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Der Orient · 1841-10-16 · 42 (16.10.1841) · p. Spalte 651-652

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
42 (16.10.1841)
Article
Beiträge zur Geschichte der Juden im Mittelalter
Date
1841-10-16
Page
Spalte 651-652 (sequence 2)
Language
German
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051 Beiträge z. Geschichte d. Juden i. Mittelalter v. P. I. Die Judenverfolgungen 1096. 652 tismus getrieben, sich über die Wehrlosen warfen und sie erbarmungslos hinschlachteten. Hierauf drangen sie in die Hauser der Juden, in ihre Synagogen, zerstörten, mordeten und theilten das schon herrenlose Gut. — Während dieser Gräuel war die Nacht heraufgekommen, unter deren Schutz zweihundert Juden, die so lange dem Blutbade glücklich entgangen waren, sich zu Schiffe auf dem Rheine nach zu retten hofften. Bon ihrem Vorhaben aber in Kemitniß gesetzt, Lauerten ihnen die Kreuzfahrer auf und mordeten alle; kein einziger entkam. Nach diesem glücklichen Erfolge ihres Unternehmens zogen die Haufen mit wachsender Lust an Mord und Raub Nheinaufwärts nach Mainz"). Hier wurden sie schon von Emicho, dem Grafen von Lein in gen, erwartet, der an Judenhaß, Beutegier und Mordlust die Heranziehenden womöglich noch übertraf und der, anstatt die Zügellosigkeit der Kommenden zu dampfen, sie nur bis zu wahnsinniger Wuth aufzureizen strebte"). Mit jenen vereinigt, bereitete er sich vor, die Gräuel Cölns in Mainz zu erneuen und zu überbieten. — Aber die Juden, von dem Schicksal ihrer Brüder in Cöln benachrichtigt und wohl wissend, welches Loos ihnen zugedacht wurde, eilten Schutz suchend mit ihren'Schätzen zu Rothard, dem Bischof von Mainz. Dieser nahm ihre Schätze in Empfang und wies ihnen einen geräumigen Söller ") zum Schutz gegen die Kreuzfahrer an. Doch diese waren nicht gesonnen, sich so leicht die fast gewisse Beute entwinden zu lassen; schnell zum Sturm des Söllers entschlossen, begannen sie diesen schon mit dem Frühesten des nächsten Tages, das war am 29. Mai 1096, am Tage vor dem jüdischen Wochenfeste"). Vergeblich war der schwache Widerstand der Eingeschlossenen, umsonst hat der Bischof eine christliche Bedeckung aufgestellt, die-der Juden halber kein Christenblut vergießen tt>itt16); die Feinde durchbrachen die Thüren und die Verhaßten waren nun ihrer durch den Widerstand gesteigerten Wuth völlig preisgegeben. Ohne Schonung metzelten sie Männer und Weiber, Greise und Kinder nieder und finden nur noch ihre Freude daran, vor den Augen der jammernden Mütter die Kleinen auf grausame Weise zu ermorden, indem sie ihnen mir den Schwerdtern in den Mund stachen"). Beim Anblick solchen Jammers ergreift die noch Lebenden die Verzweiflung und sie stürzen zusammen zu gegenseitigem unnatürlichem Mord. Der Sohn tobtet den Vater, die Mutter durchbohrt den Säugling 1S) an ihrer Brust, .selbst froh den Todessireich nur von Freundeshand zu empfangen. — Nur wenige entkommen; wenige gingen zum Christenthum über und die Anzahl der Ermordeten schwankt nach den verschiedenen Angaben zwischen 700 und 11) Oueenti in silentro noctis Nussiam navig. fugam inierunt. Alb. Aqu. 12) Posthac Moguntiam pervenerunt. Aib. Aqu. 13) Maleficiorum particeps et ilagitiorum in centor. Will. Tyr. 14) In spatiosissimo domus suae solaerio. Alb. Aq. 15) Orto sole. Alb. Aqu. — Ami. Saxo: ante dominicam pentecostes fer. III. Hier muß die zu suppliren sein: Pfingstsonntag, 1. Juni, das Wochenfest 30. Mai/ 16) Quia Christiani contra Christianos