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Der Orient · 1843-01-17 · Heft 3 (17.1.1843) · p. Seite 18

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 3 (17.1.1843)
Article
Die israelitische Freischule in Hamburg
Date
1843-01-17
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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18 ersten Jugendlehrer. Was wir aber in der Jugend eingesogen , das wird gar inniges Eigenthum unseres Geistes, daß keine spätere Bildung, keine spätem Schicksale eine völlige Trennung zu bewirken vermögen. Haben wir endlich den geistigen Höhepunkt erreicht — dann erkennen wir wohl die Fehler, die von den. zartesten Zähren an uns begleitet, aber sie sind nicht mehr zu heben, oder wir müßten rückwärts Leben. — Wenn man mir dies zugegeben, wird man mit mir auf den Punkt gerathen, von dem. aus wir jenen Uebelstand gehörig würdigen können. Wir werden sorgfältiger in der Wahl auch der ersten Lehrer unserer Jugend sein, wir werden vor dem unheilvollen Glauben zurückschrecken, es sei eben genug für die zartern Jahre, solche Lehrer zu haben, die nur ein wenig mehr, als sie wiffen, die zu schreiben, zu rechnen, zu lesen verstehen—■ weil die Kinder ja nur dieses erlernen sollen; "so vertrauen wir Leuten unser heiligstes Gut an, die weit zurückstehen von den gerechten Erforderniffen, die wir bei ihnen suchen und finden mußten. — Es soll jeder Lehrer den Grad moralischer und wissenschaftlicher Durchbildung haben, daß er sowohl von der Wichtigkeit seines heiligen Berufes durchdrungen sei, als auch verstehn — mag er übrigens die Feder, den Bleistift oder den Griffel führen, Mathematiker oder Naturhistoriker sein — mit Geist zu unterrichten. — Kinder find ja keine Thiere, die wir mit dem Prügel gelehrig machen müssen, die wir erst zu lehren haben, daß sie lernen müssen; in jedem Kinde liegt Wißbegierde, die man nur zu wecken und zu nähren verstehen muß, um es mit Leichtigkeit zu lenken. Man sicht wohl ein, daß, um Geister zu ziehen und zu bilden, man Geister bedürfe, die vertraut sind mit menschlicher Natur. Wer den Bären tanzen lernen will, muß Bärennatur kennen — der Satz hat wohl stets Jedem eingeleuchtet, — doch die Erziehung der Jugend überlaßt man Leuten, die über den Begriff Kind, Mensch, nicht Rechenschaft zu geben vermögen. Wenn ein solcher Uebelstand in einer Schule herrscht, dann ist es um so viel beklagenswerther, um so mehr Seelew darunter leiden. Man ist gewohnt, Erziehung und Unterricht zu trennen — ein unheilvoller Glaube! — und sagt, jene müsse den Kindern im Hause gegeben werden; um so mehr sollten in einer Freischule, deren Zöglinge man besonders gegen die schlechten Eindrücke des häuslichen Lebens zu wahren hat, denen die Schule auch Haus sein muß, mit besonderer Sorgfalt die Lehrer der untersten Classen, und wäre es eine fünfte oder sechste, gewählt werden. Auch hat man darauf Rücksicht zu nehmen, daß, da die Zöglinge in so vieler Lehrer Hände kommen, sie alle in harmonischer Uebereinstimmung lehren. Der Lehrer der höhern Claffe muß stets so viel auf den der untern influiren können, daß.er die Schüler nach einer der seinen nicht zu sehr widerstreitenden Methode unterrichte, sonst hat in jeder höhern Claffe der neue Lehrer doppelte Zeit nothwendig, er muß die Knaben erst mit seiner Methode vertraut machen, sie müssen in vielen'Fällen Altes vergessen, bevor sie Neues erlernen