Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1843)
- Article
- Die israelitische Freischule in Hamburg
- Date
- 1843-01-31
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
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34 die Gewerbe nehmen einen hohen Aufschwung, der bloße Mechanismus wird mehr und mehr deir Maschinen vindicirt, weltumfassender wird der Handel. Hinter diesem Fortschritt darf' der Jude nicht . Zurückbleiben z gute Schulen aber sind die nothwendige Bedingung einer raschen , zeitgemäßen Fortbildung. . V Man hatte in neuester Zeit in Hamburg die Absicht, noch eine Freischule zu gründen; wenn die zu vielen kleineren Schulen schon überhaupt ein Uebelstarrd, so sollte man vor Allem in einer jüdischen Gemeinde darauf bedacht sein , lieber einem schon vorhandenen Institut die größtmöglichste Vollkommenheit zu geben, als Kräfte und Mittel zu Lheilen. Die Freischule hat doch schon Viel gewirkt, wie wenig auch iir Vergleich zu dem, was eine SchulanstalL in höchster Vollendung leisten muß, nach welchem einzigen Maaßstab ich sie beurtheilte. — Statte man doch lieber sie mit reichern Mitteln ausdenn die Anstalt ist zu arm, um das zu werden, was sie sein muß. Zudem wirkt in ihr jetzt ein tüchtiger, energischer Lehrer; ob und in wie fern er mit meinen Ideen übereinstimmen möchte, weiß ich nicht, aber ich weiß, daß er die Umgestaltung, die Verbesserung für unbedingt nothwendig hielt. Schon hat er die Schule aus ihrer Lethargie erweckt, die erfreulichsten Früchte darf man sich ohne Täuschung von seiner Wirksamkeit versprechen — aber wenn ihm Hemmnisse entgegen gelegt werden, wenn er jede Verbesserung erst erkämpfen muß, und besonders wenn die Mittel fehlen, dann muß der kräftigste Wille sich abstumpfen. — Der gute Fortgang der Schule sei nicht durch Geldmangel gehemmt. Mag uns der Staat auch nicht als seine Bürger anerkennen, wir wollen es nicht unterlassen, ihm güte Bürger zu ziehen in einer israelitischen Bürgerschule, und er wird doch endlich in seinen Schu.len uns Brüder erziehen?! — Ich bin zu Ende. Die Aufmerksamkeit meiner Mitbürger in hohem Grade auf das Erziehnngs- und Schulwesen*) hinzulenken, habe ich diesen Aufsatz unternommen, eingedenk der Wichtigkeit der Sache, für die ich das Wort nahm, habe ich meine Ueberzeugung schonungslos, ausgesprochen, und noch Viel könnte ich sagen, denn das Thema ist unerschöpflich. Wenn wir Erziehung verständen, ihr die Aufmerksamkeit schenkten, die sie vor den wichtigsten und heiligsten Dingen der Welt verdient — der Stein des Weisen wäre gesunden! Bernhard Heß lein. Großbritannien. London, 1. Jan. Die Wahl eines neuen .Oberradbinen bildet jetzt das Tagesgespräch unserer Ge- ,memdemitglieder, und es scheint, als wenn das deutsche Rabbinerthum allenthalben die Gemüther beherrschte; denn allgemein ist die Aufmerksamkeit hier auf Dr. *) Daß man die Mädchenschulen nicht vergessen darf, die Erziehung künftiger Erzieherinnen , brauch' ich wohl nicht zu erwähnen. Es sind zwei Schulen für arme Mädchen in Hamburg, mit ihren Zuständen bin ich nicht vertraut, es wäre aber sehr wünschenswert^, daß auch diese recht bald erläutert würden. Hirschfeld, Rabbiner zu Wöllstein; Dr. Hirsch, Rabbiner zu Emden, und Dr. Adler, Rabbiner zu Hannover gerichtet. Ueber das letzte Glückskind wird man mit Recht in Deutschland erstaunen, da von dessen Thatigkeit weder in praktischer noch in wissenschaftlicher Beziehung etwas bekannt ist. Hat doch dieser Glücksritter das Vergnügen gehabt, auch auf der Candidatenliste der Berliner Rabbinerwahl zu stehen, ohne daß einer der Sprecher im Collegium etwas zu seinem Lobe zu sagen 'wußte. Es wäre zu wünschen, daß die Wahl frei und ohne vorhergenommene Vergewisserung der einzelnen Parteien, daß der Candidat, für den sie sich aussprechen, diese oder jene Ansicht vertheidigen, diese oder jene Idem in den Vordergrund treten lassen werde, vor sich ginge. Denn im Falle, daß die Erlangung der Oberrabbinatsstelle mit der Bedingung, daß der gewählte Rabbiner die Lieblmgsplane seiner Gönner realistre, verbunden sein sollte; so würde er zur bloßen Maschine der Wahlherren herabsinken, und müßte vielleicht seine eignen Überzeugungen unterdrücken, seine eignen Ansichten verdrängen, um das früher eingegangene Bündniß zu halten. Ueberhaupt welches Heil könnten wir uns von einem Manne versprechen, der vielleicht mit Aufopferung seiner Grundsätze, mit Hintansetzung der Aufrichtigkeit und Offenheit, nach einem Amte strebte, dessen Würde gerade im Verkünden der ewigen Wahrheit, im Kampfe mit der Lüge und Unwahrheit besteht. Allem jeder Schatten von Verdacht muß schwinden, wenn wiraufdie obengenannten ehrbaren Candidatenzurückblickm. Die Stimmen, welche sich bei den ersten Zweien in Bezug auf ihre bisherige Amtsverwaltung vernehmen ließen, bürgen uns hinlänglich, daß die Begünstigung einer mächtigen Partei und die Hoffnung auf eine ruhmvolle und ehrenreiche Stelle keine genügende Motive sein werden, gleichsam einen -Handelsvertrag abzuschließen und ihre Convictionen als Preis hinzugeben. — Ueber die Art und Weise des Wahlaktes kann ich Ihnen noch nichts Bestimmtes mittheilen; doch scheint man damit umzugehen, ein Comire durch Mehrheit der Stimmen zu wählen, das in letzter Instanz über die Einsetzung eines Rabbinen verfügen soll. — Deutschland. Hamburg, 16. Jan. (WB. v. 8—16. Jan.) Von den „Betrachtungen über den Begriff der Toleranz und über das Bürgerrecht der Juden", welche den Jahrgang" 1842 der Neuen Hamb. Blätter schlossen, ist in Nr. 2 von 1843 (11. Jan.) desselben Wochenblattes der Anfang des zweiten Artikels (Abschnittes) erschienen. Hr. Dr. Riesser beweist seinem Gegner V. insbesondere, wie ungerecht es sei, den Hamburger Juden vorzuwersen, daß ihre Ansprüche unmäßig seien; sie seien allerdings mit dem winzigen Rechte, das man ihnen