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Der Orient · 1843-01-17 · Heft 3 (17.1.1843) · p. Seite 23

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 3 (17.1.1843)
Article
Altona: Der neue Tempel in Hamburg
Date
1843-01-17
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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23 Beamte sein Ansehen dadurch wieder geltend zu wachen, indem er sich in den Rabbiner-Mantel hüllte, die frühere Rabbiner-Sentenz, welche das Tempel-Gebetbuch für ungesetzlich erklärte, auffrischte, es an dem vom Verein herausgegebenen neuen verbesserten Gebetbuch anwandte, und das Mandat mit excommunizirenden Ausdrücken an die Pforten aller hiesigen Synagogen anschlagen ließ, Der Tempelverein ermangelte nicht, auch seiner Seits einen Anschlagezettel an die Tempelpforte anzuheften, worin er in etwas derben Aeußerungen den Ausspruch des Rabbiner als unbefugt und untheologisch zurückwies. Auf höhern Befehl mußten beide Anschlagezettel abgenommen werden, ohne daß jedoch der Conflikt dadurch beschwichtigt wurde. Was einst die Gegner gethan, das that jetzt der Verein in lauterer Absicht. Da nämlich seit einiger Zeit mehrere Rabbinerstühte mit echt gelehrten und aufgeklärten Männern besetzt sind, so ersuchte der Verein die Angesehnsten derselben, ihr Gutachten über das neue Gebetbuch zu geben, wovon jedem ein Exemplar zugesendet wurde. Die Entscheidung dieser Rabbiner lauter einstimmig, mit mehr oder wenigern Belegen oder Beweisstellen aus dem Talmud dahin, daß 1) das neue Gebetbuch durchaus nichts enthalte, was wesentlich gegen die Grunddogmen des Judenthums sei; ferner 2) daß die Abänderungen mancher alten Gebetsformel zeitgemäß und selbst nach der traditionellen Lehre erlaubt, ja sogar noch verdienstlich sei; daß also 3) jeder Jsraelite sein Pflichtgebet daraus verrichten dürfe. Unter die Gutachtenden gehört auch der sehr alte ungarische Oberrabbiner Ah ro n Chor in, ein ausgezeichneter Talmudist, der mit besonderer Warme für die Einrichtungen des Tempels spricht, und dessen Gesetzlichkeit mit vielen talmudischen Citaten belegt, daher er den neuen Kultus allen seinen Glaubensbrüdern ernstlich empfiehlt. Er verargt cs auch dem Herrn B., eine neue Spaltung im Weinberge Gottes angeregt zu haben, während er (Chorin) schon vor 23 Jahren zu Gunsten des Tempels sich ausgesprochen, und sich zeither des Friedens in Israel gefreuet habe. — Auch unter den übrigen Gutachten sind einige sehr gehaltreich und lesenswert!). Herr Dr. Maimon Frankel hat sie alle in einer Sammlung mit einer vortrefflichen Einleitung herausgegeben. Dem Literaturfreunde wird dieß Merkchen gewiß eine willkommene Erscheinung sein. So hat denn die Tempelreform auch rabbinische Autoritäten für sich, die für ihre seit einigen zwanzig Jahren ohnehin festwurzelnde Gemeinde nicht sonderlich nothwendig, aber des Umstandes wegen erwünscht sind, um dieGewissensscrupel zahlreicher Individuen zu beseitigen, welche bereit sind, die Tempelgemeinde zu vermehren, sobald die geräumigere Lokalität des in Bau begriffenen neuen Bethauses es gestatten wird. — Freilich wird die stabile Parthei diese Autoritäten nicht anerkennen wollen, wird vielleicht die Religiosität derselben verdächtigen, oder sich selber einen Liefern uyd scharfsinnigern Blick in den Talmud zutrauen. Aber die Zeit ist nicht mehr