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Der Orient · 1841-11-13 · Heft 46 (13.11.1841) · p. Seite 292

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 46 (13.11.1841)
Article
Ein paar Worte über die Israeliten
Date
1841-11-13
Page
Seite 292 (sequence 3)
Language
German
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292 den wahren Messias der Juden nenne, so verstehe ich darunter denselben - der auch der Messias der ganzen Erde ist, nämlich: wahre Religionsaufklärung, und diese muß ihren Vorläufer haben. Die ganze Weltgeschichte ist Zeuge, davon, daß ein solcher Johannes der Täufer von dem ewigen weisen Lenker der Dinge vorausgesandt worden ist und varausgesandt wird. Laß das Sonnenlicht denn auf ein Mal in die Augen scheinen, der vom Staar operkrt worden, er hat und behalt oft nach der Operation dieselbe Blindheit, mit der er vorher ge-- schlagen war, ja er ist vielleicht noch übler daran als früher, wenn ihm einige einzelne Strahlen in's Auge dringen, die ihm das Bild durchaus verkehrt abmalen; es möchte sich bewahren, daß nur halbe Aufklärung ärger als gar keine sei. Laß die Juden eine solche Aufklärung erhalten, die mit ihren Glaubenslehren bestehen und sich vertragen kann; mögen sie ihren Glauben behaupten; Biele von ihnen glauben sonder Zweifel, ohne es selbst zu wissen, an den wahren Messias, der da kam und fortfährt zu kommen, um Gottes moralisches Reich auf Erden zu gründen; „es ist mein Reich nicht von dieser Welt" — so lauten die Worte des Stifters. Das Sittengesetz ist ihnen in's Herz geschrieben, und es muß zugestanden werden, daß eine beträchtliche Heerschaar von Juden daran geglaubt haben, noch daran glaubt und es zu befolgen strebt. Der Haß, den sie gegen andere Völker hegen (sollen?), ist außer Zweifel mehr die Schuld der letzteren als der Juden. Die frühere Art und Weise, wie man die Juden bekehrte, nimmt jetzt, Gott sei Lob! ab, zur Ehre der ächten und wahren Aufklärung. Nein, laß dieses Volk seine Schulen, ja Akademien, Gymnasien, Universitäten rc. erhalten; laß sie Professoren in allen Wissenschaften werden; Besitzer und Bearbei- .rer der Erde, Handwerker in allen Zweigen, Kaufleute, Groshandler in allen Handelsfächern; Lehrer in allen Wissenschaften, Beamte im Reiche, es versteht sich von selbst, insofern es nicht wider unsere und ihre Glaubenslehre streitet; kurz gesagt: gieb ihnen die Mittel, norwegische Bürger im ächten Sinne des Wortes, in jeder Beziehung werden zu können! Laß der Name „Jude" nicht gehört werden, aber nenne sie statt dessen Mosaiten, oder vielleicht Israeliten, damit der Name „Jude", der leider bis jetzt einen mißfälligen Ton in den Ohren der Christen verursacht, aussterbe, welches kaum in einem ganzen kommenden. Jahrhundert wird der Fall sein können, wo hingegen hier in Norwegen kaum 50 Jahre verschwunden sein werden, ehe der Name Jude ftin Anstößiges verloren hat. Laß nun alles Dieses einrreten, dann wird Judenthum sich im Christenthum auflösen und Pauli Vorhersagung in Erfüllung geben: ,,Ganz Israel wird selig, wenn die Fülle der Heiden kommt." So wie ich früher erwähnte, daß ein Jude (von nuH an in meinem Munde ein Mosait oder ein Israelit) mein moralisches Gefühl rege machte, so erwärmte der Brief des edeln Mosaiten an den Präsidenten unseres Storthing, den biedern S örensen (eingerückt in den Constitutionellen den 24sten Mai d. I.), bei mir die Gedanken, an die Anstalten, die jetzt besonders im nördlichen Deutschland für die Emancipation dieses Volks getroffen werden; ich freute mich im Geiste, als mir aus den theologischen Zeitschrift, von Claussen uud Ho tzlen!) erg herausgegeben, vorgelesen ward, wie der Tag jetzt für dieses Volk anbricht. So nähert sich ihnen ihr Messias, ob er aber am Ende