Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1841-12-25 · 52 (25.12.1841) · p. Spalte 807-808

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
52 (25.12.1841)
Article
Philonische Literatur
Date
1841-12-25
Page
Spalte 807-808 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/8555529-9897381-9897522-2367012--1946-2367040
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

807 Philonische Literatur. Dr. Großmauls Philonifche Literatur. Dr. Großmauls Abhcrndlungüber die .Reihenfo(Ae unö die chronologische Ordnung Schriften des ' Juden Philo. / (Fortsetzung.) , . Allein wer weiß nicht, welchen Einfluß der Boden eines heiligen Landes, einer heiligen Stadt, geweiht durch die Religion der Väter/ welchen Einfluß die Aussprüche heiliger Bücher, die alle Erwartung des Heils von. den levitischen Gebräuchen des Tempels der Vorfahren abhängig machten, welchen Einfluß die herrschsüchtige und starre Heiligkeit einer hierarchischen - Zucht) der für Unveränderlichkeit in Gebrauchen und Sitten M hinneigende Sinn der Morgenländer, die lange Dauer einer eingewurzelten Gewohnheit, endlich die innige Verwandtschaft der jüdischen Philosophie mit der öffentlichen Religion, welchen Einfluß 'dieses Alles hat, welche Macht es auf die Gemüther der'Menschen ausübt, sie zu lenken, in Bewegung zu'setzen, zu fesseln-zu gängeln? Er (K) hält es für verwerflich zu glauben, daß der Same des Neuplatonismus, wie er m den Schriften des^Philo votgeflmdenwird, wenn er wirklich schon in der Mitte des ersten Jahrhunderts unter den Alexandrinern Wur- - zel gefaßt habe, so langsam zur Reife gelangt sein würde, daß er erst mit Anfang des dritten Jahrhundertszum Halme und zur Aehre gediehen wäre. Allein gewiß ist, daß der" Same, welcher für den Geist gesäet wird, je unsterblicher er ist, desto langsamer er heranwächst, besonders wenn ihn ein' ungünstiger Himmel zurückstellt, obschon die Entwicklung des Neuplatonismus zur Blüthe und Reife , vom Zeitalter des Philo an , viel schneller vor sich ging, als nach dem Hahnschrei der Waldenser und Wiklefiten das Hcrvorbrechen des evangelischen Lichtes. Durch dergleichen Gründe also, welche mehr in der Einbildung bestehen und von einer leeren Wahrscheinlichkeit hergenommen sind, wird für die Verdunkelung und Verfinsterung des Philoneischen Gestirnes ganz und gar nichts ausgerichtet. Doch , spricht er, sind Ließ nur Vorspiele der tätlichen Schlacht und; nur die aus der Ferne geworfenen Geschosse der Plänkler; andere viel stärkere Beweise der Wahrheit sind noch in Bereitschaft; diese in Schlachtordnung gestellt, werden die Sache in der Nähe erfassen und ihrem Ende entgegen führen (S. 14.). Wir wollen sehen , wie es sich verhält. Zuerst bemerkt er nun im Allgemeinen, daß eine Ordnung der Philonsischen Werke ünd eine Reihenfolge der' Abhandlungen , wodurch die! einzelnen Bücher unter sich verbunden und verkettet zueinem Ganzen sich gestalteten, vermißt werde, und er nimmt daran um so mehr Anstoß, je deutlicher ein LheiL derselben nach dem Vorbilde derjenigen Eintheilung, wornach der. ganze Inhalt des Pentateuchs in drei Theile, %oßfioitoita, Igzöqikov und voiLoftatiMv geschieden wird (de vita Mosis Buch 2. 2, 14126 nach der Ausg.won Mangey , und äs praemiis et poenrs 2^ 4G> 46)- ohne Unterbrechung fort- Abhandlung über dr'e philon. Schriften. 