Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1841)
- Article
- Jerusalem: Die Gräber u. Grabdenkmäler der Juden daselbst
- Date
- 1841-12-25
- Page
- Seite 328 (sequence 4)
- Language
- German
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328 Felsen gehauen mit einem Grabe in jeder.Wand.; oder . eine viereckige Nische oder Area wurde in einer Schicht ausgehauen und dann in allen drei ihrer Seiten Gräber ausgehöhlt. Alle diese Vorkehrungen sind besonders in dem nördlichen Theile des Thales Josaphat und nahe bei den Gräbern der Richter zu sehen. Manche von den Thüren und Fronten der Gräber längs diesem Thale sind jetzt weggebrochen, wodurch das Innere ganz blos gelassen ist. Von dieser Menge von Gräbem scheinen die im Süden des Thales Hinnom im Allgemeinen die am besten erhaltenen zu sein; mit Ausnahme der Gräber der Richter und Könige, welche besonders beschrieben werden sollen. An der Nocdseite von Hinnom, unter dem Berg Zion giebt es, glaube ich, keine Begräbnißftellen; und dasselbe ist an der Westseite des Thales Josaphat der Fall, sofern als die alte Stadt sich längs demselben ausbreitete.' Auch sieht man Nirgendwo welche in dem letztem Thale, unterhalb der Vereinigung mit dem Thale Hinnom. Gräber südlich von Hinnom. Diese besuchte ich in Gesellschaft der Herren Smith, .Whiting und Nicolayson, am 3. Mai. Zwei Juden begleiteten uns, von denen einer Namens Hillel in Ostindien gewesen war und ein Buch voll von übertriebenen Beschreibungen über Jerusalem herausgegeben hatte. Er sagte, er habe mehrere hebräische Inschriften unter den Gräbern entdeckt und übernahm es, tm§, zu denselben hinzuführen. Wir kamen zuerst auf den Gipfel des südlichen Berges nach dem sogenannten Landhause des Caiphas, stiegen dann nordwärts und etwas nach Westen von dem Made abwärts-, welcher von Zion hinabführt und das Thal Hinnom durchkreuzt, worauf wir uns unter den Gräbern befanden. Hier bildet die Bergseite , wie sie aus dem Thale aufsteigt, meistenstheils eine senkrechte Felsenwand 20 bis 40 Fuß hoch, mit andern Felsenschichten höher hinaus; und der ganze Bergabfall ist voll von Grabmählern bis an das Ende des Thales. Eins der ersten Gräber, welches wir erreichten, hatte an der Seite des Einganges eine lange hebräische Inschrift, die'in dem gewöhnlichen modernen Charakter gut eingegraben, aber so durch die Länge der Zeit entstellt war, daß nur ein paar vereinzelte Worte entziffert werden konnten. Wir vermochten blos Folgendes sicher heraus zu lesen: . ... . . . . .- oro .. . . . . . . . .. .... .. rw . rbmp .. . ... Das nächstfolgende Wort enthielt den Buchstaben Sin {uj), woraus unser Begleiter Hillel sehr geneigt war den Namen Salomo hecauszubLMgen. Wir bedauerten sehr, daß das Datum so hoffnungslos der Zerstörung anheimgefallen war. Das Vorhandensein, und die Beschaffenheit dieser Inschrift-wie die Gestalt -.der Buchstaben scheinen den Beweis zu liefern, daß.die Juden' hier im Mittelalter^ ihre Todten begraben haben müssen. In der .Thatscheint Benjamin von Tudela auf diese Begräbnisse anzuspielen, wenn er von jüdischen Beerdigungsplätzen an derselben Seite der Stadt,'wo der Berg Zion liegt, spricht; unter welchen, wie er sagt, sich ein Grab mit eingegrabnem Datum befand.^ Unser Führer brachte uns jetzt zu einem andern Grabe nahe dabei, urtd sagte, daß inwendig Inschriften mit großen hebräischen Schrisizugen vorhanden seien. Aber es ergab sich, daß, was er für hebräische. Buchstaben angesehen hatte, nur zufällige Schrammen oder Adern in dem Felsen waren. -Etwas weiter hinunter kamen wir zu einem Grabe mit einer, griechischen Inschrift über dem Eingang, vor welcher ein Kreuz gesetzt war/ ff TH C ATI A C c / a n Nicht weit davon war ein anderes mit denselben Buchstaben nebst Kreuz, aber sehr entstellt. Dicht bei dem vorigen war auch, ein Grab mit einer griechischen Inschrift von ziemlicher. Länge, jetzt aber unlesbar; und in derselben Gegend noch zwei oder drei andere, allem Anschein nach in derselben Sprache; sie hatten aber zu viel gelitten, als daß sie hätten entziffert werden können.16 Die von Dr. Clarke erwähnte Inschrift mit phönicischen Schriftzügen bekamen wir nicht zu sehen.17" DeutMland. Dberschlesrerr, 10. Decbr. Die Leipz. Allg. Z. bringt' aus Oberschlesien einen Artikel über jüdische Gutsbesitzer, der' nicht blos den Judenfeinden, sondern auch der dortigen mittelalterlichen Misere, die man Adelreunion nennt, Ehre macht. Ein Graf Rena rd in Oberschlesien, ein sehr altes Haus, das seine Ahnen von uralten Kreuz- und Querrittern herleitet, hat seine Güter seinem jüdischen Pachter verkauft; darüber schreien nun die schlesischen Krautjunker Zeter und möchten gern die Juden aus dem Vaterlande jagen. Doch wir lassen darüber/den Cocrespondenten sprechen: Ein Hauptgegenstand der hiesigen Unterhaltung ist der Wunsch, daß die Juden im Besitze von Grundstücken beschränkt werden möchten. Man halt es nämlich für ein Zeichen der Verruchtheit der jetzigen t verdorbenen Zeit, daß schon mehre Städte Obecschlesiens, z. B. Woischnik, Tost, Peiskretschnm rc. vor kurzem von Juden erworben worden sind. Freilich dürfen solche Grund- 15) Renj. de Tud. pai* Rarat. p. 93. — Ich yermuthe, t>ie Inschrist im Texte ist dieselbe, von der Scholz eine Copie geben will. Reise S. .179. Er scheint weit mehr davon entziffert zu haben als wir im Stande waren. 16) Diese scheinen dieselben zu seyn, von welchen Scholz Abschriften herausgegeben hat; Reise/ S. 179, 180. L7) Clarke’s Travels in the Hol}' Land, 4-to y. 555.