persönlich seine Wohnstätte m Palästina errichten wird, muß dahin gestellt sein. — Aber zum Briefe des in Wahrheit achtungswürdigen Israeliten. Er kann mit Recht Pauli Worte an Festus auf sich anwendbar machen: „ich schwärme nicht, ich rede wahre und bedächtige Worte." Ja, das thut er; den Vorwurf haben wir verdient, das kann ich meinerseits durchaus nicht in Abrede stellen, da man in über £ des letzten Jahrhunderts diese für uns Normannen nicht ehrenhafte Worte: „den Juden ist ferner alle Zulassung in's Reich untersagt," im Volksrarhe hat unangetastet stehen lassen, ja sie nicht einmal gebührend in unseren Tagesblättern gerügt hat. Diese Worte stimmen gar nicht mit dem Charakter der Normänner überein. Ich habe gemeldet, was, meiner Meinung nach, höchstwahrscheinlich die Ursache war, daß dieses famöse Jnterdiot durchs Ungefähr sich in unser Grundgesetz hineinsHich. Ja, bei genauerem Nachdenken bekenne ich offenherzig , daß ich das Wenige, was ich noch vom gesunden Menschenverstände übrig zu haben glaube, aufgeberr müßte, wollte ich laugnen, daß dieser Mann das geschrieben habe, was Wahrheit, recht und gut ist, ganz in der eines bescheidenen und denkenden Mannes würdigen Sprache. Er hat, so gut er es vermochte, seinen justus dolor unterdrückt; jeder Andere würde in seiner Stelle und Lage es ihm kaum haben nachmachen können. Ich freue mich darauf, daß dieser Brief gewiß auf jeden rechtdenkenden, aufgeklärten Mann unter meinen Mitbürgern eine gute Wirkung haben wird; daher strenge ich meine schwache Stimme an und rufe dir zu, künftiger Storthingsmann, ja einem Jeden zu, der Kraft und Willen har: scharfe dein Federmesser, radir' die Worte ans unserem Grundgesetze weg: „den Juden ist ferner die Zulassung in's Reich untersagt;" mach' deine Feder spitz, nimm deinen Tisch, setze dich nieder und schreibe, wie es dem rechrschassenen, aufgeklärten Norweger ansteht, einen Vorschlag zum Volksrath, dieses traurige erwähnte Verbot gegen die Juden aus unserem in allem Uebrigen guten Grundgesetze zu streichen, und zugleich die vernünftigen Gründe, die du anzuführen vermagst, daß dem Mosaiten,? eben so gut wie jedem Ausländer, wenn er es begehren sollte, das Bürgerrecht in Norwegen eingeräumt werde, mit den Modisicationen, welche die Sachverständigen für nöthig ansehen, wenn der Mosait norwegischer Bürger werden soll. Oder laß im künftigen Storthing deine Stimme, wie geschrieben steht, wie eine Posaune erschallen, daß die Worte aus unserem Grundgesetz ausgelöscht werden! — jedoch, man hat. ja schon einen Constiturionsvorschlag über die künftige Ausschließung dieser Worte des Grundgesetzes eingereicht. Es ist der Drang meines Herzens, unserem aufgeklärten Könige meinen Dank auszusprechen, daß höchstderselbe das Jnterdict des Grundgesetzes gegen die Juden nicht berücksichtigte, sondern dem Suchenden Freiheit gestattete, persönlich hier im Reiche die Sachen abzumachen, die für sein zeitliches Wohl nöthig waren. Hiermit Gott empfohlen, edler, wohldenkender Landsmann und Mitbürger! ich schließe mit dem gewöhnlichen Gebete der Storthinge zu Gott: Gott erhalte den König und seine Kirche! Ich bitte einen Jeden,, der dasjenige gelesen hat, was ich oben geschrieben habe, und den achtungswürdigen, vernünftigen und bescheidenen israelitischen Mann, der den Brief an den Präsidenten des Storthing schrieb, kennen oder treffen möchte, ihm von mir die Hand zu reichen, mit einem herzlichen Danke, daß ec mir dazu verhalf, meines Herzens Meinung für das israelitische Volk auszuschütten. In Ullensuangs Pfarrerwohnung in Nardanger, den Lösten Juni 1841. N. Hertzberg, Ritter, Probst und. Oberpfarrer. Verlag von C» L. Fritz sch e. Druck von I. H. N.agel.

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