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Der Orient · 1843-01-10 · Heft 2 (10.1.1843) · p. Seite 9

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 2 (10.1.1843)
Article
Die israelitische Freischule in Hamburg
Date
1843-01-10
Page
Seite 9 (sequence 1)
Language
German
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MM Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement -für ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. Dr. Julius Fürst. Mische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitrechnet, zwei Bogen, zwar an jedem 'ag regelmäßig. 3» Leipzig, den 10. Januar 1843» Hauptartikel. Die israelitische Freischule in Hamburg. — jG r o ßb r it a nni en. London. Unfug des Missionar Clarke. Belgien. Gent. Ehrende Anerkennung eines jungen Israeliten- M.Levinson. Deutschland. W ü rt em b er g: Berichtigungen. Berlin.. Berufung des Dr. Frankel in Dresden als Oberrabbiner nach Berlin. Hamburg. Prüfung der Zöglinge der Israels Freischule. — Polen. Warschau. Milüarpflicbtigkeit der Juden. Kolonisation. 3 Artikel. — Licht-und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Vergangenheit und Gegenwart. Urkunden des Mittelalters. — Personcrlchronik und Miscetten. — LB. des Or. — Die israelitische Freischule i« Hamburg. (Fortsetzung.) Der Leiter der Freischule, Dr. Kley, glaubte durch Einführung seines Religionsunterrichts Alles gethan zu haben, was einer israelitischen Schule, in dieser Beziehung Pflicht war. Giebt es ein Wort, das mehr im Munde geführt und weniger verstanden wird, als Religion? Nur ein Unglück, daß unsere heiligsten Interessen damit Zusammenhängen, und aus diesem Mißverständnis; ein verkehrter Religions-Unterricht entsteht. Ich denke an die Sitte, die Bibel zur Grundlage jenes Unterrichts zu machen. Jeder, der mit der Bibel nur einigermaßen vertraut und nicht ganz befangen ist, wird mir zugestehen müssen, daß dieses an sich ehrwürdige und unschätzbare Buch kein taugliches Werk für Kinder ist. Gerade die Schönheiten, um derentwillen uns dieses Buch so werth ist, sind für das Kind nicht vorhanden und was nach Abzug dieser und des bloß für den Gelehrten historisch Wichtigen bleibt, dessen wird ein höchst kleiner Extraet schon der Phantasie und Illusion der Jugend einige Nahrung bieten können - aber dieses allein oder Alles durcheinander gemischt als das Fundament des religiösen Unterrichts zu gebrauchen, das ist ein arger Mißgriff, den unsere Gewohnheitsnatur noch immer nicht fahren lassen will. Der Katechismus vonsDr. Kley für den Religionsunterricht bearbeitet füllt zwar manche Lücke aus, aber aus das äußere Moment der Consirmation hinwirkend, muffen wir ihm eben so, wie der Bibel die Fähigkeit, wahrhaft religiöse Gefühle für die Dauer zu begründen, absprechen. Man muß die Consirmation deshalb ein äußeres Moment nennen, weil die Consirmanden zumeist ein Glaubensbekenntniß hersagen, das ihnen angelernt ist, und nicht der innern Ueberzeügung entspringt, und wenn auch augenblickliche Rührung, so läßt sie doch nicht so -tiefen Nachhall zurück, daß sie Festigkeit und Stetigkeit für das Leben zu geben vermöchte.*) Wir aber haben zu bedenken, daß, da der Glaube mehr aus dem Gefühl, als aus der Vernunft entspringt, wir vor Allem verhüten müssen, daß auch bei späterer Entwickelung der Vernunft das Gefühl mit ihr in keinen Widerspruch gerathe; das ist der unglückselige Zwiespalt, der bei den meisten Menschen, fast ohne ihren Willen, den Unglauben erzeugt und doch Bibel und Katechismus am wenigsten zu beseitigen vermag. Lasse sich jeder seinen eigenen Katechismus bilden, zeige man nur den Zöglingen den waltenden und schaffenden Weltgeist nicht in diesem, sondern in der Geschichte der Menschheit, der Erde, der Naturalle drei Gegenstände werden gelehrt - welche feste Grundsätze können sie für's Leben geben, mit welchen erhabenen Ideen die Jugend erfüllen, die kein Widerstand auch der entwickelsten Vernunft zu überwinden vermag. Den gelernten Gott fühlt die Jugend nicht, aber den begrif-- fenen, und er wird nicht nur der Gott der Kindheit, sondern auch jedes Alters. Moral und Religion müssen idenrisicirt werden, und wir brauchen den Kindern nicht zu sagen: du sollst nur-Einen Gott haben — du sollst nicht stehlen, nicht morden, nicht —- ehebrechen!? So wenig der Katechismus moralisch gute Bürger zu *) Ich erkläre mich nicht unbedingt gegen einen feierlichen Akt, der uns bei einem wichtigen Abschnitt des Lebens so wohlthatig werden kann — aber einige vorgeschriebene Seiten auswendig lernen, sie ängstlich vor dem versammelten Publikum herzusagen, ist eine religiöse Komödie. D. Verf. 2

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