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Der Orient · 1841-11-13 · Heft 46 (13.11.1841) · p. Seite 291

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 46 (13.11.1841)
Article
Ein paar Worte über die Israeliten
Date
1841-11-13
Page
Seite 291 (sequence 2)
Language
German
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- 291 — war es jedoch nie zuwider. Als neulich angekommener llus, d. i. Depositums zum ersten Examen, ward ich gleich in Gassen und Straßen von den sogenannten Schacherjuden angesprochen, die vorzüglich abgenutzte Kleider kauften urd verkauften — ich ließ mich nur ein einziges Mal in einen soichen Schacherhandel mit einem Juden ein, denn ich fürchtete, von ihnen vetrogeu zu werden. Kurz, ein alter Jude 'kam eines Tages zu mir auf's Zimmer und fragte nach „alte Kleider?" Ich nahm ein grobes aber neues Hemd hervor, das mir meine neue Stndcntenhaut zu reiben schien. Der Jude kaufte es, nachdem ich dem alten Mann mit vielen Stichel-Wörtern und Reden scharf zugesetzt hatte, — er schwtzg und fragte zuletzt, ob es mir, einem Christen, anstehe, sich solcher Redensarten gegen einen unglücklichen, armen, allen Juden zu bedienen? Er las mir den Leviten so, daß ich mich von Kopf bis Fuß schämte und heilig versprach, was ich auch gehalten, nie wieder eines Juden zu spotten; dieses Sturzbad wirkte wohtthätig auf den Geist des Knaben. — Aber zur Sache: so wie der alte Jude mich weckte, so habe ich im Laufe der vergangenen Jahre, vorzüglich in dem letztverflossenen, meinen irmern Sinn mit Aufmerksamkeit auf des Allmächtigen Führung der Juden gekehrt; — habe gesehen, wie dieses Volk nun m dem zuletzt verschwundenen halben Jahrhundert bei den meisten civilisirten Bewohnern Europas emancipirt, und ihnen das Bürgerrecht in den Landern eingeräumt wird. Großer Gott: lvas hat dieses Volk beinahe 2000 Jahre für Plagen erleiden müssen, und dies sogar von den sogenannten Christen, tu deren Ländern sie gewohnt. Ich schaudere beim Gedanken an die Qualen, welche die Christen diesem Volke angethan: ja es scheint beinahe, als habe die Vorsehung gleichsam dieses Volk vor allen anderen Völkerschaften der Erde ausgezeichnet, um die Wahrheit der Worte zu bestätigen: „irret nicht, Gott läßt seiner nicht spotten." Doch die Israeliten waren, wie gesagt, nicht unmoralischer als die Völker, unter denen sie lebten. Der Knoten ist im Ganzen wohl in den folgenden Jahrhunderten unlösbar, ja seine Lösung ist vielleicht dem Erdenleben vorenthalten. Viele werden hierauf antworten: die Juden waren ein unbegreiflich widerspenstiges Volk; je mehr Jehova daran arbeitete, das Geschlecht zu moralisiren, desto mehr verhärteten sie sich gegen seinen Willen. Es heißt ja im Buche der Chronik: „das Volk bot Jehova.. so sehr Trotz, daß keine Arzenei mehr vorhanden war." Kurz, dieses Volk verharrte in der Gottlosigkeit, obschon es fest an den Haupt-Edelstein hielt: an einen einzigen Gott. Konnte nun wohl Gott der Herr etwas Anderes thun, als das Strafgericht vollziehen zu lassen; es haben also die Christen ein Recht, dieses Volk zu peinigen und zu plagen. Das ist aber die große Frage, ob wir Christen im Allgemeinen unserm Religionsstifter mehr Glauben beigemessen und Gehorsanr bewiesen haben, als die Juden ihrem Moses und ihren Propheten. Wer das glaubt, der mag immerhin auf die Juden Steine werfen. Nein, Bruder, du irrest sehr durch eine solche Vorstellungswelse; — wer gab dir wohl das Recht, dich zum Racher für den ewigen Allwalter auszuwerfen, weise sie auf diese deine Vollmacht vom Schöpfer der Welt! vielmehr mußt du den ganzen Geist des Lirbesgesctzes unseres Jesu in deine Erinnerung zurückrufen, als sie die Pflöcke durch seine Hände und Fußsohlen in das Holz des Kreuzes trieben, wie lautete wohl so die Bitte an seinen Vater? er bat vielleicht um Rache und Verwünschung über diese