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Der Orient · 1843-01-17 · Heft 3 (17.1.1843) · p. Seite 17

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 3 (17.1.1843)
Article
Die israelitische Freischule in Hamburg
Date
1843-01-17
Page
Seite 17 (sequence 1)
Language
German
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Vierter Jahrgang Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirt bei allen lobl. Postämtern und allen solid». Buchhandlungen auf ein Jahr. für Wische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Nr. Jul Lus Fürst. Bon dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. HE 3. . Leipzig, den 17. Januar 1843. Haup 1 artike l. Die israelitische Freischule in Hamburg. — j'G r o ß b r it a n n i e n. London. Leichenbegangniß beim verstorb. Oberrabbiner S. H ir sch e l. •— Deutschland. Ha m bur g. Ueber dit Lage der Juden in Polen in Bezug auf die neuest. Ukase. Posen: Zwei Anfragen. 1) die Familie Tibbon und 2) das Verhaltniß der alten Synagogenlieder zu dem alten Kirchenlieds betreffend. Hi l d b urg h a u sen. Die Protestation der Juden gegen die Beschuld. d. Herzog!. Verordn, in Bezug auf das Sabbatschreiben. Altona. Der neue Tempel in Hamburg. Hamburg. Berichtigender Zusatz zu dem Testament des Hartvrg von Essen. — Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Vergangenheit und Gegenwart. Urkunden des Mittelalters. — LB. des Or. Die israelitische Freifchrrle in Hamburg. (Fortsetzung.) Ich schreite jetzt zur andern Seite meiner Abhandlung, zur Leistung der Freischule. Das Resultat dieser Untersuchung soll uns zeigen, was die Freischule gewirkt, mnd ob sie den Anforderungen der Gegenwart genügt. Die Freischule sollte ihrer ursprünglichen Bestimmung nach eine Volksschule sein, die Zöglinge sollten dem Schacherhandel abgewandt, für bürgerliche Gewerbe tauglich gemacht werden. Daß sie dieses Princip nicht sesthalten konnte, lag in dm Umstanden. Es war denen wenig Anlaß gegeben, ein Gewerbe zu erlernen, chie es gar nicht, oder nur unter den größten .Beschränkungen üben dursten. Daß dieses aber. nicht der eine Grund sein konnte, wenn auch bei vielen ein hauptsächlicher, darf man sich nicht verschweigen. Hamburg ist eine Handelsstadt, der Kaufmannsstand ist der angesehenste, er dominirt. Der Gewerbestand dagegen ward, wie überall, so auch in Hamburg zurückgesetzt, nur erst in neuester Zeit fängt er an sich seine wohlverdiente Geltung zu verschaffen. Die Umstände hätten stets auf eine Freischule eingewirkt, bei dem aufstrebenden Charakter der Juden zuwalz selbst wenn jenes erste Hinderniß nicht dagewesen wäre, so hätte doch wohl der größte Theil sich dem Handelsftande zugewandt, wenn auch nicht dem Schacher in seiner gemeinsten Bedeu-> tung. -7 Hierauf mußte die Freischule Rücksicht nehmen, und es kann ihr nur zum Lobe gereichen, daß sie einer Neigung nicht entgegenwirkte, die dem Stande zustrebte, welcher am meisten dem beweglichen, rührigen Sinn der Zöglinge zusagte, in dem sie sich noch am ehesten frei bewegen konnten. Sie hatte diese Neigung nur zu veredeln. Zudem war ein großer Lheil der Schüler aus wohlhabenden Familien und die hätten nimmer ihre Söhne dem Gewerbestand zugeführt, aus einem Vorurtheil, das sie mit den Christen theilten. Auf diese Schüler aber mußte die Schule Rücksicht nehmen, weil sie einen heilsamen Einfluß auf die Aermern, durch ihre bessere häusliche Erziehung übten. Dieser Letztere Umstand verdient Beachtung und Nachahmung und der Hr. Dr. Kley hat in seinem Programm auch anerkannt, wie viel das gute Gedeihen der Schule dieser glücklichen Mischung zu danken habe. Es wird für den guten Fortgang der Bildung und Gesittigung, soll sie die untersten Classen innig durchdrungen, diese Vermischung stets von gutem Erfolge sein. Freilich muß die Schule sich Achtung erworben haben, sonst werden nicht leicht wohlhabendere Eltern ihre Kinder in eine Anstalt schicken, in der sie durch, böses Beispiel Verderbniß für die Ihren zu besorgen hätten. Sehen wir jetzt auf die Lehrgegenstände und die Methode des Unterrichts, Hier werden wir auf große Mangel stoßen, woran zwar zunächst die Individualität der Lehrer, aber auch bedeutend der Schlendrian schuld war, der nicht in dieser Schule allein herrschte, und die Art und Weise, in'der man bis jetzt gewohnt, Erziehung und Bildung der Jugend zu behandeln. Als ich im Jahre 1827 in die Schule ein trat war eben eine vierte Claffe entstanden, armselig genüge der Hauptübelstand aber waren die Lehrer, deren einer jetzt dem Hausirhandel obliegt, das Schicksal des zweiten, der einst die Medaille, die einem fähigen Schüler von jenem ersten Lehrer bestimmt war, einem erbärmlichen Knaben, der ihm die Kleider reinigte und jetzt den Schacher treibt, zuwandte — ist mir nicht bekannt. Noch in spätern Jahren hatte die Schule einen Lehrer, der jetzt — Schenkwirth ist. — Ich muß hier auf einen Uebelstand der Erziehung aufmerksam machen, der wahrlich nicht zu'den kleinsten gehört und doch ein fast überall herrschender in der Schule wie im Hause ist man ist zu wenig sorgfältig bei der Wahl der / 3

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