fern, wo die öffentliche Stimme Israels sich gegen die Autorität des Talmuds selber aussprechen, und die ganze traditionelle Lehre für das erklären wird, was sie wirklich ist, für m enschlich und daher unzeitgemäß. . Die Zeit ist nicht mehr fern, wo die Wahrheit sich klar Herausstellen wird, daß der Pharisäismus nie, gleich der Tora Mosis auf Sinai, durch ein lautes, öffentliches und einstimmiges Naasse wenischma von der Gesammtnation angenommen wurde, sondern sich durch eine gewisse Superiorität dem unwissenden Volke gleichsam aufgedrungen habe; daher er auch gleich bei seinem Entstehen auf Tod und Leben bestritten wurde, und bis auf den heutigen Tag gewichtige Dissidenten gegen ihn auftreten. Bald wird das spezielle Gebot Mosis: in zweifelhaften G e s e tz f ä l l e n s i ch nach dem A u s s p r u ch e der Geistlichen und Richter zu richten, welche zu jeder Zeit sein werden (5 B. M. 17, 8—10), auf die ganze traditionelle Lora angewendet werden; dann wird Licht über Finsterniß, die echte Gelehrsamkeit über die talmudische Einseitigkeit siegen. P. P. Hamburg im Dec. Berichtigender Nachtrag zu dem im Orient, Jahrgang 1842 mitgetheilten Testament .des Hartvig von Essen. (Unmittelbar aus dem Testamente des Herrn Jsaae Hartvig entnommene Bestimmung, zur Berichtigung eines Theiles der früheren Mittheilungen, dem Orient zur Disposition zugestellt.) Seiner Frau in Hamburg 50,000 Mk., nach ihrem Tode von diesem Kapital ein Altenhaus zu gründen. — Am Beerdigungstage vertheilt in Hamburg 1000 Mk., in Altona 500 Mk. — 12 Leute in Hamb, für Minjan ü 100 Thlr. — 3600 Mk. — Die Erben 210,000 Mk. und zwar Brüdern oder deren Descendenten 25,000 Mk., Schwestern 20,000 Mk., Cousins und Cousinen von denselben Großeltern oder Urgroßeltern zus. 50,000 Mk., 5 Schwestern der Frau a 1000 Mk., Schwager Loria in Kopenhagen 1500 Mk., dessen Sohn 1000 Mk., dessen Tochter 500 Mk., Fredrikshospical in Kopenhagen 1000 Mk. (früher 2000 Mk.), 2 andern Anstalten, nämlich: Fleischgesellschaft in Kop. 2000 Mk. und Holzgesellschaft daselbst 1000 Mk., Herrn Leb Posner daselbst 1000 Mk. — Sonst sollen in der Kopenh. Gemeinde noch vertheilt werden (ä 500—1000 Mk.) 10,000 Mk. — In Prag Obligation von 2000 fl. (durch H. Eskeles) die Zinsen jährlich zu vertheilen. — In Frankfurt a. M. unter denselben Umständen 1000 fl., in Friedericia zur Tilgung der Synagogenschulden 10,000 Mk., zum Bau neuer Synagogen in Elmshorn, Rendsburg und Friederichstadt a 15,000 Mk. zus. 45,000 Mk. — Der Gemeinde in Wandsbeck zur Synagoge früher geschenkt 10,000 Mk. — Allg. Krankenhaus in Hamb., künftiges Irrenhaus das., christl. allg. Armenanstalt das., allg. Blindenanstalt No. 1 u. 2 das., allg. Taubstummenanstalt das. a 500 Mk. Den Gemeindebeamten in Hamb. zus. 400 Mk. Herrn Gottlieb das. Kleider, Bücher u. 5,000 Mk. baar. Den 10 ersten Rckonvalescenten des Jsr. Krankenhauses das. a 50 Mk., Kabronimchebra das. 1000 Mk., dito zum Vertheilen das. 160 Mk., Jsr. Vorschußanstalt dass 2000 Mk., H. Bernays, Herrn Ettlinger in Altona ä 2000 Mk., Schlesinger und Meyer (2 Talmud-Tora-Schüler) a. 100 Mk. Die 5 ersten Bräute in Hamb, ä 100 Mk. Zinsen (Obligationen). 8 Männern in Hamb, jährl. zur Miethe a 50 Mk., der zu errichtenden Warteschule das. jährl. 400 Mk., iam Sterbetage das. zu verloosen für 2 Arme

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