Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 51 (18.12.1841)
- Article
- Geschichte und Arten der (alt-) hebräischen Poesie
- Date
- 1841-12-18
- Page
- Spalte 795-796 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8555529-9897381-9897520-2366963--1933-2366992- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Origen 1× ep/1025440
OCR text
195 Geschichte u. Arten der alchebr. Poesie v. Prof. Ewald. Dr. Gwßmann's Abhandlung. 796 auch das Buch Job trägt schon sichtbar diese Farbe. Aber der Inhalt wird bei dieser Zucht der Kunst eben nicht reicher und schöner, die Bewegung im Ganzm wird nicht rascher/ und auch dies Mittel kann für die Dauer dem anfangenden Sinken dichterischer Kraft nicht lange steuern. So beschleunigte denn der harte Stoß des 6ten Jahrh. und die Zerrüttung des alten Staats nur diesen Fall der hebräischen Poesie, und in den Jahrhunderten nach dem Exil widersteht sie nicht mehrlange der Auflösung und dem sinkenden Verderben,' dem damals Israel, zwar nicht als Gemeine aber desto mehr als Volk, unwiederbringlich entgegenging. Der alte volksthümliche Boden, auf.dem die Poesie bis dahin gekeimt und geblüht hatte, war verschwunden und blieb ungeachtet einiger Versuche ihn herzustellen für immer verloren: so verwelkte auch die Poesie-, da einen neuen eben so fruchtbaren Boden zu schaffen nicht leicht war; das Alte verfiel und neue kräftige Gestalten wollten sich nicht regen unter der zunehmenden Enge,' Verwirrung und AengstUchkeit dieser Zeiten. Zwar flammt das unvergängliche lyrische Lied noch in manchem Dichter auf, vorzüglich da wieder mit überraschender Kraft, wo das Gefühl bes Dichters, das Volksthümliche aufgebend, sich ganz nach innen wendet und hier im Innern die höchsten ewigen Gedanken mit einer früher ungeahneten Innigkeit entdeckt (Ps. 139. 103 s.) Aber die Kunstpoesie verliert alle Kraft und Leichtigkeit; sehr vieles ist nur noch Nachhall, Wiederholung und Nachahmung des Früher»; und nur Eine Art von Poesie gedeiht noch in diesen letzten Zeiten mit fast frischer Kraft, die TempeLpoesie. Denn von der alten volkstümlichen Größe und Herrlichkeit war eben nichts geblieben als der erneuerte Tempel und Cultus, das Heiligthum, um welches sich jetzt eifriger als jemals früher das ganze Volk vereinigte; und wie darin das einzige Allgemeine lag, was diese Zeiten noch im Großen bewegte und begeisterte, so erhebt sich jetzt die Tempelpoesi'e mit früher ungewöhnlicher Kraft, Gewandtheit und Unermüdlichkeit; so daß auch im Untergange die althebräische Poesie, noch groß ist und ihre Eigentümlichkeit nicht verläugnet; was zuerst nur aus Weniger Munde geoffenbart war, das strömt jetzt mitten in der Gemeine und für Tempel und Cultus aus aus einer unabsehbaren Zahl von Sängern und hallt tausendfach wieder. Di-es sind die drei Zeitalter und die Hauptschicksale der hebr. Poesie. Es kommt nun aber vorzüglich auf das Einzelne an. Dr. Großmann's Abhandlung über die Reihenfolge und die chronologische Ordnung der Schriften des Juden Philo. (Aus dem Lateinischen übersetzt,) Daß ein nicht unbedeutender Gewinn, sei es für das richtigere Verstandniß der alexandrirnsch-jüdischen Philosophie, sei es für eine nähere und fruchtbare Eharakterisirung der Anfänge des Christentums, soweit diesen ein menschlicher Maaßstab angelegt' werden kann, daraus hervorgehen.müsse, wenn es uns gelänge, in Ansehung der Schriften des Juden Philo zu ermitteln, sowohl in welchem Zusammenhänge ttnb in welchem gegenseitigen Verhältnisse sie, einzeln und im Ganzen betrachtet, stehen, als in welcher Zeitperiode und in welchen Lebensjahren des Verfassers sie nach und nach entstanden sind: dies legen die wiederholten Bemühungen und Forschungen zu Tage theils der Gelehrten überhaupt, theils der Theologen insbesondere, die diesem wissenschaftlichen Gebiete ihre Aufmerksamkeit zugewendet haben. Ob nun gleich aus dem vorigen Jahrhunderte Männer wie Fabricius in Deutschland, Denzel in Schweden, Mangey in England, sich auf diesem Felde unsterbliche Namen erworben, in der Gegenwart aber auch ein G fror rer zu Stuttgarts ein Dahne zu Halle2 sich ungemein verdient gemacht haben, so ist zwar durch ihre dankenswerthe Mühe mit der Untersuchung der Anfang gemacht, aber keineswegs dieselbe geendet und zur Entscheidung geführt. Und warum die Dinge so stehen, ist leicht einzusehen. Denn da erstens die Meisten von ihnen den Verzeichnissen der Schriften Philo's, wie sie von Eusebius (Kirchengeschichte % 18.), von Hieronymus (im Verzeichniß der Kirchenschrifksteller), von Photius (60ll. CHI. CIV. CV.) und von ©ui baS unter dem Artikel <piX&v dargeboten werden: da sie ferner den Berichten anderer Kirchenväter, des Origenes, des Johannes von Damaskus in seinen heiligen Parallelen, , des Mönchs Johannes (s. Mangey zu Dol. I. 191, 1.), und endlich den Aufschriften, mit welchen die einzelnen Bücher des Philo in den Handschriften versehen zu werden pflegten, viel zu viel Glaubwürdigkeit beimaßen, so sahen sie mehr darauf, die Sache durch das Ansehen von Zeugnissen, als durch das Gewicht innerer Gründe zu erledigen, ohne zu bedenken, daß die Zeugnisse des Alterthums mehr dazu beitragen, die Echtheit der Werke Philo's zu beweisen, als die Reihenfolge der Abhandlungen zu bestimmen, und daß die ihnen gegebenen Aufschriften, was fchon an und für sich bekannt, im Betreff der Philoneischen Werke aber von Hrn. Dahne a. a. O. Seite 1019 —1024 noch insbesondere deutlich ins Licht gesetzt ist, nicht sowohl von den Schriftstellern selbst als von den Abschreibern herrühren: wornach nun dieser ganzen Klasse von Zeugnissen kein Hauptgewicht, sondern nur ein untergeordneter Werth zugeschrieben werden kann. Wenn sodann Einige, wie billig, den innern Gründen die meiste Geltung zugefprochen haben, was bei Gfrörrer dankbar anzuerkennen ist, so haben diese wieder diejenigen Bücher Philo's, welche zuerst von Aucher, einem sehr gelehrten Mitglieds des Mechitansten- 1) „Philo und die Alexandrinischr Theosophr'e." Stuttgart 1831. Bd. 1.. S. 7-46. ' ' 2) „Einige Bemerkungen über die Schriften des Juden Philo) angeknüpft an eine Untersuchung über deren urspüngliche Anordnung" in Ullmanns und umbreits Studien. 1833. S. 984—1040.