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Der Orient · 1843-01-17 · 3 (17.1.1843) · p. Spalte 43-44

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
3 (17.1.1843)
Article
Beiträge zum Rabbinerwesen
Date
1843-01-17
Page
Spalte 43-44 (sequence 1)
Language
German
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43 Beiträge z. Rabbinenwesen. Religionsprüstmg der Rabb.-Candid. in Baden v. Fürst. 44 Beiträge zum Rabbmeuwefe«. Ueber die Religionsprüfung der Rabbinats-Candidaten im Großherzogthume Baden. Vom Bezirks-Rabbiner Fürst in Heidelberg» In der doppelten Stellung der ist. Geistlichen , als Vertreter der israelitischen Gotteslehre in der Wissenschaft und im Leben wird es vorzüglich wichtig, bei der Zulassung zur Candidatur des Rabbinats auf tie Erfassung des Geistes und der C'igenthümlichkeit der Religion im Al lg e m ei n e n ,a uni) der einzeliwn Lehren insbesondere, so wie auf die Erkenntniß des wechselseitigen Verhältnisses dieser Lehren und der in verschiedenen Dogmen - verschieden gestatteten Grundidee zu dringen. Es ist fast unglaublich, wie viele fremdartige Ideen und Auffassungen in unserm heutigen Judenthume *) wuchern. Namentlich treiben der Rationalismus in seiner anderswo längst zu Grade getragenen Gestalt und christologische Ideen ihr gottloses Spiel aus dem Gebiete des Judenthums. Wollte man einmal jüdische Predigten und Religionsbücher von Seite der Grundansichten recmsiren, die sie überdie wichtigsten Religionsideen implicite äußern, man würde zu auffallenden Resultaten, zu auffallenden Widersprüchen, wie sie sich oft in einem Athem kund geben, leicht und ohne Mühe gelangen können. Allein eben weil wir eine so betrübende Erscheinung haben, und weil es ein so hoher Zweck ist, die Wahrheiten der. Religion ungetrübt von fremdartigen Einwirkungen darzustellen — eine desto größere und desto würdigere, Aufgabe scheint es mir, dem Unwesen und den falschen Ideen entgegen zu wirken'; namenilich scheint es mir aber von der größten Bedeutung, von denen, welche berufen sind, die göttlichen Wahrheiten zu beleuchten, wenigstens das Streben zu verlangen, den innerlich leitenden Grundgedanken und die innerliche Cohärenz der Religionslehren zu entdecken. Emen Versuch, hierauf hinzuwirken, machte ich in meiner. Stellung, die ich als Mitglied der ]) Man hat dem Iudenthume den Vorwurf der Stabilität/ des festgerannten Glaubens gemacht, der durch Zeiten und Welten hindurchgehe, ohne deren Spuren anzunehmen. Eö ist hier, nicht der Ort zu beleuchten, ob und in wiefern dieß wirklich ein Vorwurf sei; die diesem Vorwurfe zu Grunde liegende Thatsache aber ist unverkennbar falsch. Es wäre eine interessante und höchst ersprießliche Arbeit, wenn gleich groß und umfassend und der vereintenKraft vieler Denkkräftigen und Kenntnißrelchen bedürftig — einmal gründlich und in's Einzelne gehend zu untersuchen, welche Eindrücke die verschiedenen philosophischen u. religiösen Systeme, vom Ehaldäismns und Parsismus an, der Atexandnnismus, Aristotelismus in seinen verschiedensten Gestalten hindurch, bis herab auf die neuesten Systeme, der äußern Gestattung des Judentums gegeben haben. Anm. d. Eins. Prüfungs-Commission der Candidatcn für die ist. Theologie in Baden seit einigen Jahren einnehme. Ich erlaube mir daher, in diesen Blättern mehrere Fragen aus dem Gebiete der systematischen Theologie, im theologischen Examen von 1841 gestellt, nebst dem von mir darüber auögearbeileten Gutachten an die höhere Behörde (Großh. Oberrath der Israeliten) milzutheilm« In den einzelnen Begutachtungen ist stets der Gedankengang der Antworten der Examinanden kurz und gedrängt angegeben, woran sich sodann die Kritik reiht; natürlich ist aber der Schlußankrag jedesmal weggeblieben. Es soll übrigens diese Mittheilung kein andres Verdienst ansprechen, als wenn ihr ein nützlicher Grundgedanke und em nichtverfehltes Streben zu Grunde liegt, die Anregung zu gleicher Wirksamkeit geben zu wollen — andern Falles aber doch wenigstens von einem in guter Absicht und zur Ehre Gottes unternommenen Streben zu zeugen. Zu Frage 2. Welche Grundidee ch a ra k t e i i ft u t die jüdischdogmatische Auffassung des höchsten W e s e n s? Beide Examinanden entscheiden sich für die Ansicht, der Monotheismus sei der Grundtypus der jüdischen Gottesiehre. Dieß ist insofern richtig, als der Monotheismus die meist hervorleuchtende Seite der ifr. Gotteslehre im Verhaltniß zu der anderer Religionen ist, und daß ferner, wie eben die ganze jüdische Gotteslehre eine organische und streng confequent in sich selbst zusammenhängende und mit dem äußern Religionssystem fest cohärirende ist, mit dem Monotheismus alle übrigen Glaubenssätze verbunden sind. Allein sie sind dieß nicht alle wie Consequenzen aus eben dem monotheistischen Prinzips, sondern dieses selbst ist erst wieder mit allen jenen die Consequenz einer höhern Idee, die eben dadurch die Grundidee der jüdischen Gotteslehre wird, und aus deren Eigenthümlichkeit die Eigenthümlichkeit aller übrigen Charakterzüge der jüdischen Gottes-Erfassung ihren Ursprung nehmen. Es ist diese Idee diejenige, in welcher sich der Herr selbst kund chat Exod. Cap. 3. Vers 14., nicht als ty, das einzige Wesen, nach der Ansicht der Examinanden, nicht als DY als das erhabenste Wesen nach der Ansicht Hegels, nicht als VNjY das allerheiligste Wesen, nach der Ansicht Bahrs (Symbolik des mosaischen Cultus), sondern als »thn, als d as Sein, nicht als das Seim was natürlich allen andern Eigenschaften vorangehen muß, sondern als rpriN y^k »Yn\s, als das absolute Sein, gab der Herr sich selbst kund, das gegen jede Seite hin, intensiv wie extensiv, höchst potenzirte Sein, das sich als Sein in der en gern Bedeutung, als das Unmittelbare darstellt, intensiv als das Heilige, extensiv als das Allmächtige, Allwissende, über alle Schranken Erhabene. Charakteristische Grundidee ist diese, weit sowohl

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