Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1843)
- Article
- Die Juden und die Hochschulen
- Date
- 1843-02-07
- Page
- Seite 41 (sequence 1)
- Language
- German
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Vierter Jahrgang Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen lobt. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von »r. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. .0» Leipzig, den 7. Februar 1843» H a up t ar tik e l. Die Juden uird die Hochschulen. Von Dr. I. Fürst. — Deutschland. H amb u r g. Einführung einer neuen Eidesformel für die im Staatsdienst tretenden Juden in Rußland. Berlin. Umtriebe der Dunkelmänner. Leipzig. Bitte .in^Bezug aus den Nachlaß Wessely's. Oppeln. Gehässiges Verfahren "des schwab. Merkur. Baden. Petition der Rabbiner des Oberlandes. — Böhmen und Mähren. Prag. Nekrolog des Mediciners Broda zu Proßnitz. Festfeier des Staatsdienst- Jubiläums des Grafen C ho Lek. H o llesch'au. Feuersbrunst daselbst. — Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Vergangenheit und Gegenwart. Urkunden des Mittelalters. — Personalchronik und Miscellen. — LB. des Or. Die Inden und. die Hochschulen. Eine Betrachtung ' von Dr. Z. Fürst.-) Unter den fortschreitenden und mächtigen Bewegungen bei den Deutschen jüdischen Glaubens seil Mendelssohn, inmitten der kräftigen Entwickelung der Juden im Leben und in der Wissenschaft, in der Erziehung und der Sitte, in Ideen und in geistigen Bedürfnissen, kamen rmd kommen noch drei Bestrebungen vor, deren Schilderung und Besprechung, wenn auch nur in kurzer, skizzirter Form, in diesem Blatte wohl ein Plätzchen verdient. Diese drei Bestrebungen, die alle aus der Werthschätzung und Hochachtung der Wissenschaft hervorgegangen, haben drei Zielpunkte, und diese sind: 1) D ie Emancipatio n der Juden auf dem Geb iete der Wissenschaft, oder die Zulassung der Juden zu den Hochschulen, wenn sie gleiche Befähigung, gleichen Beruf, gleiche Begeisterung mit den christlichen Männern der Wissenschaft theilen. Alle Vorurtheile, welche die unklare Idee eines christlichen Staates bis jetzt gegen eine vollständige und unbeschränkte Judenemancipation geltend gemacht, treffen diesen Theil der *) Diese Betrachtung theilte ich, auf Verlangen, meinem lieben Freunde, dem Universitätslehrer und Geschichtsforscher Dr. Heinrich Wuttke mit, der ihr einen Platz in seinem Jahrbuche der deutschen Universitäten anwies.' Da der angenehmen Hoffnung, daß diese Betrachtung auch in jüdischen Kreisen manche Anregung zum Fortschritt bewirken könnte, entschloß ich mich zu dessen Abdrucke in meinem Blatte.. Red.! Gleichstellung nicht; alle Engherzigkeiten, welche auf dem Felde der Emancipation überhaupt dominiren, haben bei der Frage über Zulassung der Juden zu den Hochschulen auch nicht einmal den .Schein eines Halrpunktes. Das Doeeittenthum bietet auch nicht den entferntesten materiellen Vortheil. und nicht den geringsten bürgerlichen oder staatlichen Einfluß, und die Jünger, welche sich seinem Dienste weihen, können kein andres Ziel vor Augen haben, als im Dienste der Wissenschaft stehen zu wollen, siebenfach geläutert durch eine lange Kette von Entbehrungen, gefestigt durch eine oppositionelle Haltung wider die Anfechtungen des Staates. Aber wie in dem Judengesetze im Allgemeinen, so befolgte man auch in diesem besondere Theile desselben kein Prineip, sondern die stärkere oder schwächere Antipathie gegen die Bekenner des Ludenthums war hinreichend, die wissenschaftlichen Männer jüdischen Glaubens von den Hochschulen fern zu halten. Mendelssohn, der Philosoph, wurde vom preußischen Könige von der Wahlliste der Mitgliedschaft der berliner Akademie seines Glaubens wegen gestrichen, und ein Mann wie Gans konnte nur nach vorhergegangener Taufe sein Erbrecht vortragen. Zwar wurde im Rausche des Freiheitskampfes den Juden in ganz Deutschland das Lehrrecht an den Universitäten gewährt, und auch Preuffen sprach dieses Recht aus in dem bekannten Ludenedikte vom 11. März 1842; allein die gleich nach 1815 einge trete neu Rückschritte haben diese Gesetze schnell außer Wirkung gesetzt, und noch bis heute warten die Juden vergebens auf eine gesetzliche Aushebung dieser jüngern Beschränkung. Auffallend ist es übrigens, daß bis jetzt noch.kein Mann der Wissenschaft. an einer Hochschule ftü'r oder gegen diese Be- 6