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Der Orient · 1843-01-24 · Heft 4 (24.1.1843) · p. Seite 25

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 4 (24.1.1843)
Article
Die israelitische Freischule in Hamburg
Date
1843-01-24
Page
Seite 25 (sequence 1)
Language
German
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Vierter tltM Jahrgang Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirt bei allen lobl. Postämtern und allen solid«. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Vogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. 4» Leipzig, den 24. Januar 1843» H a u p t a r ti t e X. Die israelitische Freisckvrle in Hamburg.— Deutschland. Posen: Anerkennung ves edlen. Grafen Putwitz. Schwerin: Ueber die Juden und ihre Verhältnisse. Münster: Der Verein zur Bildung von Lehrern und Handwerkern. Hamburg. Der neue Tempel und dessen würdiger Prediger Dr. G. Salomon. Wien: Die Gesetzvorschläge des letzten ungarischen Reichstags betreffend. Sonder sHaufen: Empfehlung der isr. Bibel v. Herr he im er. — Böhmen und M a h-r e n. Nikols bürg: Die rechtlichen Verhältnisse der Juden. Proßnitz. Fortschritt zuin Bessern. — Personalchronik und Miscellen. — LB. des Or. Die israelitische Freischule in Hamburg. ' „ (Fortsetzung.) Dr. Kley hatte neben dem Religionsunterricht auch den der deutschen Sprache; welch einen falschen Begriff man von diesem Lehrgegenstande hatte, das Unrichtige der Methode, wird man aus dem Umstande erkennen, daß die stylistischen Uebungen einen besondecn Lehrgegenstand bildeten, der Dr. Wohl will übertragen war, neben den wissenschaftlichen Fächern. , Das Lehrbuch, das Dr.Kley seinem Unterrichte zu Grunde legte, ist mir nicht bekannt, und wohl keinem meiner Mitschüler; genug, unsere Hefte wurden mit dem Vordictirten angefüllt, ein 6—8 jähriger Unterricht machte uns hinlänglich bekannt mit den Hauptregeln der Grammatik, der Umgang mit den Lehrern trug das seine dazu bei. Wenn dieses ein genügendes Resultat deutschen Unterrichts sein kann — dann ist nichts mehrdagegen einzuwenden. Man darf zwar die schwierige Lage eines Lehrers nicht verkennen, der eine große Anzahl Schüler aus den ärmern Klaffen zu unterrichten hat. Welch ein abscheulich verdorbener Jargon in deren Häusern zumeist noch jetzt gesprochen wird, das weiß man. .Der Schüler muß viel vergessen lernen, bevor der Lehrer sich zu einem erfreulichen Fortschritt Bahn gebrochen hat; aber darf er noch in den höhern Klaffen gegen diese Mängel anzu'kampfen haben? Auch ist der Unterricht in einer Sprache dem Schüler nicht der angenehmste, aber daß. er das nicht — ist cs nicht die Schuld des Lehrers? — Eine Sprache, die wir reden, in der wir denken, uns entwickeln, die die Basis unseres geistigen Fortschritts und deren Endpunkt sein muß — darf sie einseitig gepflegt werden? Soll diese Sprache uns gelehrt'werden, als wollte man, wie ein Uhrwerk in's Gehäuse, eine Seele in uns hineinsetzen, eine todte Seele? — Es wurde Geometrie gelehrt, um unfern Geist zu schärfen, ist die Grammatik etwa ein Wiegenlied für ihn? — Ist hier nicht auch eine mathematische .Eonsequenz und eben so erfolgreich für die Schärfung des Geistes, wie jene? — Wir wurden das nicht inne, wir konnten es nicht einsehen und nur der langjährige und vierstündige Unterricht und weil es unsere Sprache, brachte es dahin, daß wir mehr deutsch, als französisch lernten. Unser Interesse an dieser Sprache blieb eben so ungeweckt, der Unterricht erfolglos, und , ich glaube im natürlichen Zusammenhang stand es eben so mit der Geometrie. Man kann nicht alles vergeistigen, aber wir sollen mit Bewußtseyn lernen, das ist das Geheimniß der geistigen Entwickelung und das ward uns nicht offenbart. So wie die Sprache trocken gelehrt, so blieb der Schüler dürre und trocken. - . Dr. Kley gab ferner Unterricht im Lesen — es sollte dieses den deutschen Unterricht vervollständigen. Es wurden uns Gedichte vordictirt, die wir auswendig lernen mußten, die Erklärung folgte erst nach diesem*). Diese Stunde war unsere Wonnestunde, wir freueten uns stets, wenn sie begann, wie zu einem Feste, und es war nicht Einer — diesen Punkt bitte ich zu beachten, er wird manchen Einwurf, den man mir machen mochte, von vorne herein widerlegen — der ein anderes Gefühl gehabt hätte. Dr. Kley sprach so gemüthlich mit uns, wie der Vater zu seinen Kindern, mit einer Art Erhebung verließen wir am *) So viel ich mich erinnere. Es ist zwar eine geraume Zeit verstrichen, seitdem ich die Schule verlassen und ich möchte, was ich sage, mit dem ruhigsten Gewissen aussprechen, wenn-ich mich also in diesem Punkt irre, dessen ich mich nicht mehr so ganz deutlich' erinnere, so bitte ich, ihn zu berichtigen. Der Verf. # 4

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