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Der Orient · 1843-02-07 · Heft 6 (7.2.1843) · p. Seite 42

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 6 (7.2.1843)
Article
Die Juden und die Hochschulen
Date
1843-02-07
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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42 schränkung der jüdischen Gelehrten das Wort geredet, daß noch keiner diesen Gegenstand zum Thema einer gründlichen, philosophischen Abhandlung gemacht, obgleich er durch seine Beziehung zu der Idee von einem christlichen Staate nicht uninteressant sein müßte. Im Jahre.1821 gab zwar ein Geistlicher, Diefenbach, unter dem Titel: „Jüdischer Professor der Theologie auf christlichen Universitäten. Eine Aufgabe für christliche Staaten (Giessen 1821. 8. bei Müller)" einige Hefte heraus, die nicht nur diesen Gegenstand zur Aufgabe hatten, sondern auch noch über den vom Christenthum abgestecktcn Weg weit hinausgingen z allein da nicht rechtliche, son-- dern philanthropische Gründe darin geltend gemacht wurden, so können sie kaum als solche betrachtet werden. Wenn aber je eine Zeit die wissenschaftliche Bearbeitung dieses Gegenstandes fordert, so ist es die gegenwärtige, theils weil man an vielen Universitäten anfängt, die hergebrachte Ausschließung der Juden aufzuheben, theils aber auch, weil der wissenschaftliche Fortschritt unter den Juden dergestalt zunimmt, daß die Abweisung dieser Frage bald kaum möglich sein wird. Berlin hat jetzt den Juden Peter Rieß als Mitglied der Akademie der Wissenschaften ausgenommen, womit bekanntlich das jus legendi verbunden ist; Bern hat den jüdischen Physiologen Valentin aus Breslau schon seit einigen Jahren als Professor. Ordinarius angestellt; in Göttmgen findet man Dr. Lheod. Benfey für indo-germanische Philologie, Dr. M. A. Srern für die mathematischen Wissenschaften, und obgleich Israeliten, in der philosophischen Fakultät thätig; in Heidelberg ist Di-. H. Oppenheim aus Frankfurt a. M. in vorigem Jahre in der juristischen Fakultät als Docent ausgenommen und Di. Gust.Weil schon seit einigen Jahren als Lehrer des Arabischen; in Leipzig kam-Or. I. Fürst vor drei Jahren in die philosophische Fakultät; Marburg hat schon seit einigen Jahren Di'. 3. Hoffa als Docenten und Di-. I. Rubino als Professor auf dem Gebiete der Philologie angestetlt u. s. w. Aber alle diese Abweichungen von dem Hergebrachten sind mit solcher Aengstlichkeit, und zuweilen wieder mit andern Beschränkungen verknüpft, ausgeführt worden, daß man sehr leicht.den Mangel eines Princips, einer Norm erkennt. An der einen Universität scheut man sich, den jüdischen Docenten zum Professor zu befördern, so daß es den Anschein gewinnt, als betrachte man die Docenten außerhalb der Universitätskörperschaft stehend; an der'andern Universität weist man den jüdischen Docenten eine abgesonderte Stelle im Lektionskatalog - und auch im Range an, wie z. B. dem Dr. I. R u b in o in Marburg, Fürst in Leipzig, so daß wenigstens die Principlosigkeit, wenn nicht gar unwürdige Kleinigkeit und verachtungswerthe Erbärmlichkeit, allenthalben durchblickt. — 2) DieEmancipation der jüdischen Wissenschaft aus den christlichen Universitäten, oder der Wunsch und das Streben, für die Wissenschaft des Judenthums an unfern Universitäten bestimmte Lehrstühle zu gründen, die von jüdischen oder christlichen Docenten eingenommen werden mögen. Man hat Lehrstühle für indische, persische, arabische, ja sogar tatarische Sprache und Lktteratur gegründet, und mit Recht, da der Wissenschaft jede Sonderung nach Nationalität und Vaterland fremd ist; _ die Gründlichkeit ist ihr das nationale Element und die Wahrheit ist ihr Vaterland; nur für die allseitige Wissenschaft des Judenthums, für die Kenntniß des^jüdischrn Alterthums und der jüdischen Geschichte, hat verjährtes Vorurtheil gegen die Juden Lehrstühle zu gründen verhindert. Und ist die Vernachlässigung bis jetzt auch erklärlich, da die bürgerliche Verknechtigung und Niederhartung der Juden mit der Verachtung und Vernachlässigung jüdischer Wissenschaftim 'Zusammenhänge steht, wie es doch mit der slawischen Wissenschaft nicht besser der Fall war, so sollte doch in unserer Zeit, wo die Wissenschaft ihren Einfluß auf das Leben und auf die Gesetzgebung zu äußern beginnt, eine Kenntniß des Judenthums und eine Betreibung der jüdischen Wissenschaft nicht länger ausbleiben, welche manchem Mißgriff der Gesetzgebung, manches Unrecht des Lebens, manches Vorurtheil gegen die Deutschen jüdischen Glaubens zu verbannen geeignet ist. Im vorigen Jahrhundert begann, wenn auch nur von dem einseitigen, vorurtheilsreichen theologischen Standpunkte, das Studium des jüdischen Alterthums und die Kunde einer jüdischen Wissenschaft in schwachem Dämmerscheine aufzutauchen, und dieser Anfang schon hat den Juden eine höhere Stufe der bürgerlichen Anerkennung errungen und die barbarischen Gesetze gemildert, so daß noch bis jetzt die Früchte jenes Anfanges nachwirken; aber seit 80 Jahren ist auch dieser schwache Dämmerschein erloschen, die Kenntniß des Judenthums, der jüdischen Litteratur und Wissenschaft befinden sich an unfern Hochschulen in einem so bedauerlichen, verlassenem Zustande, daß bald selbst diejenige Kenntniß verschwunden sein wird, den Autoren der früher» Jahrhunderte nachzuberen. (Fortsetzung folgt.) Deutschland. Hamburg, 24. Jan. (WB. v. 17-24.Jan.) Durch die preußischen Zeitungen erfahren wir, daß der Kaiser von Rußland durch einen Ükas vom 26. Nov. .1842 einen. Beschluß, des Reichsraths sanktionirt habe, wodurch für die in den Staatsdienst tretenden mosaischen Glaubensgenossen eine neue Eidesformel eingeführt werden soll. — Ueber den Wortlaut dieser Eidesformel ist hierbei zwar nichts mitgetheilt; aber die faktische Anerkennung der Zulässigkeit der russ. und poln. Juden zum Staatsdienste verdient unser volles Lob. Vielleicht wird diese Art der Emancipation die jüdischen Bewohner Rußlands aus ihrer Lethargie reißen; ist der Weg zu Staatsämtern erst einmal gebahnt, so werden Viele, wetteifernd, durch den Erfolg ihrer Glaubensgenossen aufgestachelt und ermuthigt, sich hohem Studien widmen. ' Was wir aber für besonders

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