puguari nollont pro Judaeis. Annalista Saxo. 17) In oi'e gladii percusserunt, soll wohl heißen: gladiis Alb. Aqu. 18) Matres lactantibus gutturae ferro secabant. Alb. Aqu. 140019). Es soll schrecklich anzusehen gewesen sein, wie die Erschlagenen schaarenweis auf großen Wagen zur Stadt hinausgeschafft wurden Zu gleicher Zeit etwa^r) war mit andern Schaaren die Wuth des Judenmordes die Mosel hinausgedrungen, bis nach Trier, wo die bloße Annäherung der mörderischen Banden schon-eine solche Verzweiflung unter den Juden erweckte, daß das grausenvolle Schauspiel der Selbstermordung hier frischen Boden fand. Mit Messern erstachen die Juden ihre Kinder und Weiber füllten den Busen und die Aermel ihrer Kleider mit Steinen"), bestiegen die Brückengeländer und stürzten sich ins Wasser hinab. Die übrigen behielten doch noch Besinnung genug, um einen Schritt zu wagen, der, wenn er auch ihren Brüdern in Mainz nichts geholfen, doch sie vielleicht retten konnte. Sie begaben sich mit ihren Kindern und Gütern zu Egilbert, dem Bischof von Trier, und forderten unter Thränen der Verzweiflung seinen Beistand. Doch der Bischof redete sie also an: ,,Nun sind über euch, ihr Elenden, gekommen eure Sünden, daß ihr den Sohn Gottes verhöhnt und seine Gebärerin geschmäht. Daher eure Verzweiflung. Und bleibt ihr auch jetzt noch verstockt, so wird mit eurem Körper auch eure Seele untergehen. Und haben eure Vorfahren, die vor Jesus gelebt, nicht an seine Ankunft geglaubt? Was jene geglaubt, könnt auch ihr glauben; — gebet meiner Forderung nach und bekehrt euch und laßt euch taufen und mit dem Frieden und der Ruhe gebe ich euch eure Güter zu ungestörtem Genuß." — Hierauf trat aus der Schaar der Juden ein gelehrter, gesetzeskundiger") Mann hervor, mit Namen Mich aas und sagte: „Wohl sprichst du wahr, daß es sicherer für uns ist, Christen zu werden, als von Tag zu Tag ein solches Leben voll Schrecken zu führen. Sag' uns daher, was wir glauben müssen." Der hierüber erfreute Bischof setzte ihnen das katholische Glaubensbekenntniß auseinander und Michaas antwortete darauf: „Nun gut, taufe mich, ich will ein Christ werden". Alle übrigen anwesenden Juden stimmten, von Furcht getrieben, ein und sogleich begann die Handlung. Michäas wurde vom Bischose selbst getauft und erhielt dessen Namen, wahrend die andern von den anwesenden Geistlichen zu Christen gemacht wurden. Wir werden später sehen, wie es mit diesem Christenthume bestellt war. Jedenfalls aber waren die Trierer Juden durch diese Handlung vom Untergange gerettet 19) Alb. Aqu.: septingentos; Ami. Sax. 1XC., was 900 und nicht 91 zu lesen ist, da der Annalist diese Zahl immer so zu schreiben pflegt; (s. die Jahreszahlen bei den Ereignissen ö. 10. Jhh). Chronicon S. Petri, addit. ad Lamb. Schaffn. und Chron. Hildesh. haben nach einer Quelle.- mille et Xllll. 20) Annal. Sax. 21) Es ist schwer anzugeben, ob das Ereigniß in Trier zu gleicher Zeit, oder später oder früher als das in Mainz vorsiel; es heißt blos: La tempestate. Histor. Trevirens. Doch ist seine Stelle hier wohl richtig, da die ganze Verfolgung von Norden nach Süden ging und zumal da die in Trier jedenfalls nach bereits anderswo stattgehabten blutigen Vorgängen geschah, denn: cum eodem terrore ciritatum Trevirorum appropinquae sunt. Hist. Trev. C. LXV1. in Hist, de Lorraine I. 22) Adimpletis sinibus earum et man. lapidibus praecipitaverunt se in profundum. Hist. Tr er.. 23) Leg. doet, bist. Trev*

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