Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1843)
- Article
- Die israelitische Freischule in Hamburg
- Date
- 1843-01-31
- Page
- Seite 33 (sequence 1)
- Language
- German
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Vierter MS» Jahrgang Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für! Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Nr. Julius Fürst» Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. J3« Leipzig, den 31. Januar 1843« Haupt artikel. Die israelitische Freischule in Hamburg. (Schluß.) >— Großbritannien. London. Die Wahl eines neuen Oberrabbinets. — Deutschland. Hamburg. Rechtfertigung der Juden ob ihrer anmaßenden Ansprüche. Stuttgart. Ungerechte Angriffe auf die Juden. Berlin. Dr. Hirsch's Religionsphilosophie. Dr. Philippson's Selbstbiographie. — Böhmen und Mahren. Prag. Rapaport und seine Gegner. Nikols bürg: Die rechtlichen Verhältnisse der Juden. — Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Vergangenheit und Gegenwart. Urkunden des Mittelalters. — Berichtigung. — LB. des Or. Die israelitische Freischule in Hamburg. (Schluß.) Fassen wir jetzt in Summa die Fehler und Mängel der israelitischen Freischule zusammen, so ergiebt sich: daß der Religionsunterricht ungenügend und fehlerhaft war, der hebräische Unterricht hintenangesetzt, die jüdische Geschichte gar nicht beachtet ward» Vielen Lehrern fehlt die moralische, den meisten die pädagogische Durchbildung , mithin Mangel an sittlicher Haltung und Würde, Mißgriffe in der Methode*). Disziplin zu wenig auf der Würde des Menschen beruhend, Strafen unpsychologisch. Das günstige Resultat der Schule ist demnach keineswegs in der sittlichen Durchbildung und in dem Wissen der aus ihr hervorgegangenen Schüler zu suchen. Für deren bürgerliches Fortkommen hat die den Juden angeborne Regsamkeit .und Beweglichkeit des Geistes, der den Armen so natürliche Drang, sich aufzuschwingen, unendlich viel beigetragen, die Schule sich aber darin um sie ein großes Verdienst erworben, daß sie ihnen zumeist die Bahn zu ihrem Fortkommen geöffnet**). Jetzt aber ist der Wendepunkt. Es hat sich im Laufe von 25 Jahren, wenn auch wenig die bürgerliche Stellung, ') Es war eigentlich gar kein methodisches Verfahren, weder akroamatisch, noch erotematisch, welches nurallein bei jugendlichen Zöglingen anzuwenden ist. **) Dr. Kley gab sich besonders viele Mühe, seinen Schülern gute Stellen zu verschaffen, auch wurden die Schüler der Freischule sehr verlangt, weil diese sich einen guten Ruf erworben, den sie dem persönlichen Ansehen des Dr. Kley und der guten Haltung der aus ihr herausgetretenen Schüler zu danken hatte. doch sehr viel die moralische der Juden verbessert. Aber je weiter sie fortrücken, je größere Anforderungen macht man an sie. -Man sieht mit dem Verfasser wohl ein, daß die Freischule sich jetzt auf ganz anderen Standpunkt stellen muß, will sie fünf und zwanzigjährige Erfahrung nützen, mit der Zeit Schritt halten. Was früher ausreichte, ist jetzt nicht mehr genügend, der Verfall der Schule nach ihrem höchsten Schwung sollte darauf aufmerksam gemacht haben. Das Mebrad, das vor Jahren seine volle Kraft hatte, hat sie jetzt nach langem Gebrauch verloren, es muß ein anderes, ein stärkeres sein. Wir glauben zu oft, was einmal gewirkt, wirke allemal, wirke immer fort, doch jede Wirkung schwächt sich durch wiederholten Gebrauch. Neue Kräfte zur gehörigen Zeit entfalten, das giebt den Fortschritt, und der ist dem Schul- und Erziehungswesen vor Allem nothwendig. Die Juden erfreuen sich in Hamburg einer ziemlich guten Stellung, sie haben sich Achtung zu verschaffen gewußt, sie ihren Gegnern abgedrungen, deren Gegner, zum Theil harte Gegner, findet der Jude, wie überall, so auch in Hamburg. Die Gesetzgebung hat auch hier nur wenig für sie gethan, harte Beschränkungen dauern fort, aber die jüdische Gemeinde in Hamburg ist dennoch im Ganzen gut organisirt und bekundet dadurch hinlänglich, wenn man es nur einsehen möchte, ihre Reife zum Bürgerrhum. Ohne Unterstützung vom Staat leistet sie Alles durch sich selbst. Doch Vorurtheile sind nicht (eicht zu besiegen, wo Thaten nicht einmal zur Ueberzeugung führen können, den Kampf, den unsere Vater kämpften, den haben wir noch heute zu bestehen, aber unsere Waffen sind andere und mit diesen Waffen müssen wir siegen, und sind auf dem Wege zum Sieg. Unsere Vorfahren haben für ihre Nachkommen gelitten, wir müssen für die unfern handeln, und somit die größte Sorgfalt der Erziehung widmen. Auch leben wir in einer Zeit, die mehr und mehr zum Bewußtsein kommt. Die Bildung wird immer allgemeiner, 5