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Der Orient · 1841-11-06 · Heft 45 (6.11.1841) · p. Seite 284

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 45 (6.11.1841)
Article
Gesetzentwurf über die jüdischen Verhältnisse in Hildburghausen
Date
1841-11-06
Page
Seite 284 (sequence 2)
Language
German
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284 nicht vertheuert wird und Unternehmungen dieser Art über. Haupt eine Begünstigung verdienen. Zu Art. 26. Es wäre vielleicht möglich, daß die Beschränkungen, Art. 24 einen Bestimmuugsgrund für die Juden abgeben konnten, sich weniger der Landwirtschaft, als den Gewerben, den Künsten und Wissenschaften zuzuwenden, was nicht in der Absicht des Gouvernements Liegen kann. In Rücksicht deffen, schien es daher rathsam, jene Maßregel nur als ein Lransitorium hinzustellen und es dem Ermessen der Regierung zu überlassen, inwiefern sie nach Ablauf der hier angenommenen Frist von 10 Jahren noch ferner Gebrauch hiervon machen will oder nicht. Zu Art. 27. Die in dem Alr-Memmgischen Patente vom 5.. Januar 1811 (§. 2) enthaltene Bestimmung, daß von jeder Iudenfcrmilie in der Regel wenigstens ein Sohn die Familie durch Heirath fortsetzen dürfe, ist ihrem Geiste und Wesen nach, nur als ein Lransitorium anzusehen. Dcrs Hildburghäusische Edict (vom 11. Mai 1814) schließt die s. g. Schutzjuden gleich von vorne herein von dem Rechte der Verehelichung aus, und gestattet diese blos den jüdischen Staatsbürgern» Da die Juden wegen eines 30jahrigen Zeitraums seit dem Erscheinen jenes Gesetzes hinlänglich Zeit haben, sich als Staatsbürger zu habilitiren und wenn sie dies unterlassen haben, die Schuld hiervon lediglich auf sie selbst zurückfällt, so war es unbedenklich, der Vorschrift des zuletzt bemerkten Gesetzes eine allgemeine Geltung zu verschaffen. Zu Art. 29. Die Lehren des mosaischen Gesetzes über die Erbfolge, die Vermögensverhältnisse und das Vormundschaft - wesen der Juden, wie sie in der Mischna und dem Talmud und dem Schulchan Aruch aufgestellt und erläutert sind, weichen von den gemeinrechtlichen Bestimmungen über diesen Gegenstand mehrfach ab, und es entstehen hierdurch oft Verlegenheiten bei den Gerichten, nach welchen Normen sie in zweifelhaften Fällen entscheiden sollen. Da den Juden in dieser Hinsicht keine eigene Autonomie zugestanden werden kann, besonders bei ihrer Unterordnung unter die christlichen Communalverbände; so durfte diese Gelegenheit nicht übergangen werden, um die Autorität der allgemeinen Laudesgesetze für diese Falle außer Zweifel zu stellen. Ein paar Worte über die Israeliten. (Constitutionelle vom 6. Aug. d. I.) Blind am Körper, , am Rande des Grabes, in meinem 82. Jahre, mit beiden Füßen fast seinem Boden nahe, oft vom Dämon des Mmuths ergriffen, aber, Gott sei gepriesen! nicht von der Furie der Verzweiflung, horche ich oft auf das, was mir über den Gang der Sachen sowohl im Inals Auslande erzählt und vorgeleftn wird; es bestätigt sich hiedurch mein alter Glaube, daß Alles auf dem ganzen Erdkreise sich dem Vollkommneren und Besseren nähere; mag das Fortschreiten immerhin dem Hinaufkriechen der Schnecke auf das Blatt der Pflanze gleich sein, sie schreitet doch hinauf. — In gewissen Landern erlischt das gezündete Licht, aber so zündet es wieder in anderen Ländern, wo es früher durchaus dunkel war. Die Aufklärung hat sowohl in göttlichen als menschlichen Dingen dem Gange der Sonne gefolgt und scheint ihm zufolgen, Verlag von E. L. Frrtzsche« — In