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Der Orient · 1841-11-20 · 47 (20.11.1841) · p. Spalte 721-722

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
47 (20.11.1841)
Article
Die Poetik des Aristoteles
Date
1841-11-20
Page
Spalte 721-722 (sequence 1)
Language
German
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IHiratttrbljitt Äes Orients. Berichte, Studien und Kritiken für Mische Geschichte und Literatur JSfs 4^» Leipzig, den 20. November 4^44, Abhandlungen. I. Die Poetll des Aristoteles, commentirt von Abulwalid Jbn-Roschd, hebr. v. Thodros Thodrosi, deutsch übersetzt als Programm. — II. Versuch einer wissenschaftlich begründeten Metrik für die neuhebräische Poesie v. Isidor Kaemps. — Lit. Übersichten. Morti Persici et Arabici. Die Landau'sche Prachtausgabe des babyl. Talmuds in Octav-Format. Methodologie des Talmuds. — Lit. Anzeigen. Die Povtik des Aristoteteles, commentirt von Abulwalid Jbn-Roschd, hebräisch von MLOÄ2N8 Tlnodrösi. (Deutsch berscht als Programm zu einer historisch-kritischen Ausgabe des hebr. Textes.) Die Tendenz, die ich in diesem Commentare verfolge, ist die Erklärung der in dem Buche des Aristoteles über die Dichtkunst enthaltenen universellen, allen oder doch den meisten Völkern gemeinsamen Regeln (Q\3UNp): denn viele der Regeln, über welche darin die Rede ist, sind den Gedichten der Araber gar nicht eigen, während sie bei den Griechen Sitte sind. - Das Ganze werden wir in sieben Abschnitten zusammensafsen. Erster Abschni tu Unsere Absicht, sagt Aristoteles, geht jetzt dahin, über die Dichtkunst und die einzelnen Dichtungsarten zu sprechen. Will nun Jemand, daß die Regeln, die er aufstellt, normative Gültigkeit haben, so muß er nothwendigerweise zuvörderst auseinandersetzen, welchen Beruf jede einzelne Dichtungsart hat, woraus die dichterischen Reden bestehen und aus wie vielen Dingen sie bestehen und welches ihre Theile sind, durch welche sie bestehen, die gemeinsamen sowohl als eigenthümlichen, und wie vielerlei die Absichten sind, welche durch die dichterischen Reden erzielt werden. Ferner muß er in dieser ganzen Auseinandersetzung von der ursprünglichen Anlage ausgehen, die uns in Bezug auf Poesie von Natur eingepflanzt ist.1 Jedes Gedicht, sagt Aristoteles, und jede 1) Gr. CCQ^KfiSVOL XCiTtt CpVÖlV TtQtäXQV CiTCtl TÜOV 7ZQCQvcov. Jbn-Noschd legt in diese Worte, die nur von naturgemäßer Aufeinanderfolge des zu behandelnden Materials handichtensche Rede ist entweder Schmähung (pn) oder Lob (roitf), was bei einer tiefecn Untersuchung des Gegenstandes deutlich werden wird. Es gilt dies insbesondere von den griechischen Dichtungen, deren Stoff aus der Sphäre des fceithättgen Handelns entnommen, also entweder ein löblicher oder schimpflicher war. Ebenso ist es mit den die Dichtkunst bildnerisch schmückenden (colorirenden) Künsten, nämlich der Kunst des Citherspiels, des Paukenspiels, des Tanzes — ich meine, auch diese haben natürlicherweise eine von den beiden angegebenen Tendenzen. ’2 Die dichterischen Reden nun sind vergleichende Reden. Die Arten aber der Aehnlichkeit und Verähnlichung sind drei, zwei einfache und eine dritte aus diesen beiden zusammengesetzte. Was die zwei einfachen betrifft, so nst eine die Vergleichung einer Sache mit der andern durch Nebenemanderstellung beider. Dies geschieht in jeder Sprache durch besondere ihr eigenthümliche Partikeln, die bei den Arabern nrrw genannt werden. Die zweite einfache Art der Vergleichung ist die Sitzung des Aehndeln, den prägnanten Sinn: Die Aufstellung allgemeingültiger Kanons der Dichtkunst muß von der ursprünglichen allgemeinmenschlichen Naturanlage ansgehen. 2) Ihrer Tendenz nach ist jede Dichtung entweder Darstellung guter oder schlechter Charakter^ die Dichtkunst ist also nicht selbst Zweck, sondern ihr Zweck ist ein außer ihr selbst liegender moralischer. Nicht allein alle Arten der Dichtkunst, sondern auch alle sie verschönernden (NlpNO) Künsten gehen darauf aus, entweder zu loben oder zu beschimpfen (carrikiren). Mit dieser in das 1. Cap. der Poetik herübergenomrneum Zweitheilung ist zugleich gerechtfertigt, warum Ar. in der Poetik nur die Tragödie (als die vollendete Epopoe,) und die Comödie (als die vollendete Satyre), die Leiden Grundcharattere aller Poesie, weitläufig behandelt. 47

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