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Der Orient · 1841-10-16 · 42 (16.10.1841) · p. Spalte 653-654

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
42 (16.10.1841)
Article
Beiträge zur Geschichte der Juden im Mittelalter
Date
1841-10-16
Page
Spalte 653-654 (sequence 3)
Language
German
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653 Beiträge z. Geschichte d. Juden i. Mittelatler v. P. I. Die Judenverfolgungen 1096. 654 Von den Haufen, die wir in Gesellschaft des wüthenden Emicho in Mainz verlassen haben, zog ein Theil noch weiter hinauf nach Worms"), wo die Juden in der Angst über das nähende Verderben wieder keine andere Rettung sahen, als sich dem Bischof zu Füßen zu werfen. Doch dieser empfing sie wie der zu Trier und hatte Lust, wie jener, die ganze Schaar mit einem Schlage zu Christen zu machen, indem er sie nur unter dieser Bedingung schützen wollte. Aber der Versuch nahm hier eine andere Wendung. Die Juden forderten ein Zimmer und Zeit zur Ucberlegung; beides wurde ihnen gestattet. Die draußen aus die Antwort wartenden Christen wurden von Neugier und Ungeduld gepeinigt und als sie endlich von außen das Zimmer öffneten, hatten die Juden bereits ihren Entschluß gefaßt und ausgesührt — sie hatten sich gegenseitig ermordet25) — keiner lebte mehr. Nun gings weiter nach S p e i e r ~6).' Hier fanden die Juden an ihrem eigenen Muthe wie an der Hülfe des Bischofs Johannes doppelten und doch vergeblichen Beistand. Sie eilten nach dem königlichen Palast und nach dem des Bischofs und verteidigten sich, doch die Ueberzahl der Feinde trug den Sieg davon und es war umsonst, daß der Bischof nach der That einige von den christlichen Uebelthätern hinrichten ließ"). Unterdessen waren die übrigen Haufen von Mainz aufgebcochen, um den Main aufwärts durch Franken") und sodann durch Böhmen sich einen Weg nach Ungarn zu suchen, überall die Juden verfolgend, ermordend, plündernd-9). So waren sie nach Böhmen gekommen und setzten da ihr Handwerk fort; wer Christ wurde, kam mit dem Leben davon, wer sich weigerte, wurde getödtet30). Vergebens war es, daß der Bischof Cosmas von Prag ihnen das Schändliche dieses Verfahrens vorstellte, da er seine Worte durch keine militärische Macht unterstützen konnte; denn der Herzog Brzecislaus 11. von Böhmen war eben mit seinem Heere in Polen beschäftigt. - Auf gleiche Weise, unter gleichen Gräuelthaten waren die übrigen Kreuzfahrer, an die sich Emicho angeschlossen, die Donau") hinabgegangen durch Baiern bis nach Ungarn gekommen, wo sie aber vernichtet und zerstreut wurden, so daß ein Theil durch Kärnchen und Italien nach Apulien sich begab, von wo aus er nach Griechenland zum größern Kreuzheere übersetzte; während Emicho thatenmüde ins Vaterland zurückkehrte. — Das folgende Jahr 1097 versuchte die Wunden zu heilen, die das vergangene den Juden geschlagen. Der Kaiser Heinrich IV. kehrte jetzt von Italien nach Deutschland zurück und hielt einen Reichstag zu Regens bürg, auf dem er den gewaltsam getauften Juden zum Judenthume zurückzukehren ge- 24) Bertoldi constant. ad Herrn, contr. append, u. Aimal. Sax. 25) Nostris exspectantibus quid responsuri essent, diabolo et propria sauitio per suadente se ipsos interfecerunfc. Bert. Const. 26) Bert, Const. 27) Pecunia Judaeorum condactus quosdam fecit obtruncari Christianos. Bert. Const. 