Peiniger? Ach nein! Ach nein! „Vater," so rief er, „verzeihe ihnen, sie wissen nicht, was sie thun." Die Worte Jesu sind aber an dich gerichtet: „gehe du hin und thue dassel.be." — (O! wie vielem Uebel ist nicht durch diese ewig gesegneten Worte vorgebeugt worden!) Sieh! das ist deine Pflicht, aber durchaus nicht, daß du den Juden peinigst und dich damit entschuldigest, du folgtest nur dem Willen des Allwaltenden, den du im Gange der Begebenheiten hier auf Erden zu sehen wähnst. Der Plagen will er nicht, er läßt sie aber zu, und das Ende soll das Werk krönen. O! laßt uns an das goldene Decret unseres Jesu denken: „es werde eine Heerde und ein Hort;" -- mögen auch immerhin die Schaafe, Christen und Nichtchristen, einen herben Schmerz empfinden, während die Wolle geschoren wird. Es ist ein trauriger Gedanke, daß der eine Bruder die Geißel in der Hand des Rächers sein muß, um den andern Bruder zu peitschen, bei weitem trauriger ist es aber, daß es Menschen giebt, die eine teuflische Freude daran finden, ihre Mitmenschen zu plagen und zu peinigen. Daß andere Völkerschaften eben so unmoralisch als die Juden gewesen sind, kann wohl nicht in Abrede gestellt werden, eine unläugbare Thatsache ist es aber auch, daß die Juden durch ihr Grundgesetz von uralten Zeiten eine bessere Kenntniß vom Bösen und Guten und einen stärkern Sporn zur Moralität hatten, als alle um sie her wohnenden Völker; das Grundgesetz von einem einzigen Gott und die daraus folgende Offenbarung von einer ewigen weisen Vorsehung über jede einzelne Kreatur und Begebenheit, ging zuerst von den Juden aus. Es bleibt daher ein Knoten, der nur in dem künftigen Leben zu lösen ist, wenn, wie geschrieben steht: der Sohn die Verwaltung des Reichs dem Vater zu Füßen legt und gleichsam spricht: sieh hier, Vater, hast du es, ich habe deinen Willen auf Erden vollzogen, nun regiere du in aller Ewigkeiten Ewigkeit, denn du bist Drei in Einem: allmächtig, allweift, allgütig. Ich sehe mich gezwungen, die Rüge zu erkennen, wie bedauernswerth es auch sei, daß zum Truge und Wucher und der sonstigen Uebervortheilung in Handel und.Verkehr, welche die Juden gegen die Völker begehen sollen, mit denen sie zusammenleben, und welche sie sich gewiß haben, und zum Theil noch zu Schulden kommen lassen — zu diesem Mißgeschick sind sie gewissermaßen von den Völkern, Christen oder Nichtchristen, getrieben worden; denn was war ihnen zu thun übrig? In den meisten Ländern waren sie ja bisher nach dem lateinischen Ausdrucke: ad aqua et igne, 'd. h. vom Wasser und Feuer, verbannt, ja sogar vom Einathmen der Lust, wäre es nur möglich gewesen, ohne sie zu leben. So war es also der Schacher oder das Trödeln, das allen den Juden übrig blieb, deren Lage cs mit sich führte, daß sie sich weder als Handwerker, noch von der mehr einbringenden Kaufmannschaft ernähren konnten. Ich erinnere mich, daß meine Großmutter mir erzählte, daß der Großvater, während er in den Jahren 1698 — 99 auf der Universität Kopenhagens studirte, einen Rabbiner zum Lehrer in der hebräischen Sprache hatte, und daß viele Studirenden derselben Sitte folgten; sieh, das war wohl ein Erwerbzweig, aber nur für einige Wenige, und zwar für gelehrte Juden. Es scheint mir aber, als habe unser Jesus gleichsam gewußt, was in den künftigen Secten geschehen würde; daher gab er uns das Gleichniß von dem ungerechten Haushalter, der bei sich selbst sprach: was soll ich nun thun, da mein Herr das Amt von mir nimmt ro. — Da sogar das Betteln dem Juden untersagt war, so griff er denn zum Trödeln und Schacher. Ich kann, wie gesagt, nicht unterlassen, mich im Geiste zu freuen, wenn ich daran denke, wie der wahre Messias der Juden jetzt auf der Reift zu ihnen ist, indem diesem Volke das Bürgerrecht unter uns Christen eingeräumt wird. Wenn ich

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