Osten brach der Tag an, und der Glanz verbreitete sich gegen Westen in allen seinen Nuancen. Sonnenstrahlen wechseln mit den finsteren Wolken, nur Eins erscheint beständig, und das ist: Unbeständigkeit. Das alte Bibelbuch hat doch Recht, wenn es daselbst heißt: „so lange auch die Erde dauert — Säet und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht sollen nicht aufhören." Laß mich aber aufhören, ein Mehrercs hierüber zu schreiben, es wäre ja gleichsam, als wollte ich den Eingang zu einer Predigt hinschreiben, und dies ist ja nicht meine Absicht mit dem, was ich zu sagen habe. Unter meinen Altersgenossen war ich gewissermaßen Noah, ich lebte vor und nach einer wirklichen Sündfluth im Reiche der Wissenschaft und Kunst; ich lebte vor der französischm Revolution und überlebte sie-- man decretirte: es giebt keinen Gott. Das Decret ward als eine Sternschnuppe gesehen; Robespierre kam, decretirte wieder anders. Es scheint, als ob dieses Wiederanders seine Wirkung verspüren laßt, obgleich derjenige, welcher dieses Raket warf, schnell als ein Irrlicht verschwand. — Doch zur Genüge. Ich muß meinen Faden weiter spinnen, oder, ob man so will, mein Spinnengewebe fertig weben; ich möchte vielleicht irgend eine gutmüthige Fliege damit fangen. Wohl scheint es mir bisweilen, daß es in meinem geliebten Vaterlande mit gewissen Dingen ziemlich langsam zugehe, und daß Verschiedenes kürzer gefaßt, und das Ziel dennoch erreicht werden könnte; es fällt mir aber ein: „ein Tag ist dem Herrn wie 1000 Jahre 2c. Jenem festina. lente möchte vielleicht bei den wichtigsten Angelegenheiten das Rathsamste sein zu folgen; es giebt jedoch Dinge, von denen es heißt: hier ist pvmeulum in mora; und mit dem Verschube ist Gefahr verknüpft, wenn sie auch nicht in allen Fällen in gleichem Maaße vorhanden ist. So verhält es sich auch, meiner Meinung nach, mit der zögernden Verfahrungsweise, die Proportion zu bearbeiten, die von einem oder mehreren verehrungswürdigen Mitbürgern dem Storthing eingereicht sein soll, und die darauf anträgt, die Worte aus unserm guten Grundgesetze zn streichen: „den Juden ist ferner alle Zulassung in's Reich untersagt." Es verhält sich mit diesen ganz anders in der bürgerlichen Gesellschaft als mitIesuiten und Mönchen; die letzteren sollen meistens dem Geiste geschadet haben, die Inden hingegen nur dem Beutel. Ich will hier nichts Weiteres von dem Flecken sprechen, beinahe hätte ich Schandflecken gesagt, der, aus diesem Gesetze gefolgert, uns Norwegern rücksichtlich des Verstandes und Herzens zugeschrr'eben werden kann. Es kommt mir ganz sonderbar vor, daß man mir nichts aus den verschiedenen liberalen Blättern im In- und Auslande über diese unkosmopolitr-, schen Worte unseres Grundgesetzes vorgelesen har. (Beschluß folgt.) Personalchronik «nd Miseellen. Auszeichnung, Die Prager Zeitung v. 24. v. 91 bringt folgende Mittheilung, die wohl ein Interesse haben dürste, weil sie eine, einem Arzte jüdischen Glaubens gewordene Auszeichnung betrifft: „Se. k. k. Majestät geruhten dem in Teplitz praktizirenden Arzte, Dr. Gottfried Sch melk es für dessen in die allerhöchste Privatbibliothek aufgenommenen Werk: „Teplitz und seine Mineralquellen" als Zeichen des allerhöchsten Wohlgefallens eine goldene Tabatiere zu verleihen, die mit einer schmeichelhaften Zuschrift Sr. Excellcnz des Hrn. Oberstkämmerer Hrn. Grafen von Czernin zugeschickt wurde. Druck von Z. H. Nagel.

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