Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1841)
- Article
- Dresden: klare Schilderung der Gemeindezustände ...
- Date
- 1841-11-13
- Page
- Seite 290 (sequence 4)
- Language
- German
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290 der rabbinischen Schriften zu gewöhnen, damit sie dieselben schätzen und, so oft es ihre künftige Bestimmung erlaubt, selbst studiren und sich nicht Sand in die Augen streuen lassen mögen. Eben so werden sie im Schulchan Aruch, (hebr. Kompendium über die Ritualgesetze) soweit die Kenntniß desselben dem Nichttheologen zukommt, unterrichtet. Sie erhalten Unterricht in Moral, Geschichte der Juden, biblische Geographie rc. :c. — Ein so gründlicher Religionsunterricht erfordert viel Zeit, und kann nur in einer besonderen Schulanstalt, welche bei weiser Oekonomie ihm, ohne Nachtheil der übrigen Lehrgegenstände, die nothwendige Zeit gönnen kann, möglich gemacht werden. Ueber die tüchtige Leistung unserer israelitischen Schulanstalt, in religiösem, wie in sonstigem wissenschaftlichen Unterrichte, hat die öffentliche Stimme entschieden und bedarf es keines Lobredners. Eine Nebenanstalt fürReligionsunterricht könnt ein den wenigen Stunden, die ihr gnädig als Brosamen von den christlichen Bildungsanstalten zusielen, nicht einmal das Nothdürstigste leisten. Man befrage doch die sehr wenigen Gemeinden, denen es nicht, wie uns, vergönnt ist, eine eigene wohlorganisirte Schule zu besitzen, über den Erfolg ihrer Nebenreligionsschulen. Man erkennt überall die Früchte eines solchen halben Verfahrens. Mit Opfern werden überall israelitische Schulen begründet, während man uns hier ansi'nnt, einer unter Mühen und Dornen zur schönen Blüthe sich entfaltenden Anstalt, die Pflege zu entziehen, eine der schönsten Blumen, von wahrhaft religiöser Begeisterung in dem Weinberge Gottes gepflanzt, stumpfsinnig dahin welken zu lassen, und den Kindern, die sich an ihr laben, von ihrer Lebenskraft sich nähren, für dieselbe einen sarb- und kraftlosen Schein zu geben, so daß der hochverdiente Begründer dieser Anstalt am Ende mit Jesaja ausrusen müßte: ich hoffte aus Trauben und siehe da, Heerlinge! — Nicht minder nöthig und ersprießlich ist die israelitische Schulanstalt als eine Grundlage der Intelligenz unserer sich bildenden künftigen Gemeinde. Von außen her, wie von uns selbst ergeht jetzt die dringende Mahnung, uns geistig immer mehr zu heben. Unser inneres Wohl, wie die Erwartung einer endlichen Emancipation machen dies zur Bedingung. Nun besuchen aber an 30 arme Kinder die israelitische Schulanstalt (unter welchen sehr fähige) und genießen mit den Bemittelten gleichen Unterricht, wie man ihn von einer wohl organisirten Bürgerschule erwarten kann. Diese Kinder bilden einst einen ansehnlichen Theil der Gemeinde, und ihre gründliche oder vernachlässigte Bildung, wird von nicht geringem vorlheilhasten oder nachtheiligen Einfluß auf dieselbe sein. (Beschluß folgt.) Licht- NNd Schattenbilder aus der jüvjschcn Geschichte der Gegenwart. Gin paar Worte über die Israeliten. (Constitutionelle vom 6. Aug. d. I.) (Schluß.) Ich grämte mich fürwahr, als ich zuerst diese Worte las. Nur kürzlich will ich hier berühren, wie es mit den vielen aufgeklärten und edelgesinnten Mitgliedern derReichsversammlung 1814 gegangen sein muß. Alle hatten sie von Kind auf mit der Muttermilch einen gewissen Abscheu gegen die Juden eingesogen; die aufgeklärtesten Mitglieder der Reichsverfammlung ließen sich von der Stimme dieser Erbsünde Hinreißen, und es blieb ihnen nur wenig Zeit übrig, den Einwänden einiger Wenigen gegen dieses Interdict ihre Aufmerksamkeit zu widmen. — Ach ja! es ging hier mit den Juden wie mit ihrem ewig erhabenen Landsmanne: ,,sie sprachen Alle das Verdammungsurtheil über ihn aus, daß er den Tod verdient habe." Es ist meinem Herzen ein Drangr hier so kurz als möglich zu erzählen, wie ich in meinem I8ten Jahre, als ich 1788 nach Kopenhagen kam, um mich dem ersten Examen als Student zu unterwerfen, aus meinem gegen die Juden gehegten Vorurtheile geweckt wurde, und zwar von einem alten Juden. Wie so mancher leichtsinnige Jüngling brachte ich eine gewisse Verachtung für den Juden mit, ich hatte sie leider mit der Muttermilch eingesogen; denn vom Knabenalter an halte ich gehört, daß die Juden nicht in Norwegen wohnen dürsten, weil sie dann die Silberbergwerke Kongsbcrgs verschlingen und alles Silber aus dem Laude führen würden, gerade als ob sie das Silber von den Gruden scharren könnten, so wie der heißhungrige Tiger den Brei aus' den Töpfen kratzt, und gleichsam, als könnten die Normänner nicht selbst das Silber aus dem Lande führen, u. s. w. — Meine Kameraden luden mich ein, ihnen nach der sogenannten Lederstraße in Kopenhagen zu folgen, wo die meisten Juden wohnten, um —- wie sie sich ausdrückten — die jüdischen Zratzengesichter kennen zu lernen. Gewiß liegt etwas Unerklärbares im Gesichte eines Juden; mir