Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1841)
- Article
- Konstantinopel: das Judenquartier ...
- Date
- 1841-11-13
- Page
- Seite 286 (sequence 2)
- Language
- German
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286 falten allerdings eine gewisse Pracht, jedoch blos in ihren Wohnungen. In den von den armem Klaffen bewohnten Gassen erblicke man aber blos schmutzige Häuser und in Lumpen gekleidete, unsaubere Menschen, daher auch den Juden hauptsächlich die Einschleppung der Pest zum Vorwurf gemacht wird. Von den Türken werden sie zwar streng behandelt, im Allgemeinen aber blos durch hohe Besteuerung gedrückt, daher sie in Konstantinopel zum Theil viel besser daran sind, als in man- ' chem christlichen Lande, darum aber nicht weniger glauben, sich in einer babylonischen'Gefangenschaft zu befinden, und ihre Hoffnungen auf die Rückkehr nach Jerusalem richten zu müssen. Was die Vorstadt C hassköi anlangt, so zerfallt diese in die untere am Meere und die obere auf der Anhöhe, wo sich auch der Begrabnißplatz für alle in Konstantinopel und in den Ortschaften am Bosporus wohnenden Juden befindet. Dieser unterscheidet sich sehr unvortheilhast von den Grabstätten der Mohammedaner, welche von riesigen Eyprcssen beschattet sind, wahrend hier blos ein mächtiger Steinblock ohne Zierart und Inschrift jedes Grab deckt, was dieser, von allen hochgelegenen Punkten der gegenüberliegenden Stadt sichtbaren Anhöhe, ein sehr eigenthümliches Ansehen giebt." Deutschland. d 3. Novbr. So eben ist hier eine kleine Broschüre erschienen, betitelt: Abraham Basch's Leben, nebst Probe seiner Dichtungen. Zur Erinnerung für seine Collegen, Freunde und Schüler. Zum Besten seiner Wittwe herausgegeben von Dr. L. Weyl und H. Jotowicz. Obgleich schon der so edle Zweck, die hinterlassene Wittwe und die Waisen zu unterstützen, die größtmöglichste Verbreitung dieses Schriftchens wünschenswerth macht, so kann eine Mittheilung daraus über das Leben Abr. Basch's noch den besondern Nutzen haben, die Theilnahme des gelehrten Publikums auf den sehr wichtigen literarischen Nachlaß zu lenken. *) Indem wir hier aus das Schriftchen selbst aufmerksam machen, ziehen wir dasjenige aus,, was über das Leben des Hingeschiedenen gesagt ist. „Abraham Basch, der erstgeborne Sohn des 1836 zu Landsberg an der Warthe verstorbenen Rabbinats-Assessors Samuel Basch, war am 17. Juli 1800 zu Posen geboren. Schon in seinem zarten Alter zeigte er einen so klaren Verstand und eine so richtige Bmrtheilungskraft, daß der Vater sich mit der Hoffnung schmeichelte, es werde einst ein sehr tüchtiger Talmudist aus ihm werden. Zu dieser Hoff- *) Der Verstorbene war auch ein würdiger Mitarbeiter an diesem Blatte, und so glaubt die Redaction noch vorzüglich die Verpflichtung zu haben, über den großen Verlust des Hingeschiedonen refertten zu lassen. Red. nung berechtigte ihn der außerordentliche Fleiß des Knaben, der bereits in seinem 12. Jahre die Bibel ln der Ursprache und die wichtigsten Abschnitte des Talmuds zu lesen verstand. Nicht wenig stolz war der Vater auf seinen Sohn, der in seinem 12. Jahre zu der Ehre gelangt war, bei dem Vürgermeistec zu Landsberg als Schreiber zu ftrngiren. Nach zurückgelegtem 13. Jahre waren seine talmudischen Kenntnisse so bedeutend geworden, daß der Vater es für rathsam hielt, ihn auf die Jeschiba (talmudisches Semmarium) nach Prmzlau zu schicken, wo der damalige Rabbiner Joseph Alba als lumen in der talmudischen Welt glänzte. Von jener Zeit an unterhielt Basch einen ununterbrochenen Briefwechsel mit seinem biedern Vater, und zwar in hebräischer Sprache. Aus dieser voluminösen Correspondenz ließe sich eine Ethik nach talmudischen Prinzipien zusammenstellen. Schon damals neigte sich Basch's Temperament zur Schwärmerei, und die drückende Lage, in welcher sich der Jüngling hier befand, übertrug auch den Briefen an seinen Vater eine gewisse Melancholie, die mit der kräftigen Sprache des alten Herrn und seinem echt patriarchalischen Vertrauen aus eine bessere Zukunst, einen rührenden Contrast bildete. Schon in seinem väterlichen Hause hatte Basch der Nacht einige Stunden zur Erlernung der Elemente der deutschen Wissenschaften abgewonnen; jetzt konnte er schon ungestörter und offener sich den Studien widmen, ohne sich dadurch bei seinem orthodoxen Lehrer zu verdächtigen, da seine talmudischen Kenntnisse bewiesen, daß er dieses Studium nichts weniger als vernachlässigte. Was Andere erst nach vielen Jahren sich anzueignen wußten, lernte er in der kürzesten Zeit; sein deutscher Styl wurde correct und fließend, er las die französischen und einige leichtere lateinische Autoren mit Fertigkeit, und auch seine geographischen und geschichtlichen Kenntnisse blieben nicht hinter den übrigen zurück. Im Jahre 1817 kam er nach Berlin, mit sich selbst uneinig, ob er aus dem bisherigen Wege, den Talmud zu seinem Hauptstudium zu machen, foctfahren, oder sich einem andern Studium widmen solle. In Bendavid hatte er einen belehrenden Freund gefunden, der ihn in das Heiligthum der Wissenschaften einführte. Mit solchen Kenntnissen ausgerüstet, batte er leicht Substdien, um zur Universität zu gelangen, finden können. Vergebens versuchte er durch selbst erworbene Mittel dieses zu erreichen; ein edler Stolz hielt ihn davon ab, Unterstützung anzunehmen. Sein Geist, seine Kenntnisse sollten das Kapital sein, von welchem er seinen Unterhalt sich verschaffen wollte. Aber es fehlte ihm die praktische Lebenskenntniß, um daraus nur einigen Vortheil zu ziehen. Auf einem Dachstübchen in der Rosenstraße wohnend, lebte er nur seinen Büchern, und übte einmal der allgewaltige Tyrann, der Hunger, seine Gewalt ans, so wußte er sich mit seiner zierlichen Hand-