808 laufe und sich abwickle. Da aber dieser Theil selbst nicht nur die übrigen Bücher ausschließe, sondern auch einen Verfasser ' vermthe /welcher die Hoffnung und Erwartung des'verheißenen Heils jenseits der von den Römern herbeigeführten Zerstörung Jerusalems (dieses Zeitmerkmal findet er in folgenden Worten des Buches de praemiis et poenis enthalten: noUtöriGovtca Ttdliv cc l £ I n 5 0 t ysvöfihvcu n q 6 p iv, q 0 v v,cci 7) sq7] 0 $ ofo.iGd'tfaezQU 2, 436, 20) hinausversttze,. jo hält unser Verfasser dafür, >daß alle Bücher Philo's für unächt zu erklären seien / ' und nicht blös dem abzusprechen wären / dessen Namen sie trügen, sondern auch einem christlichen Verfasser zuzuschreiben, theils wegen der vorgetragenen hypostatischen tur der göttlichen Attribute, theils wegen der den Unedlen d. h. den Christen (1 Corr. 1, 26.) angewiesenen Prärogative (2, 433, 40 de praemiis et poenis vergl. 2, 444, 25. de nobiiütate). Hierauf ungefähr läuft seine Schlußweise hinaus. Scharfsinnig zwar und spitzfindig erfunden und" ausgedacht, wer wird dieß läugnen? allein, daß die'Beweisführung mehr scheinbar als wahr fei, kann eben so leicht dargethan werden. Denn ich läugne die Richtigkeit des Oberfatzes, ich läugne die Richtigkeit des Untersatzcs, und noch mehr läugne ich die Richtigkeit des Schlußsatzes. Es ist wahr , ich gebe es zu, daß jene Eintheilung des Pentateuchs die Richtschnur hergegeben habe zur Zusammenstellung aller der Bücher, durch welche das Buch de mundi opifici 0, seine Fortsetzung erhält '(ich meine die Bücher deÄbrahamo, de Jsaacoj, de Jacobo, de Josepho, de Mose,! dedecalogo und welche der Reihe mach bis zur Abhandlung de nobilitate folgen, 2, 1, 1. 2, 444.). und daß dieß auch nicht zufällig sei, sondern einen wohlüberlegten und überdachten Plan des Verfassers voraussetze,'damit die rabbinische Auslegung des'geschriebenen Gesetzes! der treue Abdruck des mosaischen Urbildes würde, ganz so wie sich im geschriebenen mosaischen Gesetze das.zurüÄgeworfene Bild sowohl des den Gemüthern der Patriarchen Lnwohnenden und angebornen moralischen Gesetzes , als des physischen Gesetzes, wodurch der mosaischen Ko.smogonie nach das Weltall regiert wird, abzuspiegeln.schien. Denn sollte je von einem Rabbinen das Gesetz in' gehöriger- und ordnungsmäßiger Weise ausgelegt werden, so war jene wechselseitige Uebereinstimnnmg und jener, gleichsam künstliche Zusammenhang des dreifachen göttlichen Gesetzes überhaupt zu erklären und zu erläutern. Es riethdazu nämlich nicht allein das belobte Beispiel des Plato, dem sowohl die alexandrinisch-, als palästinensisch - jüdischen Philosophen als ihrem vorzüglichsten Führer folgten, und vom dem es bekannt ist, daß er dem Ideale des aus seinem Geiste entsprungenen Staates sowohl die Anstalten -des ganzen Staates, als die Sitten aller Bürger angepaßt wissen wollte (Plato de.rejmbl. 9. 592, a. b. Klepir.) welche von Schriftstellern späterer Zeit sehr hervorgehobene Stelle des Plato auch.Philo beinahe mit denselben Worten wiedergibt 2, 142, 16' folg, und 421, lg. Vergl. - überhaupt Stallbaums Prolegomenen zum Timäus des Plato S^ M); es "brächtedieß! die hohe Geltung des-w'osai- ' schm Gesetzes mit sich , dessen 'größtes Lob die. Rabbinern eben

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.