Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 49 (4.12.1841)
- Article
- Jüdische Sprachwissenschaft [Rezension]
- Date
- 1841-12-04
- Page
- Spalte 753-754 (sequence 1)
- Language
- German
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Meraturblatt des Orients. -—- Berichte, Studien und Kritiken für Mische Geschichte und Literatur M 49. Leipzig, den 4. December 1841. Studien und Kritiken. Jüdische Sprachwissenschaft. Aramäische Grammatik. Die bis jetzt vorhandenen Wrrke darüber in abendländischer und neuhebräischer Sprache, Plan zu einem Werke: Vorstudien zur aramäischen Sprache. Winer's Grammatik. — Jüdische A lt ert h ums k un d e. Die Beschneidung der Israeliten. Dr. Bergson: die Beschneidung vom historischen, kritischen und medicinischen Standpunkt. — Analekten. Beantwortung der Frage: darf man sich in der Predigt der Ironie bedienen? — Lit. Anzeigen. Studien und Kritiken. Jüdische Sprachwissenschaft. Aramäische Grammatik. Die aramaische Sprache, d. h. die Sprache in welcher Jec. 16/ 11; die Abschnitte Dan. 2, 4 bis 7/ 28; Esra 4, 8 bis 6/ 18 und lf 12 bis Vers 26; die verschiedenen Targumim oder die aramaischen Paraphrasen der jüdischen heiligen Schriften geschrieben sind, ist wie die hebmische eine Sprache der Juden, deren Erforschung daher zur jüdischen Philologie, wie die Erforschung der griechischen Sprache zur griechischen Philologie, gehört. Das Schristhum der Juden, nämlich dasjenige, worin die eigenthümliche jüdische Denkweise und Anschauung niedergetegt ist, hat sich bekanntlich nach den verschiedensten Zeit- und Ortseinflüssen in verschiedene Sprachen gehüllt, und eine dieser Sprachen ist die Aramäische oder, wie man sie gewöhnlich nennt, die chaldaische. Eine Sprache der Juden, die in dm Kreis einer jüdischen Philologie gehört, kann entweder nur ausschließlich den Juden angehören, d. h. daß nur sie in dieser Sprache eine Literatur besitzen, wie z. B. die hebräische, ammaische, neuhebräische, talmudische Sprache, so daß nur die Juden als Träger der Sprache anzusehen sind — gleichviel ob sie ihnen ursprünglich angehört, oder ob sie dieselbe erst durch Einflüsse aller Act als Eigmthum übernommen —, oder auch daß die Sprache einem andern Volke angehsrt, das eine eigene Literatur in derselben besitzt, und die Juden solche nur als Trägerin ihres Schriftthums angenommen, und nach ihrer eigenthümlichen Denk- und Anschauungsweise modificirt, wie es z. 25. mit der griechischen Sprache der Septuaginta und des jüdischen Hellenismus, mit der arabischen Sprache der Juden im Mittelalter, mit der jüdischkastiliamschen und jüdisch-deutschen Sprache der spatem Zeit u. s. w. der Fall war. Wie weit das Gebiet der jüdischen Philologie sich erstreckt, wie belehrend der Anbau dieser Disciplin für die Erkenntniß des Judenthums und für das Verstandniß einer jüdischen Wissenschaft sein muß, wird gewiß niemand leugnen, der nur einigermaßen mit der jüdischen Literatur sich befaßt hat. Aber es wäre höchst ungerecht, wenn wir behaupten wollten, daß für den Anbau dieser Disciplin gar noch nichts gethan worden sei. Denn trotz der großen Massen der noch anzubauenden wüsten Plätze der jüdischen Wissenschaft, ist doch der bereits angebaute Theil reichhaltig genug, um der Zusammenfassung und der Zusammenordnung werth zu sein, damit der künftige Forscher dann einen Gradmesser habe, welchen Standpunkt, welchen Fortschritt in irgend einer Disciplin der jüdischen Wissenschaft wir gewonnen und erlangt. Um auf die aramäische Sprache zurückzukommen, so gehört diese zu denjenigen Sprachen der Juden, in welcher nur sie eine Literatur besitzen, und deren Erforschung ist nächst der hebräischen Sprache also einer der wichtigsten Theile der jüdischen Philologie. In diesem Sinne, die Gesammtheit der jüdischen Wissenschaft im Auge habend, sollen die neuesten Erscheinungen auf diesem Gebiete besprochen werden, mit steter Hinweisung auf dasjenige, was auf diesem oder jenem Gebiete bei den vorhandenen Hilfswissenschaften noch zu leisten ist. Grammatik des biblischen und targumischen Chaldär'smus für akademische Vorlesungen bearbeitet von Dr. Georg Benedict Win er, köm'gl. Kirchenrathe und ordentlichem Professor der Theologie auf der Universität Leipzig. Zweite, durchaus verbesserte Ausgabe. (Ladenpreis 2! aGr.) Leivzig, 1842. 8. Im. Tr. Wöller. Obgleich die Sprache der Targumim seit Tcemel- 49