Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 7 (14.2.1843)
- Article
- Politische Literatur [Rezension]
- Date
- 1843-02-14
- Page
- Spalte 111-112 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8555529-9897774-9897788-2368431--2553-2368463- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
111 Literarische Ankündigungen. 112 Aber Geschichte und Menschenverstand ist die bürgerliche Canaille, die ein Graf, wie Schirnding, vornehm ignorivt. Er denkt mit seinem apodiktischen äixi, sich jeder Motivirung seines Urtheils uberhoben. Wozu die vorhergängige, reifliche Ueberlcgung, wozu die gründliche Forschung und Prüfung? Das mag für einen jüdischen Schriftsteller Verpflichtung sein, für einen gräflichen Scribler aber nicht. Zwar sagt unser Nieffer ,,Die Liebe bloß hat ein Recht zu irren, der Haß muß sich rechtfertigen," doch es ist wieder ein jüdischer Autor, der so spricht, ein Schirnding ist der Meinung, er möge immerhin aller wissenschaftlichen Kenntniß, ja aller Vernunft baar sein, selbst wo er Haß spürt, wo er schaden will. Hören wir, was der Hr. Gr. noch vorzubringen hat. „Ein Volk soll sich nicht auf Kosten des andern bereichern, ohne an allen seinen Pflichten (der Volksarbeit) in gleichem Maaße Antherl zu nehmen." Der Hr. Graf hat einen kuriosen Styl. Wer versteht diesen bedlamsfähigen Satz? Ein Volk soll an der Volksarbeit Lheil nehmen? Und an Arbeit wessen? An der seines eigenen, oder an der des andern Volkes? Also Oesterreich'z. E. soll sich nicht auf Kosten Frankreichs bereichern, ohne an Frankreichs Volksarbeit Theil zu nehmen? Doch der Hr. Gras meint unter dem 'ersten Volk die Juden, unter dem andern die Christen, was er sonst meint, weiß ich freilich nicht, da er's vermuthlich selbst nicht weiß. Dagegen habe ich jedoch zu,bemerken vor Allem, daß die Juden nimmer ein Volk sind, so wenig als die Katholiken, als die Protestanten, daß der Staat die Individuen und nicht die Klassen zu berücksichtigen hat , und selbst im Falle, alle Juden mit Ausnahme eines Einzigen, Taugenichtse wären, jener eine Jude ^auf alle Rechte eines braven Bürgers Anspruch machen könne. Wäre es mm aber nicht auch lächerlich, wenn man den Bewohnern einer Straße die Bürgerrechte entzöge, weil keine Handwerker, oder verhältmßmäßig zu wenig sich unter ihnen befinden. Und hat der Graf auch an den christlichen ZrmfLneid gedacht, der den jüdischen Handwerker mit allen ihm zu Gebote stehenden Neckereien und Plackereien verfolgt, von dem jüdischen Lehrling an, den viele Innungen nicht aufzunehmen das Komplott geschmiedet haben, bis zum Meister, den sie auf alle erdenkliche Weise schikaniren und quälen.? (Fortsetzung folgt.) Literarische Ankündigungen. In diesen Ankündigungen werden.literarische Anzeigen aller Art, besonders in so weit sie jüdische und orientalische Geschichte und Literatur betreffen, gegen \\ Sgr. für die gespaltene Petit-Zeile oder deren Raum ausgenommen. ' [16.] Vollständig erschienen, und in allen guten Buchhandlungen, in München in der Ioh. Palrn'scheir Hofbuchhandlung zu beziehen, ist: ' - Vollständiger Jahrgang . von - Terzett- und Cfjorgelängen der Synagoge in München. Im Aufträge des Synagogen-Chor-Comite bearbeitet vom Herrn Lebrer Maier Kohn. I. Lieferung enthaltend die Gesänge tvxth Preis 2 Thlr. Preuß. ob. 3 fl. 36 kr. rhn. II. — — — — Preis 3 Thlr. Preuß. od. 5 fl. 15 kr. rhn. HL — — — — DWlin ü^ub Preis 5 Thlr. Preuß. od. 8 fl. 45 kr. rhn. Den vermittelnden Buchhandlungen ist eine mäßige Vergütung für Porto und Spesen zu machen. Wer sich indeß direkt hierher an den Institutionslehrer Maier Kohn wendet, erhält das Werk oder einzelne Lieferungen zu obigem Nettopreis per Post oder anzugebende Gelegenheit.' München, im Januar 1843* Erklärung In dem Oriente Nr. 4 wird unter Andern mitgetheilt: es habe der hiesige ehrwürdige Rabb. Dr. Gebhardt das Recht, über rituelle Gesetze zu entscheiden, abgegeben, rr. s. w. Wir müssen Diesem mit entschiedenem Ernste entgegen treten, und fühlen uns als Vertreter einer Gemeinde, die ihr geistliches Oberhaupt in hohem Maaße, d. h. nach Verdienst liebt und hochschatzt, und daher durch jede ihn treffende Ver- Verlag von C. L. Fritzsche. " ' läumdung sich selbst verläumdet sieht, von gerechter Entrüstung gedrungen, jenes Gerücht als ein in allen seinen Theilen lügenhaftes und boshaftes zu bezeichnen. Unser ehrwürwürdige Rabb. ist sich seiner mehr als hinreichenden Fähigkeit, die Funktionen eines ntTfin bp im weitesten Sinne des Wortes verrichten zu können zu sehr bewußt, als daß es ihm je bekommen würde, sich des verdienstvollen Rechtes dazu zu begeben. Zu diesem Bewußtsein berechtigt ihn aber nicht blos das unumschränkte Vertrauen seiner frommen Gemeinde, und die ihm von allen bewährten Rabb. ertheilte ri^DD, sondern auch die vollste Anerkennung, die ihm fort und fort von durchreisenden Talmudisten zu Theil wird, die als tüchtig in ihrem Fache allgemein bekannt sind, zugleich aber auch als der alten Schule angehörende und im Rufe der strengsten Frömmigkeit stehende Männer selbst von der, den Neuern abholden Partei unbedingt geachtet werden. — Wir fügen nur noch die Bemerkung hinzu, daß wir künftighin solche. Insinuationen, mit gebührender Verachtung darüber hinwegsehend, keiner weitern Berücksichtigung würdigen werden, um so weniger, als wir uns (das ist in einem gar ausgedehnten Kreise bekannt) eines Rabb. zu rühmen haben, der durch seine gediegenen Kenntnisse in allen Fächern des theologischen Wissens, wie durch seine strenge Religiosität in Mett Richtungen des Lebens über jeder kleinlichen Klatscherei und jede /lächerliche Verdächtigung erhaben ist. Wreschen, 31. Januar 1843. (L. s.) Die Rabbmatsassessorenr Leyser Schottländer. AbraHam Lervandowsks. Der Corporations-Worstand: L. L ewandowski. M. Abramczyck. L. S'chrLmmer. Die Repräsentanten r Meyer Reich. Simon Ließ. S. Türk. M. Goldstern. M. Wolffsohn. Julius Holz.. M. Zöllner. 2C*r. Mendels sohn. M. Banner. Druck von I. H. Nagel.