Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 8 (21.2.1843)
- Article
- Das rabbinische Judenthum
- Date
- 1843-02-21
- Page
- Spalte 119-120 (sequence 4)
- Language
- German
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120 Schriften über Humanität und Duldung. Der Paria. 118 auf Aufhebung oder Umarbeitung desselben hinzuarbeiten" — Arme Lehrer Israels: Arme Talmudist en! Ihr seid nun alle Ungläubige geworden. Wit der ersten Frage, die die Gemara aufzuwerfen gewagt: „Woher ist dieses erwiesen?" hat sie eine wurzelnde Satzung in Frage gestellt, und hat sich gegen das Dogma, das im Iudenthum so fest stehen soll, verstoßen. Und ihr, die wir Rischonim und Achronim nennen, die ihr euch so abgemühet habt, das Gesetz zu ergründen, ihr seid nun verworfen, das Liffaer Rabbinat hat euch zu den Ungläubigenverdammt, denn ihr'habt euch erdreistet, Satzungen in Frage zu stellen. Doch der Gegenstand ist zu ernst und bedauerlich, um darüber scherzen zu können. Unser Talmud sagt: „Seid behutsam ihr Weisen in euren Worten und Ausdrücken; es könnten Andere aus der Quelle - eurer Behauptungen schöpfen, und sich daran den Tod trinken, und der Namen Gottes würde dann durch euch entweihet" (Abot, Abschn. 1. §. 11). Die Dogmen und die Schlüsse des Liffaer Rabbinats sind also durchaus unhaltbar, und der größte aller Hyperorthodoxen, wird und kann ihnen nicht Leistimmen; wohl aber werden dem, was es ferner zu behaupten strebt, daß keinem Lehrer gestattet sein könne, auf Aufhebung und Umarbeitung einzelner Satzungen.hinzuarbeiten, auch andere Rabbinen beistimmen; und doch ist auch dieß nicht minder falsche Es ist bereits ad 3 erwiesen, daß unsere Gesetzeslehre eine Zeit voraus gesehen, wo die Abschaffung einzelner Satzungen für die Aufrechthaltung der Religion nothwendig werden könnte; soll es nun einem jüdischen Lehrer nicht gestattet sein, wenn er diese Zeit herangekommen glaubt, (ob mit Recht oder Unrecht, gleichviel) auf Abschaffung oder Umarbeitung anzutragen? Wer sollte es sonst thun? der Laie? — Wohl darf sich Niemand von der Verpflichtung der Satzung eher lossagen, als bis seine Retigionsbehörde die Abschaffung für die Zeit ausgesprochen; in dem blosen Antragstellen jedoch, sehe ich durchaus nichts Antijüdisches. — Ueber das Weitere dieses Gutachtens habe ich blos zu bemerken, daß statt: „Wenn nun ein Seelenhirt dieses Dogma bestreitet u. st w." es heißen sollte: die Dogmen des Iudenthums bestreitet"; denn dieses Dogma gehört dem Liffaer Rabbinate, aber nicht dem Iudenthum an. —- Möge Gott Alle erleuchten, die nochsim Finstern wandeln. Möge er von den Menschenmückm den Wahn schwinden lassen, sie werden mit ihren schwachen Kräften, den Wagen des Zeitgeistes in seinem Laufe hemmen. Möge ein Geist des Friedens und der Eintracht in ganz Israel walten, und Alle sich vereinen, dm Strom des Zeitbedürfnifses segenbringend zu leiten, auf daß er nicht überbrause und die Umdämmungen niederreiße. Möge er zuführeu das Herz der Väter dem Herzen der Söhne, und das Herz, der Söhne zdem Herzen der Väter, und beider Ansichten und Meinungen aussöhnen, und in ein löbliches Ganze verschmelzen. Amen. Geruhen Sie nun, die Versicherung meiner .steten Hochachtung gütigst anzunehmen. Eines wohllöbl. Obervorsteher-Collegiums bereitwilliger und ergebener Hirsch B. Fasse!, Rabbiner. Proßrntz, den 4. Au g. 1842. Schriften Über MumsnitÄt und Duldung. 1.) Der Paria von Fredrik Montan. Motto: Wer nicht des Staates Glauben har, an den auch glaubet nicht der Staat. Berlin, 1843. 8. Julius Springer. Der Jude ist der Paria; das ist ein altes Lied und doch immer neu, und wir finden es durchaus nicht überflüßig, wenn ein Berufener den Paria zum Gegenstände einer Dichtung wählt, wenn nur überhaupt die Anforderungen, die man an einen Dichter macht, erfüllt werden. Eine kurze Angabe des Inhaltes dieses Gedichtes Montan's möge die Grundlage eines Urtheils bilden. Das kleine Gedicht zerfällt in 7 Th eile, von welchen jeder eine besondere Lage eines Juden schildert, in der er, schon des Namens Jude wegen, der Verachtung geweihet wird. 1.) Der Paria in der Liebe Seligkeit und Entzücken. Er schwört einer Jungfrau seine Liebe, sie will ewig ihm angehören und ist trunken von seiner Liebesgluth; das Wort Jude, welches sie endlich hört, verwandelt der Liebe Himmel in eine Hölle und zerbricht die Herzen. 2.) Der Paria im deutschen Freiheitskriege, der Freiheitstrunkme Paria in der Völkerschlacht. Mit Deutschlands Helden kämpft er todesmuthlg, er steht in der Kriegerreihe, um vom Feldherrn des Muthes Lohn zu empfangen; der Feldherr hört das Wort Jude — und nun ist Hohn des tapfern Jünglings Lohn. 3.) Der Paria versenkt sich in der. Studien Tiefen, und trinkt mit Eifer aus der Weisheitquelle; nach vollbrachten Mühen tritt er zu des Königs Minister, um einen Wirkungskreis bittend, den er verdient, — das Wort Jude verschließt ihm auch hier die Bahn der Ehren. 4.) Der Paria wirbt um einen Lehrstuhl, aber die Hochgelehrten hören das Wort Jude und die Bitte wird abgeschlagen. 5.) Der Paria spendet seine irdischen Güter zu vieler Menschen Glück, er lebt nur, um die Roth der Wittwm und Waisen zu lindern; aber das Wort Jude verhindert, daß die schönen Thaten, nicht einmal mit einfachem Lobe, geschmückt werden. 6.) Der Paria stirbt, der Leichenzug zieht durch die Gaffe, und das Wort Jude macht das vom Wahn umstrickte Volk noch ungerecht gegen den Todten; keiner wag seinen Haß bezwingen. 7.) Das Resultat. Schon diese flüchtige Skizze des Inhalts, so unlogisch auch die Themata aneinandergefügt sind, zeigt zur Genüge,