Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 46 (13.11.1841)
- Article
- Versuch einer wissenschaftlichen begründeten Metrik für die neuhebräische Poesie
- Date
- 1841-11-13
- Page
- Spalte 709-710 (sequence 2)
- Language
- German
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709 Versuch einer wissenschaftlichen Metrik der neuhebräischen Poesie. 710 des majomifcbm Accentuation-Systems beruhen kann. 1 , Die Quantität der Sylben ergiebt sich demnach von selbst: alle accentuicten Sylben sind lang,' undalle tonlosen kurz. Wörter, wie: itd, ]Tft, *“)?&* rc. würden also Trochäen, -- solche wiepft-p, ^top, ri’in, rplN/ n*»n hingegen . 3 a m b e n bilden. Die Gmrnrriätik kann hierüber den besten Aufschluß geben. Wir haben hier nur noch zu bemerken, daß wir vermöge der zahlreichen einsylbigen Wörter, des Meteg^ , und der langen Vocale^ im Hebräischen, eben so wie | im Deutschen, eine Menge mittelzeiuger Sylben erhal-? ten, die, je nachdem ihre Position es erfordert, bald 1) Selbst Dr. I. L. Saalschutz nimmt in seinem Werk: Von der Form der hebr. Poesie rc. (Königsb. 1825) an, duß der Rhythmus der biblischen Poesie auf den Wortton bcr sire, nur liege letzterem die vulgär-jüdische Aussprache zu Grunde. — Nicht ohne Anerkennung ist hier einer Schrift zu erwähnen, die ein holländischer Prediger, Namens Lorenz Frise, 167i in der lobenswerten Absicht herausgab, damit eine Restauration der hebr. Poesie zu erzielen. Wie Dr. Fr. Delitzsch in seiner Gesch. d. jüd. Poesie 2C. S. 14 und 15 berichtet , basirt Frise seine Prosodie zwar aus den Accent, räumt aber jedem anlautenden Vocal mictelzeitige Quantität ein, so daß ein kurzer Vocal, selbst wenn unmittelbar darauf ein Haupt- Meteg folgt, eine lange Sylbe bilden kann; endlich betrachtet er die mit Schwa mob. punkrirten Buchstaben als kurze Sylben. In folgenden Versen suchte Frise. sein System zu realisiren. Der Hexameter. •ü’fvpN cisf ->^'M ' 2'u n’_bbj :— ' übb ioppn 1331 ' cYpp p D er Pentamelcr. nsjp njnnn * pp pip niy — ' -ith nn ~ vt iV' N'N' In wie weit wir nun diesem System beipslrchten, wird aus dem Verfolg dieser Abhandlung erhellen; jedenfalls verdienen die Bestrebungen Frise's alle Achtung. — 2) Wir geben hier wörtlich wieder, was R. Jedivia Salomo Norzi, Vers, des nt"UD, in fttner vortrefflichen Abhandlung übsu Meteg — "]nNDiT — f°l- 1 in Betreff desselben sagt: b\npj Du DJ 'Di DMHD m -nsrpbpn nPi nPsn oyionPi cwb nuspi nopini : idd /pPncn nwn bx -in?b pnP inöp F]bv 4 nbra? p-om bn pi; bi .nppjjh, j non JJDB73, jnon njw W' p~n bw ibx niPii3 myinro : in^nps nin'dri msy b V' nnpb'Y : ics, nnb tidd npnn cjp p^2 Nianac nujsp mjiuns pi", bi 'M'b, nrnSi, psitonn p 8« nmpj ihn« nvniND nn« jnnriK t>w, =nnp, 1«^., nyE-; V2. — ' Z) Jedoch kann ein langer Vocal, insofern er nicht den Jctus hat, nur in der Thesis des Spondeus, nie aber in der Arsis stehen. — lang, bald kurz sein können. Dies ist in der deutschen Poesie etwas Gewöhnliches; vrgl.: Was unten tief dem Erdensohne Das wechselnd^ ^Verhängniß bringt, Das schlägt an die metallne Krone, Die "es erbaulich weiter klingt. Die Glocke v. Schiller. — Eben, so: Nicht mir rede vom Tod' ein Trostwort, edler Odyseus l Voss, Odyssi 11, 488. Ob er zum Krieg mitzog, in den Vorkampf, oder .nicht also. — Und, —, 493. — Was endlich das Schwa mob. betrifft, so wird es schon durch seinen Namen hinlänglich charakterisirt, nämlich: Nullität; nur wenn ein Vocal hinzutritt, kann es^ eine kurze Sylbe bilden, die dann aber auch unter allen Verhältnissen und in allen Positionen kurzbleibt. — Dieser einfachen, sowohl auf allgemeine Sprachgesetze überhaupt, als auch auf die Individualität der hebräischen Sprache insbesondere gegründeten Prosodie zufolge, wird man im Hebräischen eben so viel Versfüße haben können, wie im Griechischen und Lateinischen, mit Ausnahme der wenigen nur aus Kürzen bestehen- 4) Hier steht sogar eine Urkürze in der Arsis; aber ihre Entfernung vom Hauptton giebc ihr mehr Hebung. Wergl. Ewalds scharfsinnige Abhandlung über die hebr. Arcentuation, Gr. der hebr. Spr. rc. § 180. — ' 5) Wir bedauern, des beschränkten Raumes wegen, hier nur skizzirm zu können, was wir gern vollständig gegeben hätten. — Die von vielen Grammatikern immer noch acceptirte Gewohnheit, dem Schwa mob., nach Art der Araber, Vocalkrafteinzuräumen, ist ein aus dem Mittelalter sich vererbter Jrrthum, der von einsi'chtsvollern Philologen bereits erkannt und aufgegeben worden ist. Die alt - griechische Sprache' ist wahrlich keine harte zu nennen, und dennoch findet man darin oft mehre Consonanten durch einen Vocalanstoß ausgesprochen. Folgende Parallele mag uns dies veranschaulichen. ßlccl-; DD?/ ßQS(i(o (vergl. im Deutsch.: brummen); zlanvg; “ihpy $QVS; ^Dj^oßsca; TQSTtco: Iptp, ftXdco; 1^2, %llßavog;?p2, v.v7][iig; ‘»nSD/ KQrjg; fi.JP/ (wuy jbD/ 0K7]V7j; 6,asQdvdg; (?g?adNafco, Gnldy%vov: 7tvev[ici; TCQOvvrj; hltob, TtnSQva; xtbIvoo; cxovcc, aZQTjvog; öcpQccylg, 6%aco n. o. m. — Die Nullität des Schwa geht auch daraus hervor, daß mau es nöthig fand, den mit Schwapunktirten Guttur einen Vocal zu geben, was doch ganz überflüßig wäre, wenn das Schwa schon an und für sich Vocalkraft hätte. Hören wir, was der Verfasser des zauberhaften nJJJ IDNüber das Wesen des Schwa sagt.. Zu Ende des hier . genannten Buches heißt es: „XWil nilpJ *0, *>nN jr, hd nb pNisy, nn^pin im roo nyyüno'di Idd Nifrb pNi 'ni nmpjn nosyo VDKj; DDD/' •— Vrgl. De W ette's schon angeführte Einleitung rc. S. 40, und Bell ermann's schon angeführ- Vers. rc. S. - 47. - ' 46