Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 7 (14.2.1843)
- Article
- Das rabbinische Judenthum
- Date
- 1843-02-14
- Page
- Spalte 103-104 (sequence 4)
- Language
- German
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104 103 < Replik über die Verlegung des jüdischen Sabbat. von Maimoni-es ibid. Abschn. 21. §. 15 als Halacha ausgenommen). Wie viele unglückliche Ehen. wären weniger, und wie viele selbstständige Männer wären mehr gewesen, wenn es bei dieser talmudischen Anordnung geblieben wäre.! (Vergl. Baba Batra fol. 98 d) Aber die Spätern hoben auch Dieses den Umständen gemäß aufgehoben. (Kiduschin fol. 12 b in Losephot.) Wie viele talmudische Gesetze und Gebräuche könnten noch aufgezählt werden, von denen man in der spätem Zeit abgekowmen ist! Wo sind -ie Feste der Megilat Tanit? Womanche Badegesetze, manche Krauergebräuche re. re.? Aber ich will die angeführten Beispiele genug sein lassen; spricht doch die zu Grund gelegte Stelle deutlich genug,-daß es in der Gewalt einer jeden Religionsbehörde liegt, nach Zeit und Umständen das Gesetz zu modisiciren. Freilich nur das Ceremonial - Gesetz, nicht die moralischen Pflichten, und nicht die Glaubensprincipien; denn Das wäre eine Hierarchie, und diese erkennt das Iudenthum nicht an. - , (Beschluß folgt.) Replik. Kempen, Ende November 1842. lieber die Verlegung des jüdischen Sabbat. Eine Entgegnung. (Verspätet). So eben bringt mir die Post die direkt verschriebenen Nummern 9 und 10 des Israeliten des neunzehnten Jährhunderts. ' Es hat ein Anonymus — angeblich aus Schlesien — sich berufen gefühlt, in Beziehung auf meine unter dem Namen "*6 row oder „der wahre Sabbat" jüngst erschienene Broschüre 0, in Nr. 9 u. 10 des Israeliten des neunzehnten Jahrhunderts^ in unhzjligenr Eifer sich in Schmähungen zu ergießen, die ganz dazu geeignet sind, nur die böswilligste Absicht desselben blos zu geben, und aufs Unzweideutigste darzuthun, daß es ihm eigentlich gar nicht um den besprochenen Gegenstand zu thun gewesen. Ich habe, von einem gelehrten christlichen Theologen dazu veranlaßt, diesen Gegenstand in der wohlgemeintesten Absicht zur nähern Besprechung bringen wollen, und darum die Widerlegung der von einigen radicalen Reformern des Judenthums inner- und außerhalb desselben ausgehenden Scheingründe für die Zulässigkeit der Verlegung des jüdischen Sabbat auf Sonntag auf. die harmloseste Weise, in würdiger Haltung und mit seltener Moderation versucht. Ware es nun jenem Anonymus um die Sache selbst und um Ermittelung der Wahrheit zu thun gewesen, so hätte er in 1) Ln Commission bei F. E. C. Leuckart in Breslau. 2) D. h. vorigen Jahrganges, denn in diesem Lahre habe ich dieses Blatt noch nicht erhalten. derselben würdigen Weise seine widerlegenden Ansichten darlegen müssen. Während derselbe aber, in der verletzenden Recensi'ons - Manier der Sache selbst, der er das Wort reden will, von' vornherein schadet, stellet er sich anderseits als ganz unberufen ihr das Wort reden zu dürfen, indem er eine'auffallende Oberflächlichkeit kund giebt, und zur Unterstützung seiner Ansichten das Publicum mit Citaten auf'Treu und Glauben regalirt. Es sei fern von mir, seinen Jnvectiven ähnliche entgegenzustellen, da jeder auf Bildung irgend Anspruch Machende derartigen öffentlichen Skandal im Innersten des Judenthums verabscheuen muß. Ist dies etwa das Feld des Geistes und der Liefen Innerlichkeit, als das bis jetzt noch einzige, worauf wir, denen Las äußere Leben noch immer verschlossen ist, frisch und frei uns bewegen könnend Dies der edlere Standpunkt für uns? 0 temporal o mores! dürften wir dann klagend rufen. — Doch gestehe ich offen, daß ich auf das Ganze mit keinem Jota erwiedert hätte, da. ich seit mehren Monaten anderweitig zu sehr beschäftigt, diese Zeitschrift erst jetzt gelesen, und früher nicht einmal darum gewußt, wenn nicht in diesen Tagen von einigen entfernten Freunden, und eben heute auch von jenem hochehrwürdigen Veranlasser meiner Broschüre, dem Hm. Dr. N. -zu N..Briefe deshalb an mich ergangen wären, die mir eine Entgegnung im Interesse der Wahrheit zur heiligen Pflicht machen. Ich will darum, unbekümmert ob der Anonymus aus Nr. 9 mich zu derartigen Arbeiten berufen erklären mag, auf seine dort geäußerten Ansichten, soweit sie die Sache betreffen, meine Meinung einmal und nicht wieder sagen, und seine Jrrthümer, unumwunden darlegm. In Nr. 10 der genannten Zeitschrift versucht Hr. N., als Opponent, die Rechtfertigung der Verlegung des jüdischen Sabbat, und folgert aus seinen bodenlosen Prämissen zuerst als wahrscheinlich, daß nur die Feier eines Ruhetages überhaupt von wesentlicher Bedeutung sei, die Wahl des Samstages aber mit einer momentanen Erscheinung Zusammenhänge; und schließt mit der Hypothese, daß der jüdische Sabbat — dieses Institut des wahren monotheistischen Glaubens, ein religiöses Offenbarungsgesetz — nur als eine Accommodation zu betrachten sei!!! Nun gilt aber, obzwar schon Maimonides dieselbe Hypothese in Beziehung auf den Opfercultus aufgestellt, welche aber ebenfalls allgemein verworfen wird, eben so allgemein der ganz richtige Grundsatz im Judenthum, daß in einer göttlich'geoffenbarten Religion kein positives Gesetz eine Accommodation zu sein brauche, sein könne. Wir sind vielmehr der festen Ansicht, der übrigens auch Maimonides im More HL 27 ist, daß der Hauptgrund der Feier des Sabbat, der im Ex. 20, 11 angegebene sei: „Denn in sechs Tagen hat der Herr erschaffen die Himmel und die Erde, das Meer und Alles, was darin ist, und ruhete am siebenten Tage; da-