können; auch giebt dieses Wesen dem Schüler einen unsichern Charakter. — Der Lehrer der untern Elaste muß sich in die Methode jenes der höhern hineinsinden können, das ist nothwendig. Man hat leider dieses Moment zu sehr aus dem Auge gelassen; eine Freischule muß das Haus ersetzen, sie muß nicht nur Lehr-, sondern auch Erziehungs-Anstalt sein. — Daß manche Lehrer meiner Zeit und noch Lehrer von heute im grellsten Widerspruch mit meinen Anforderungen standen und stehen, darf ich wohl nicht erst namentlich machen. Auch sollte die Schule nicht aus bloßer Vorliebe zu jihrerr Zöglingen solche zu Lehrern machen, die Schule konnte keine Lehrer bilden. . Neben so manchen miserabeln Lehrern fehlten indeß zum Glück auch die guten nicht. Wer könnte besser über die Lehrer urtheilen, als der Schüler, der acht Jahre mit ihnen in unmittelbarer Berührung stand? Was ich ihnen zu danken, davon hier nichts. Ich hoffe, man wird es erkennen, daß mich Partheilichkeit nicht leitet, meine Lehrer werden es er-- kennen, daß ich mir wehe gethan, um gerecht zu sein. Der- Herr Dr. Kley hat für die Schule viel gethan, er hat ihr seine besten Kräfte gewidmet, er hat seine Tage'und Nächte für sie geopfert, er har mit dem lautersten Willen den unermüdlichsten Fleiß verbunden. Er war der Schule Vater. Und trotz diesem Allen ist er verkannt und angefeindet worden, was jedoch einen Menschenfreund nie aus seiner sich vorgezeichneten Bahn bringt. —- Die Wunde blutete — aber er lehrte. Die Kleinen .waren seine Freunds die Großen seine Feinde. Sie zielten oft genug nach seinem Herzen, das er doch so ganz seinen Schülern hingegebm hatte. — Ja, dieser Mann hat viel gelitten, an ihm hat sich der Satz bewährt, daß man eher glanzenden Fehlern als kleinlichen Schwächen nachsieht; aber seine Gegner, ungerecht, sahen nur diese, wir erkannten seinen redlichen Willen, seine Liebe, seinen nie erlöschenden Eifer. Er hat oft genug seinen Schmerz an unserm Busen ausgeweint. Deshalb sind seine Schüler auch seine Freunde, seine ewigen Freunde; ein Mann, der so verkannt, und sich dennoch einen großen Anspruch auf Anerkennung und Dankbarkeit erworben, dem setzt man gern ein Monument in seinem Herzen. Die günstigen Erfolge der Freischule sind zum größten .Therl'seines Eifers Frucht; er hat moralisch gewirkt durch seine Liebe zu uns, dennoch hat er manche Lücke gelaffen und jetzt ist dem Lehrer, der fünf und zwanzig Jahre der Schule als Direktor Vorstand, und nicht leicht Neuerung Hervorrufen möchte, vor Allem der Fortschritt zu empfehlen. (Schluß folgt.) Großbritannien. London, 11. Nov. Das Leichenbegängniß beim verstorbenen Oberrabbinec S. Hirschel fand am 2. Novbr. — also am 3. Tage nach dessen Tode — statt. Kaum war der Tag angebrochen, so waren schon alle Juden der Hauptstadt wach, und beschäftigten sich nur mit dem Gedanken an den Hingeschiedenen, indem alle Laden geschlossen blieben, und Jalousien die Fenster der Häuser verdeckten. Da an diesem Tage gerade NDO Op jq? war, so fasteten auch Viele von denen, die sonst diese Observanz nicht zu beachten pflegen. Sehr zeitlich wurde schon von den Dajanim und andern Freunden des Verstorbenen die mütt vorgenommen. Um halb 10 ging man in die Synagoge Duke's Place, welche ein sehr feierliches und imposantes Aussehen hatte. Die Fenster derselben waren schwarz, behängen, und eine große An-

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