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Der Orient · 1843-01-31 · 5 (31.1.1843) · p. Spalte 77-78

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
5 (31.1.1843)
Article
Beiträge zum Rabbinenwesen
Date
1843-01-31
Page
Spalte 77-78 (sequence 2)
Language
German
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77 Beiträge z. Rabbinenwesen. Religionsprufüng dev Räbb.-Candid. in Baden v. Fürst. 78 u. 39, und soviele andere aus dem Pentateuch angegeben? Auch wäre die Darlegung talmudischer und rabbinrscher Zeugnisse wünschenßwerth gewesen, so daß die Behauptung der Examinanden-durch alle Stadien des Iudenthums ausgeführt worden wäre. Zu Frage 5. Sind der Glaube an den' Messias und die Unsterblichkeit der Seele Dogmen des Judenthums, und in welchem Verhältnisse st ehen beide Religio nsi de en zu einander? Was den Glauben an den Messias betrifft, beginnt die Deduktion beider Examinanden erst mit den Propheten. Wichtig wäre es hier gewesen, mit dem Pentateuch die Untersuchung zu beginnen. Hier ist nämlich das Dogma unumwunden schon ausgesprochen, nur mit der der mosaischen Offenbarung eigenchümlichen Objektivität aller Erscheinungen (mit der einzigen Subjektivität bü'DD ©ott 'HDDin iDSjn), und zwar ist es auch hier schon in seiner politischen sowohl, als auch geistigen Beziehung ausgesprochen, vergl. besonders 3 B. M. 26, 42. 5 B. M. 30, 1. ff. Daß letztere . Stelle nicht auf die Zeit des zweiten Tempels zu beziehen ist, vergl. Nachmani und M e n d e l s s o h n ad h. 1. Erst durch die prophetische Offenbarung, und nachdem aus dem Gottesreich ein Königreich geworden, ward dem objektiven Begriffe der Erlösung Subjektivität aus dem Königsstamme gegeben. - Auch die Unsterblichkeit der Seele ist beiden Exammianden Dogma des Iudenthums, da von der Zeit der Propheten sie entschieden dafür angesehen werde. Daß Moses nicht von Belohnung und Bestrafung im Jenseits gesprochen, erklären beide Examinanden aus dem niedern geistigen Bildungszustande der Israeliten kurz nach der egyptischen Erlösung, im, Verhältnisse zur Abstraktion der Unsterblichkeitsidee, ferner auch Cand. T. aus dem Wesen der mosaischen S t a a t s einrichtung, indem hier alle Pflichten Zwangs pflichten gewesen seien, daher das h no t> jni pns 'w nicht wohl hätte eintreten können. Allein die pi rP3 ’twiy trafen ja nur die äußerlich erkennbaren und zur Rüge gekommenen Uebertretungen; ferner bleiben hierdurch die faktischen Ungleichheiten des Schicksals nicht aus geschloffen. Beiden Examinanden hatte es auch nicht entgehen sollen, daß in dem geschriebenen Gesetz, als der universelleren Duelle, nur zu dem ganzen Volke gesprochen wird, daher allgemein verbindliche Gesetze und Belehrungen für die Totalität des Volkes, über dessen einstigen Zustand im Sündenfalle und die Erlösung im Bekehrungsfalle hier niedergelcgt sind, während die Unsterblichkeit der Seele als eine particularistische Lehre, die mehr das Individuum als das Universum angeht, der Tradition, deren Charakter eben die Partien laristi sch e Belehrung ist, überlassen blieb. Hiermit ist auch das richtige Verhältn.iß der Messtasidee und der der Seelenunsterblichkeit gesetzt. Erstere ist nämlich die Unsterblichkeit und der Glücksstand des Iudenthums, dies inseiner politischen wie geistigen Seite betrachtet, letztere die. Unsterblichkeit und der Glücksstand, des Individuums; so daß demzufolge zugleich erstece das geistige Reich diesseits, letztere aber jenseits begründet/ wie Cand. Z. richtig hervorgehcben hat *). ') Ich erlaube mir in dieser Note meine Ansicht über den in neuerer Zeit vielfach besprochenen Messiasglauben und die damit zusammenhängenden Ideen von rvon ]\33 und p2p etwas naher darzulegen. Daß, jener Glaube und jene Idee unverkennbar in Moses und den Propheten geäußert sind, läßt sich nicht bezweifeln. Will man dagegen anstihren, die Propheten hätten das priesterlicheReich in der Gestalt erscheinen lassen, wie sie dem Volk am anschaulichsten war, ohne daß jene Gestalt jedoch die richtige sei, so behauptet man, die Propheten hätten die Wahrheit in das Gewand der Lüge gehüllt. Allein nicht blos in den einzelnen A e u ß e r u n g e n Mosis und der Propheten sind jene Ideen gegründet, sondern auch in dem Geiste der isr. Offenbarung und mit ihm innig verwebt. In Deuteronomium Cap. 12. v. 2 sqq. wird der isr. Cultus constituirt. Dort sind sämmtliche Principien des isr. Cultus hervorgehoben — „keine IdoLolatrie, kein Naturdienst, Einheit des Cultus". Das letztere Prinzip wird vorzüglich hervorgehoben,-und ein sichtbarer Einheitspunkt des Cultus gegeben. Jener sichtbare Einheitspunkt des Cultus ist seit der Tempelzerstörung untergegangen. Seine Wiederherstellung (NON }\D) jedoch mit der erweiterten Idee, nicht mehr als Einheitspunkt des israelitischen, sondern eines We lt-Cultus (Ies. 56/v. 7; Mich. 4, v. 1) hängt daher innerlich und wesentlich zusammen mit derMessiasidee, als des Glaubens an die Umwandlung aller Menschen in einen geläuterten Cultus. Ist nun ein solcher Einheitspunkt des Cultus sichtbarlich gegründet, so wird der in Allen sich offenbarende göttliche Geist die zerstreuten Glieder Israels antreiben, nach dem Hause des Herrn zu wallen, und so wird bie- Verheißung von nr6j pDp in Erfüllung gehen. Diese Idee finde ich vorzüglich ausgesprochen in Micha c. L v. 2 I§s. 27, v. 13, Jerem. 39, v. 6 —-14. Diese Idee streitet aber auch nicht im mindesten mit unsrer Stellung als Mitglieder der Nationen unseres Geburtslandes. Nationalgefühl ist nur so lange eine Tugend, als es Nationen und Nationalitäten gibt. Wie aber nun Menschen und Völker auf der tiefsten Stufe die meisten Originalitäten bewahren, wie aber mit dem Fortschreiten des Geistes und dem Ringen nach der Idee, die immer nur die eine ist, die Schroffheiten der. Menschen und Völker sich ab schleifen, so wird zur Messiaszeit, als der Zeit der a l l e i n i g e n Herrschaft des Geistes und der Idee, wo der Ausdruck der Idee nicht minder ein einziger sein wird, als die Idee selbst (Zefania 3, v. 9 , Zacharia 14, v. 9), eine-jede Schranke zwischen Volk und Volk, nicht minder wie zwischen Mensch und Mensch fallen — Schranken, die bisher nur durch die verschiedenen Auffassungen bestanden. So lange es also Nationen und Nationalitäten gibt, werden wir uns nie von

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