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Der Orient · 1841-12-11 · Heft 50 (11.12.1841) · p. Seite 310

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 50 (11.12.1841)
Article
Jerusalem: die Bevölkerung und Zustand derselben
Date
1841-12-11
Page
Seite 310 (sequence 2)
Language
German
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310 Von den Juden, die jetzt in Palästina leben, besteht der größte Theil in solchen, 'die nach dem Lande ihrer Vater gekommen, um den Ueberrest ihrer Tage dort zu -.verleben und in einem der vier heiligen Orte zu sterben, nemlich Jerusalem, Hebron, Tiberias oder Safed. Die in Jerusalem wünschen ihre Gebeine im Thale Josephat begraben zu lassen. Von allen Theilen der Levante kommen sie hierher, besonders von Smyrna, Eonstantinopel und Salonika, in welchen Städten es viele Tausende ihres Volkes giebt. Zwei Jahre vor unsrer Anwesenheit sollen die Juden in Schaaren nach Syrien, besonders nach Damascus und Tyrus gekommen sein, wo es ihnen früher nicht erlaubt war, zu wohnen. Allein spater da die hohen Preise der Nahrungsmittel und überhaupt Lebensbedürfnisse noch stiegen, verhinderte dieser Umstand einen sernern Zufluß, und nöthigte Viele zurückzukehren, so daß die Zahl der Juden in Jerusalem sich sehr vermindert hatte. Sie leben hier meist in Schmutz und Armuth. Eine beträchtliche Summe Geldes wird für sie in verschiedenen Ländern durch ihre Agenten gesammelt; allein da dies in die Hände der Rabbiner kommt und ohne alle Verantwortlichkeit verwaltet wird, so soll es dabei, wie man sagt, ohne besondere Rücksicht und Redlichkeit zugehen, und scheint hauptsächlich ein Mittel zu sein, ihren eignen Einfluß und ihre Herrschaft über die Aufführung und über die Gewissen ihrer ärmern Brüder zu verstärken. Die meisten jetzt in Palästina befindlichen Juden scheinen von spansscher oder polnischer Abkunft zu sein; nur wenige sind aus Deutschland, oder im Stande, deutsch zu sprechen. Das Motiv selbst,, daß sie hierherzieht nach dem Lands der Verheißung, zeigt ihre stacke Anhänglichkeit an ihren alten Glauben; und würde a priori zu dem Schlüsse leiten, der sich auch durch die Erfahrung bestätigt, nemli - in ^Palästina w ohnhaften Juden unter allen klebrigen die bigottesten und für die Bemühungen christlicher Missionarien am wenigsten zugänglich sind. Die- Anstrengungen der englischen Mission haben bisher nur sehr geringen Erfolg gehabt, und es wird sich zeigen, ob die bezweckte Errichtung einer jüdisch-christlichen Kirche in Jerusalem den Einfluß und das Gedeihen der Mission vergrößern wird. Der Fleck dazu wurde wahrend unsrer Anwesenheit in der Stadt gekauft,, und das Gebäude soll eben jetzt gebaut werden. Deutschland. Halb evHkadt, 1. D ec. Bei den Rückschritten, welche unsere Gemeinde seit ungefähr 30 Jahren gemacht, bei dem Egoismus, der gewöhnlich in dem Gefolge des Rückschrittes ist, ist es heilsam, nach -er Vergangenheit zu sehen, um Beispiele zu suchen, die uns zur Nachahmung reizen. Die Gegenwart richtet sich überhaupt an der Vergangenheit auf, in ihr hat sie die Wurzeln ihres Wachsthums, die Grundlage ihrer Existenz, und die Erinnerung an eine bessere Vergangenheit, sei es bei einem Individuum'oder bei einer Gemeinde, ist immer ein gutes Mittel gewesen, die Erschlaffung und die Lethargie zu bannen. Unsere Gemeinde hat in den hier unten beschriebenen