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Der Orient · 1843-01-03 · 1 (3.1.1843) · p. Spalte 11-12

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
1 (3.1.1843)
Article
Dogmatische Literatur [Rezension]
Date
1843-01-03
Page
Spalte 11-12 (sequence 2)
Language
German
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11 12 Dogmat. Literatur, ns min (oder) Is the Oral Law etc. ö. Benisch. 23. dazu 3, 17- 19, 27.) zeigt, wie unzulänglich, wiversprechend, lückenhaft und dunkel sie an sich sind, von welchen ich aber blos eine hervorheben will. Exod. 31, 14 heißt es'vom Sabbat ro* niD H^riD > aber worin besteht die Entweihung, die doch nirgends ausdrücklich angegeben ist? Muß da nicht eine mündliche Lehre zu Hilfe genommen werden? — Nachdem die Nothwendigkeit einer Tradition dargethan wurde, wird vom Verf. dem zweiten Einwurf folgender Maaßen begegnet: Wo sotten nun diese mündlich tradirten Ergänzungen gesucht werden-? Wo anders, frage ich, als in jenem siannenswerthen Monumente von Gelehrsamkeit und Frömmigkeit, das uns Männer hinterließen, die den von den nbnJin noJD losgelassenen Faden der Tradition wieder aufnahmen, die ihr ganzes Leben, ihre ganze Thatigkeic auf die Erklärung der heiligen Schrift cmwandren, die den Glauben, den sie öffentlich lehrten, mit ihrem Blute besiegelten, wo anders als im Talmud? — Zugegeben nun, daß der Talmud wirklich die einzige Quelle für ns min ist, so wird Alles, was man gegen denselben auch Vorbringen mag, nicht die Göttlichkeit der in ihm enthaltenen mündlichen Lehren beeinträchtigen. Der Talmud ist eine Sammlung, welche sowohl die Geistesprodukte der damaligen jüdischen Gelehrten, als auch die göttlichen Ueberlieferungen enthalt. Verliert etwa ein Demant von seinem ursprünglichen Glanze und Werthe, weil er in Metall gefaßt ist? — Uebrigens sind die Fehler, welche dem Talmud aufgebürdet werden, nicht einmal gegründet. Denn was die Absurditäten betrifft, von denen er wimmeln soll, so sind sie in unbeträchtlicher Anzahl gegen die Menge erhabener und moralischer Sentenzen, religiöser Wahrheiten, philos. Ansichten, geschichtlicher Dokumente, antiquarischer und geographischer Erläuterungen, uaturgefchichtlicher, philos. und wachem. Winke, welche einen beträchtlichen Theil derselben ausmachen, und eine noch kaum geöffnete Fundgrube sind. Ferner haben die vermeintlichen Absurditäten ihren Grund in der sonderbaren und grotesken orientalischen Kleidung, in der uns die Ansichten vorgeführt werden, so daß nur die Hülle unsere Aufmerksamkeit fesselt, das Wahre aber, das unter ihr verborgen ist, unberücksichtigt bleibt. Endlich findet man Manches nur deswegen ungereimt, weil es aus dem Zusammenhänge herausgerifsen und isvlirt hingestellt wird.- Auf diese Weise könnte man gar leicht die erhabensten und scharfsinnigsten Systeme ins Lächerliche ziehen. Wenn man z. B. Jemandem, der sich nach Anaxagoras und Sokrates erkundigte, zur Antwort gäbe: Jener behauptete, die Erde ist eine ebene Fläche, die Sterne sind durch Wirbelwinde aus der Erde gerissene Steine, die von der Sonnenhitze erglüht leuchten; dieser sagte, daß ein Genius ihm die verborgensten Dinge offenbart: so hatte man ihm keineswegs fälschlich berichtet, er aber würde dennoch keine richtige Ansicht von dem großen Geiste dieser Männer haben. — Gerade so wird von den meisten Gegnern des Talmuds verfahren. — Was ferner die Widersprüche und die Leichtgläubigkeit betrifft, so darf uns das erste bei einer solchen Masse von Gegenständen, die von ihnen individuell behandelt wurden, durchaus nicht wundern, und das letzte vielleicht im Mangel nöthiger Vvrkenntmsse seinen Grund haben. Denn wie oft geschah es nicht, daß man über Berichte alter Geschichtschreiber und Touristen lachte, die aberdann durch günstigere Umstände und nähere Untersuchungen bestätigt wurden! — Aber die Talmudisten besitzen keine exegetische Kenntniß? Diese Beschuldigung wird vom Verfasser durch eine Erläuterung der 13. Midoth oder exegetischen Regeln des R. Jsmaol geschwächt. — Daß die Talmudisten in ihrer eignen Sache als Zeugen austrelen, wird vom Verf. durch die Bemerkung entfernt, daß sie nicht für ihre, als vielmehr für GotteS Sache zeugen, und daß sie stets sorgfältig unterschieden, was göttlichen Ursprungs und was das Produkt ihrer Geistesthätigkeit ist. — Der 3. Einwucf wird zuerst durch eine recluollo ad absurdum vernichtet. Denn daß keine Anspielung auf eine mündliche Lehre in der heiligen Schrift sich findet, kann nicht die Existenz derselben negiren, als vielmehr beweisen, daß sie so bekannt und allgemein war, daß sie keiner Allusion bedurfte, wiedies bei vielen-religiösen Grundwahrheiten der Fall ist, welche eben wegen ihrer Allgemeinheit keine ausdrückliche Erwähnung nöthig hatten. Dann aber spielen die Stellen (Deut. 27, 8;~9. Nch. 8, 8. Deut. 4, 44. 45. 21, 2i) deutlich auf eine mündliche Erklärung an. Ferner die Stellen Deut. 4, 2. 12. 32 verlieren ibre Beweiskraft, wenn man sie im Zusammenhänge liest. — Um endlich den 4. und letzten Einwurf zu beantworten, bemerkt der Berf., daß der Einfluß des Talmuds für die Juden sich nur auf das religiöse Gebiet erstreckt, und daß unsere Vorfahren die heilige Schrift selbst hatten verwerfen müssen, wenn sie blos die aus derselben hervorgegangenen Anfeindungen der Griechen und Römer vor Augen gehabt hätten. . Denn so wie man jetzt den Haß vieler Christen auf die Rechnung des Talmuds schreibt, so zog die heilige Schr. den Juden den Haß der Griechen und Römer zu. Allein der Haß Beider berühre auf Unkeuntniß der heil. Schr, was auch bei feindlichgesinmen Christen in Bezug auf den Talmud gilt. — Am Ende der Vers, die Verpflichtungen auf, welche die Juden gegen den Talmud haben, da er sie stets vor Stumpfsinn und geistigem Verfall — welches die natürlichsten Folgen des Abgesperrtseins in einem Ghetto gewesen wären — verwahrt hat, und sie nur durch vorhergegangene Uebung in der scharfsinnigen talmudischen Dialektik solche Fortschritte in allen Zweigen der

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