28) Annal. Sax. Will. Tyr. 29) Chron. Ursperg. — Sig. Jemblac. BO) Irruerunt super Judaeos et eos invitus baptinabant» Cosm. Pragensis. 31) Annal, Sax. Will. Tyr. stattete *2). Mer Orten kehrten nun die Juden zum Glauben ihrer Väter zurück"). In Trier sielen alle Juden in diesem Jahre von Christenthume wieder ab, außer Michäas, der Christ blieb"). In Mainz, wo freilich nur wenig Juden übrig geblieben waren, geschah es ebenfalls. Im darauffolgenden Jahre 1098 kam der Kaiser dorthin und stellte sogar Untersuchungen wegen der Güter der getödteten Juden an. Die Verwandten des Bischofs wurden angeklagt. Mißbrauch mit den Schätzen getrieben zu haben und der Bischof, selbst in starkem Verdacht desselben Vergehens, entzog sich eiligst sammt seiner ganzen Familie durch die Flucht nach Thüringen einer stärkern Straft, als die Einziehung seiner Güter war, die der Kaiser sogleich vornehmen ließ"). Die Erlaubniß des Kaisers zum Judenthume'zurückkehren zu dürfen, blieb, wie sich denken läßt, nicht ohne Opposition von Seiten dev Geistlichkeit. Ja, dev von Heinrich selbst erhobene und unterstützte Gegenpapst Clemens UI. tadelt in einem Briefe an den Bischof von Bamberg diesen Schritt aufs Heftigste. ,,Man hat uns erzählt," schreibt er: „daß den getauften Juden gestattet worden sei, abzufallen. Weil dies aber ein unerhörtes und verruchtes Unterfangen") ist, so fordern wir Dich und alle unsere Brüder auf, dafür zu sorgen, daß das Sakrament der Taufe nicht zu Schanden gehe." Ungeachtet dieses Widerstandes verbreitete sich 1097 die Rückkehr zum Judenthume mit reißender Schnelligkeit bis nach Böhmen, wo jedoch die Leiden der Juden mit diesem Schritte noch keinesweges ihr Ende erreichten. Aus Furcht vor neuen Verfolgungen von Seiten der Christen entflohen viele Juden mit Hab und Gut nach Ungarn und Polen"). Nicht ohne Grund war diese Furcht, denn Judenverfolgungen gehörten in Böhmen gar nicht zu den Seltenheiten. Ein Vorgänger Przemislaus 11., Wratislaus, ließ ohne Weiteres die Juden aus Prag treiben; doch bald scheinen sie wiedergekehrt zu sein, denn bald darauf wurden die Juden in Prag gezahlt und man fand 5250, von denen man aber alle bis auf 1000 verjagte. — Kaum war nun Przemislaus 1098 aus Polen heimgekehrt und von der Flucht der Juden mit ihren Schätzen in Kenntniß gefetzt, als er einen seiner Untergebenen ") mit Soldaten 32) Judaeis, qui baptizari eoacti sunt Judaeizandi ritus concessit. Chroo. Ursp. et Ann. Sax. 33) Ad teinpus se credere sinuütantes, post a Judaismum revolvuntur. Sigeb. Gemb. iterum a christianitate recesserunt. Chron. S. Petri. Addit. ad Lamb. SehafFn. chron. Hildesh. Am gehaßigsten spricht über das ganze Ereigniß r Chron. Ursperg.: quorum (Judaeorum tarnen plurinü sicut canes ad vomitum postea retro re di eh an t. 34) Sed ut de caetero taceam, aliis Omnibus apostantibus, iste adhaerens episcopo in Fulde remansit Hist. Trev. 35) Addit. ad Lanib. Schaffn. — Chron. Ursp. — Annal. Sax. 36) Quod qnia in auditum et prorsus nefarium. Udalrici Babenb. Codex epist. CUXX. 37) Nonnulli furtim dixitias suas suetrahent partim in Poloniani partim in Pannoniam. Cosmas Prag, u. Annal. Sax, 38) Tune temporis Judaeos fecitnumerari, quorum erant quinque millia ducenti quinquaginta; et milie resenvans reliquos omnes excedere Praga jussit. Bobern iae piae Lib. 11 Treber.

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