Personen herrliche Muster, die wohl der Nachahmung und Nacheiferung werth sind, und unsere Gemeinde wäre nicht so herabgekommen, wenn sie im Geiste dieser fortgefahren. Möge hier die Erinnerung an zwei Personen unserer Gemeinde folgen, ich will dann meine Betrachtungen daran knüpfen» Der im vorigen Jahrhundert in unserer Stadt geborene und in Berlin verstorbene Präsident des ehemaligen Conststorium'6 zu Cassel, Israel Jacobson, war der Sohn eines in achtbarem Andenken hier verstorbenen Banquiers und Gemeinde- Vorstehers Israel Jacob. Beide, Vater und Sohn, haben während ihrer irdischen Laufbahn viel Gutes geleistet, und nm zu ähnlichen Handlungen zu locken, möge hier ihrem Gedächtnisse ein kleiner Raum gegönnt werden, damit vielleicht dieser oder jener seiner Landleute dadurch angeregt wird. Der Vater Israel Jacob hatte unter den vielen Wohlthaten gegen seine Mitmenschen das Zeitliche nicht eher verlassen, bis er die hiesigen jüdischen Armen durch eine Stiftung unter dem Namen Israels Ehrenkranz mit einem Kapital-Fonds von 10,000 Rthlrn. versorgt hatte. Der Sohn, Israel Jacobson, hat ohne Unterschied der Confession viele Wohlthaten erwiesen: was derselbe für seine Glaubensbrüder besonders gewirkt hat, theile ich hierdurch in Nachstehendem meinen geehrten Glaubensbrüderu mit, damit das Andenken dieses würdigen Mannes auch in diesen gemeinnützigen Blättern für unsere Nachkommen ausbewahrt werde. Möge in der Folgezeit besonders meine Vaterstadt reich an solchen Männern werden, die ebenfalls, durch ihre Stellung im bürgerlichen Leben, mit Glücksgütern beschenkt, den Sinn und guten Willen haben, in und außer ihrem Wirkungskreise viel Gutes zu fördern. Israel Jacobson, Dr. philos., vormalige rWestphälischerConsistorral-Präside nt, Großherzoglich Mecklenburgischer Geheimer Fina uz-Rath, geboren den 171cn Octob er 1768, gestorben den 13ten September 1826, gehörte wegen seiner Fähigkeiten und glänzenden Laufbahn zu den merkwürdigsten Erscheinungen der verflossenen Zeit. Einziger Sohn eines woblhabenden, wegen Bürgertugenden verehrten Israeliten zu Halberstadt, ward er nach alter herkömmlicher Weise erzogen zu religiösem Wandel und zur strengsten Rechtlichkeit angehalten und nur in Bibel und Talmud und in den nöthigen Elementar-Gegenständen unterrichtet. Frühzeitig entwickelte sich neben leichter Fassungskraft eine überaus reiche Phantasie, verbunden mit rastlosem Untemehmungsgeiste und einer ungemeinen Ehrliebe. Körper und Geist eilten der Zeit zuvor, und schon im frühesten Jünglingsalter zeigte er sich selbstständig und versprach, Ungewöhnliches zu leisten. Schon zu 18 Jahren ward er Schwiegersohn des beim Hofe zu Braunschweig angestellten geachteten Kammer-Agenten Herrn Samson, dem er auch späterhin in diesem 'Amte folgte. Der unvergeßliche Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig faßte zu ihm besonderes Vertrauen, er fand in ihm einen ganz zu seinen Diensten geeigneten Mann, welcher mit einer imposanten Körperbildung ein einnehmendes Wesen, einen durchdringenden Blick verbunden, ein lebhaftes Feuer für alle großartigen Geschäften twürfe und eine seltene Gewandtheit ln deren Ausführung hatte. Besonderes Glück krönte alle seine Unternehmungen, und der im steigenden Ansehen für seinen Ehrgeiz Befriedigung fand, zugleich den Grund

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