, um sich und die Kindlein zu ernähren, und nicht Andern und der G e m e i n d e und später dem Staate' zur Last zu fallen, oder Hungers zu sterben! Das wollen sie, ohne zu befürchten, daß der Christliche Mitbewerber lieblos zu ihnen sagen darf: Nur Cchristliche Hände, nur Christliche Arme dürfen ein ehrlich Handwerk treiben; nur ein Christliches Talent darf sich geltend machen! — Frei wollen sie sein, das heißt drittens, frei w ollen sie sein auch in ihrem Gewissen r wenn ihre Söhne Geist und Wissenschaft genug besitzen, um als Rechtsgelehrte, oder in einem andern gelehrten Fache dem Vaterlande zu nützen, so sollen st'e dies als ehrliche Israeliten rhunkönnen, und nicht gezwungen werden, als ehrlose Christen zu agiren, das heißt, die heilige Taufe zu entweihen und den Tausbrief als einen Eelaubnißschem zu nützen; sie wollen nicht heucheln, sie wollen nicht gleich von vorn herein betrügen; sie wollen sich durch kein Bubenstück in das Christenthum hineinlügen und durch dasselbe in das Bürgerliche Leben introduciren, 'einschmuggeln lassen! — Mit einem Worte: sie wollen Menschen sein, denn wer nicht Bürger sein darf in dem Staate, in welchem er lebt und webt und alle Lasten tragen Hilst, dem hat man verboten — Mensch zu sein: An dessen Menschheirlichem Wesen hat plan einen Mord begangen!! Freie Menschen wollen sie sein! Und zu dieser Forderung sind sie berechtigt, waren sie.längst berechtigt, und ihr seid die unchristlichen Christen, so ihr noch länger zögert, unfern jüdischen Brüdern, den Söhnen eurer Mutter, die Menschlich- Bürgerlichen Rechte einzuräumen. 3. Stimmen berühmter Christen über den Damaszener Blutprozeß. Als Anlage zu der Schrift Damaseia, von L. H. L ö w e n st e r n. Rödelheim, 1842. 8. Lehrberger und Comp. Die Damascia hat bereits Or. Jg. 1840 eine Beurtheilung gefunden und dieser so eben erschienenen Anlage ist bereits öfter schon Erwähnung geschehen und eine Partie daraus sogar schon oben LB. v. I. mitgetheilt. Der Zweck

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