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Der Orient · 1841-11-06 · 45 (6.11.1841) · p. Spalte 697-698

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
45 (6.11.1841)
Article
Die Beschneidung bei den Israeliten
Date
1841-11-06
Page
Spalte 697-698 (sequence 2)
Language
German
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697 Dr. Bergsohn. Die Beschneidung in historischer, kritischer und wedicinischer Hinsicht. 698 und Beschreibung des ' Passahfestes (5 B. M. 6. 16, 1—8) der Fall ist, während bei derselben Veranlassung früher (2 B/M. c. 12, 15 — 27 und 43 — 48) die Beschneidung ausführlich angegeben wurde. Erst zur Zeit der Besitznahme und Eroberung des Landes Kanaan durch die Israeliten unter Josua, und zwar gleich nach dem Durchzug durch den Jordan und unmittelbar vor der Eroberung von Jericho, wird wiederum der Beschneidung gedacht. Die Stelle hierzu findet sich in Josua 6. 5, V. 2—8. Es heißt daselbst, daß Josua auf Befehl des Herrn sich steinerne Messer machte und die Kinder Israel zum zweiten Male beschnitt auf dem Hügel Aralot und als Grund hiervon wird angeführt, daß alles Volk, das aus Egypten unter Moses Anführung auszog, beschnitten gewesen sei, alles Volk aber, das auf dem vierzigjährigen Zuge durch die Wüsten des steinigen Arabiens geboren wurde, nicht beschnitten worden sei. Bis dahin aber waren alle diejenigen von den Kindern Israel, die der Stimme des Herrn nicht gehorcht hatten, auf dem Wege in der Wüste umgekommen, so daß Josua jetzt eine neue Generation vor sich hatte, mit der er das gelobte Land erobern sollte. Um sie zu diesem für das Dasein der israelitischen Nation so wichtigen Werke gleichsam einzuweihen, wird die Beschneidung an den sammtlichen Kriegern vorgenommen. Hierbei wird jener merkwürdige Spruch des Herrn vorgetragen, in welchem es lautet : Heute habe ich die Schande Egyptens von Euch gewendet (Josua S, 9). Es ist nicht uninteressant, diesen hiernach der erneuerten allgemeinen Beschneidung sich findenden Satz im Zusammenhänge mit den oben citirten Stellen der Söhne Jakobs zu betrachten, wo diese Urenkel des Patriarchen Abrahams vom Nichtbeschnittensein als von einem Zustande reden, der etwas Schimpfliches in sich schließen sollte. Die Beschneidung galt also» schon damals als ein besonderer Vorzug, der gewisse Stämme vor den andern als charakteristisches Merkmal auszeichnete, eben so wie ihre Unterlassung als eine Schande, die den ganzen Stamm sowohl als auch das Individuum traf, angesehen wurde. Man muß sich wohl hüten, bei diesen historischen Angaben an irgend einen religiösen Hintergrund zu denken, vielmehr erscheinen alle diese Stellen dem unbefangenen Blicke als etwas rein Rationelles von Religionsgebrauchen noch Unabhängiges, und mit Cultusbeziehungen in durchaus keiner Verbindung Stehendes. — In dieser Ansicht werden wir durch folgende Stelle noch bestärkt, die wir im ersten Buche Samuelis c. 18, V. 25 finden. Der aus den Heldenruhm Davids eifersüchrige König Saul erfährt, daß seine Tochter Michal den David liebe, und daß letzterer ebenfalls wünschte, sein Schwiegersohn zu werden. Diesen Umstand benutzt der schlaue König, um den David, dessen kühne Kriegsthaten gegen die Philistaer ihm bekannt waren, ins Wunderbare zu stürzen. Er laßt ihm seine Tochter Michal antragm und stellt heimlich als Bedingung, daß David hundert Vorhäute der Philistäer ihm als Morgengabe bringen soll. Hierdurch glaubte er, würde David in die Hände der Philistaer gerathen und sein Ende bei ihnen finden. Denn er gedachte (1 B. Samuel 18, 12): Meine Hand soll nicht an ihm sein, sondern die Hand der Philistaer. — Doch Davld schlug zweihundert Philistaer und brachte ihre Vorhäute. Obgleich nun aus dieser Geschichte blos so viel hervorgeht, daß die Philistäer unbeschnitten waren, so können wir doch den hier scharf bezeichneten rein nationellen Unterschied zwischen ihnen und den Israeliten deutlich erkennen, der eben nur in der Beschneidung bestand. I e r e m i a. Wir verlassen nunmehr das weite Gebiet des Pentateuchs und der eigentlich historischen Bücher des alten Testaments und gelangen zuvörderst zu den Propheten, aus denen wir die aus den Veschneidungsgebrauch sich beziehenden Stellen zunächst hier aufzusühren haben. Die Anzahl derselben ist jedoch nur sehr gering, obgleich von hochwichtigem Wert he für unfern Gegenstand. Sie finden sich in den beiden Propheten Jeremia und Ezechiel. Im ersteren (Jerem. cap. 9, v. 24, 25) finden wir folgende Worte, die er am Schlüsse einer seiner vielen so höchst sentimentalen und weinerlichen Strafpredigten, welche er über die Sünden des Volkes in Bosheit, Untreue, Frechheit und Falschheit und über die deshalb ihm bevorstehenden und angedrohten Strafen durch Verheerung, Zerstreuung und Vernichtung zu halten sich veranlaßt findet^ ausrust: Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, daß ich heimsuchen werde Alle, die Beschnittenen mit den Unbeschnittenen; nämlich Egypten, Juda, Edom, die Kinder Ammon, Moab und Alle, die in dm Orten der Wüste wohnen. Denn alle Heiden haben unbeschnittene Vorhaut; aber das ganze Haus Israel hat ein rmbeschnitte.n Herz. — So lautet die Stelle nach der deutschen Uebersttzung der Bibel von Dr. Martin Luther, und der einfache, leicht verständliche Sinn derselben scheint bei unbefangener Anschauung kein anderer sein zu können, als der, daß der Herr eine Verheerung zu bringen beabsichtigt über eine doppelte Reihe von Völkerschaften, sowohl über diejenigen, welche beschnitten, als auch über diejenigen, welche unbeschnitten sind. Nach diesem eigenthümlichen Einteilungsprinzip zerfallen alle Völker dem Propheten in die zwei scharf von einander gesonderten Kategorieen der genannten Act. Um aber die gegen Israel verhängte Strafe Gottes gleichsam zu rechtfertigen, daß Gott über das durch das Beschneidungsbündniß ihm besonders geheiligte Haus Israel ebenso gut eine Verheerung bringen will, als über die andern unbeschnittenen Völker, setzt der Prophet jene oft vorkommende Metapher mit dem Worte (Vorhaut des Herzens) hinzu, wie

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