Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1843)
- Article
- Berlin: Berufung des Dr. Frankel in Dresden als Oberrabbiner nach Berlin
- Date
- 1843-01-10
- Page
- Seite 13 (sequence 3)
- Language
- German
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13 samkeit nicht nur in Zeugnissen, sondern in Erzeugnissen seiner schriftstellerischen Khä'tigkeit glänzend erwiesen sind, ist kein Examen vorhanden; vielmehr hätte der vielbe- - sorgte Schreiber auf die Berufung eines solchen Mannes dringen müssen, damit für Andre erst nach seiner Anleitung ein Staatsexamen möglich werde. Daß der Gewählte in jeder Beziehung der Wahl unsrer wackern Repräsentanten Ehre macht und vollkommen seinem Rufe gewachsen sei, ist (eicht einzusehen. Demselben thut an talmudischer Kenntniß, nach der allgemeinen Stimme, kein Rabbiner der Neuzeit es zuvor; er hat in seinen „Vorstudien zur Kritik der Septuaginta" nicht nur jüdisch-theologische Gelehrsamkeit, sondern auch tief wissenschaftliche Auffassung derselben, ausgebreitetes gelehrtes Wissen und Scharfsinn an den Lag gelegt; seine verbreitete Schrift über den Iudeneid beweist nicht nur Gründlichkeit und Gelehrsamkeit, sondern auch seinen warmen Eifer für seine Glaubensgenossen, seinen unerschrockenen Muth, wo es gilt, ungerechten Kränkungen zu begegnen; wovon nicht minder seine freimüthigen Worte in der Vorrede zu den „Vorstudien" zeugen. — In dem Streite über das Lempelgebetbuch ließen sich nur billigende Stimmen vernehmen; die mißbilligende Partei hatte nicht den Muth hervorzutreten; er sprach als Mann kühn und gerade seine Meinung aus, obschon die Tendenz seines Gutachtens ihn der Gefahr aussetzte, von beiden Parteien angefeindet zu werden. Die Beurtheilung seines Gutachtens ist verschieden, doch meist günstig, ausgefallen; aber die Geradheit, Redlichkeit, der Ernst, die es beseelten, sind von Allen anerkannt worden. Ein gleißnerischer Hofmann begeht einen Verrat!) an der Gewissensfreiheit seiner von ihm zu vertretenden Gemeinden in Meiningen; ein Consistorium beschönigt mit ihm den Gewissenszwang; die Rabbiner, selbst die Frommen, alle Neuerungen verdammenden, seufzen und — schweigen. Da tritt er mit seinem Freimuthe zuerst hervor, nimmt sich im offenen Kampf des Glaubens und der Gewissensfreiheit an und züchtigt den Consistorialknecht fammt seiner Herrschaft. — Seine zehnjährige rabbimsche Praxis spricht factisch zu seinem Lobe. — Die Anhänglichkeit und Hochachtung seiner Gemeinde, welche die jüngsten Vorgänge bewiesen; seine Liebe zu seiner Gemeinde, die so weit ging, daß er dem ehrenvollen Ruft nach Berlin, dem gewiß so Mancher freudig gefolgt wäre, nur nach vielen Bemühungen unsers wackern Vorstandes, und aus der Ueberzeugung, daß das Wohl aller jüd. Gemeinden Preußens vielleicht davon abhinge, nachgab, zeigen, wie er im Fortschritt den Frieden zu bewahren und durch Thaten sich Anerkennung zu verschaffen weiß. Die Dresdner Synagoge, der Cultus, die von ihm wohl organisirte Israel. Schulanstalt sind Zeugen seiner segensreichen praktischen Thätigkeit. Auch soll derselbe, wie wir Horen, allwöchentlich mehre Male in einem engern Kreise Talmud lehren, und wir erwarten, daß er dies zur Freude der hier studirenden jungen Theologen, nicht unterlassen und so eine Pflanzschule gebildeter und gehörig autorisirter Theologen schaffen werde.' Und wir sollten einen Mann, der als Schriftsteller, als praktischer Theolog, als kühner Vertheidiger seiner Glaubensgenossen sich so vortheilhaft auszeichnet, nicht mit sehnsüchtigen Blicken uns herwünschen? Euch aber, die Ihr aus kleinlicher Furcht oder Rücksicht ein großes Unternehmen zu untergraben sucht, Euch rufen wir zu: Fürchtet Nichts! Ihr werdet weder an Ansehen noch ' an Einkommen verlieren; so Ihr nicht Ersteres durch Eure boshaften Intriguen selbst verscherzt. — Hamburg, 2. Jan. Seit drei Jahren zum ersten Male wurde wieder am 26. December 1842 eine öffentliche. Prüfung der Zöglinge der hiesigen israelitischen Freischule gehalten. Diese Anstalt zählt jetzt in 5'Klassen fast 200 Schüler. — Zu der mit Gesang und einer Einleitungsrede des Direktoes Herrn Dr. Kley eröffnetelr Feier hatte sich ein sehr zahlreiches Publikum, darunter die angesehensten Gelehrten und Kaufleute der hiesigen Gemeinde, viele ehemalige Schüler, auch Damen und eine Menge Zöglinge anderer Bildungsinstitute in einem zu diesem Zwecke eingeraumtw großen Lokale eingefunden. Zuerst ward die vierte Klasse im Deutschen von dem Herrn Lehrer Kohlmeyer geprüft z sie bewies, daß sie die erste Abtheilung des Wurstschen Elementarwerks vollkommen inne habe. Die Antworten wurden mit Pcacisi'on und in klaren Definitionen gegeben. An der Prüfung im Französischen und im Rechnen schienen die Zuhörer einen geringeren Antheil als billig zu nehmen; indessen wurde die Aufmerksamkeit wieder sehr rege, als Herr Dr. Anton Ree die drei ersten Klassen im Deutschen prüfte und von einer Anzahl von Schülern der ersten und zweiten Klasse einen ihnen ex lempore aufgegebenen „Brief an einen ehemal. Schüler der Anstalt, einen Bericht über das heutige Examen enthaltend" sofort in Gegenwart des Publikums und während die übrigen Zöglinge in der Grammatik geprüft wurden, ausarbeiten ließ. Die am frühesten vollendeten Briefe wurden vorgelesen, und allgemein für passabel erklärt. Nach einer einstündigen Pause fand die Fortsetzung des Examens, der die Aufführung einer Cantate vorangangen war, statt. Zuerst wurden die älteren Schüler in der Physik (durch Hrn. Dr. R6e) geprüft; dann examinirte Herr Dr. Kley (zum ersten Male beider öffentlichen Prüfung) in der Religionslehre, wobei wegen der Kürze der Zeit nur die allgemeine Pflichtlehre, und die Lehre von den Eigenschaften Gottes absolvirt werden konnte. Dann folgte eine Entlassungsrede des Herrn Dr. Kley an die abgehenden Schüler, deren Anzahl diesmal ungewöhnlich groß war, weil sich die erste Classe vor 1-J Jahren verpflichtet hatte, bis zum Ende des Cücsus (Weihnachten 1842) in der Schule zu bleiben. Trotz dieses gleichzeitigen Scheidens aus der Schule ist bereits 'für die Zukunft aller Ab-