Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 42 (16.10.1841)
- Article
- Die Beschneidung bei den Israeliten
- Date
- 1841-10-16
- Page
- Spalte 641-642 (sequence 1)
- Language
- German
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des Orients. Berichte, Studien uud Kritiken für Mische Geschichte und Fiteratur M 42. Leipzig, den 16. Ocrober 1841. Abhandlung. Die Beschneidung bei den Israeliten. Vom historischen, kritischen und medicinischen Standpunkt. — Lit. Analekten. Erklärungen einiger talmudischen Stellen v. Sim. Hainöfurth, Rabb. in Steingrub. Welt und Zeit, nach Bediraschi v. S. Sternhard. Geschichte der jüd. Aerzte, eine Bemerkung v. Dr. Theod. Cohn in Danzig. — Beiträge z. Geschichte der Juden im Mittelalter v. P. I. . . . Die Judenverfolgung zu Anfang des ersten Kreuzzuges 1096. — Lit. Anzeigen. D i e Beschneidung bei den Israeliten. Vom historischen, kritischen und medicinischen Standpunkt. Umer 'den vielen und mannigfachen mosaischen Gesetzen, die wir noch heute bei den Israeliten in voller Haltung und Observanz finden, ist keines, das durch so eigenthümliche Momente sich auszeichnet, als das der Beschneidung. Während andere Gebote und Verbote sich lediglich auf vorübergehende Zustände im Leben beziehen, ist die Beschneidung in einem Akte begründet, der den körperlichen Organismus des Menschen angceist und in ihm solche Spuren, für das ganze Leben haftend, hinterlaßt, daß sie das Individuum durch einen aufgedcückten unvertilgbacen Stempel auf eine eben so charakteristische, als nationelle Weise bezeichnen. Diese Umstande sind es, die das Beschneidungsgesetz für denjenigen, der alle Institutionen und Gebrauche mit einem mehr philosophischen Blicke zu umfassen strebt, zu einem Gegenstände von besonderer Wichtigkeit und Forschung machen. Dieses haben wir uns zum Vorwurf einer speciellen Untersuchung genommen und wollen es in der Kürze versuchen, eine möglichst freie und unbefangene Würdigung dieses so eigenthümlichen Gebrauches zu entwerfen. Hierzu scheint uns aber nothwendlg eine Beleuchtung unsres Gegenstandes, von dem dreifachen Standpunkte der Geschichte, Kritik und Medicin voranzuschicken, weil man nur durch Darlegung der genannten Momente die hier bezüglichen Resultate zu abstrahiren im Stande ist, mittelst welcher man zu jener gleichsam potenzirten Ansicht sich emporheben kann, welche in der neuern Zeit mit .dem Namen der Philosophie der Geschichte, (und jeder aus dem Alterthum uns überlieferte Gebrauch besitzt eine solche,) belegt zu werden pflegt. Unsre Darstellung zerfällt demnach vorläufig in folgende drei Theile. 1. Historischer Standpunkt. Als eine Hauptquelle der geschichtlichen Studien für dm Beschneidungsgebrauch muß uns ganz besonders die heilige Schrift und namentlich der Pentateuch gelten, da die profanen Schriftsteller, als Herodot, Diodor und Strabo uns nur zur Bestätigung jener Urquelle dienen können und darum erst weiter unten angeführt werden. Und so müssen wir denn als die erste Spur, wo in der Bibel von Beschneidung die Rede vorkommt, den zehnten Vers im siebzehnten Capitel des ersten B. M. betrachten, wo es heißt : Alles, was männlich ist unter Euch, soll beschnitten werden. Dieser Befehl ergeht hier zum erstenmale von Gott an Abraham zum Zeichen des zwischen beiden einerseits und Gott und fammtlichen abrahamitischm Nachkommen andererseits für ewige Zeiten abgeschlossenen Bündnisses. Abraham befolgte dieses göttliche Gebot und vollzog nicht nur an sich selbst diese schmerzhafte Operation in so spätem Lebensalter, sondern auch an seinem Sohne Jsmael und allen eingeborenen und fremden Knechten. Es wird hierbei als besonderes Moment der Folgsamkeit des Patriarchen hervorgehoben, daß er die Beschneidung an sich und an allen männlichen Individuen, die seinen Hausstand bildeten, noch an eben demselben Tage vornahm, an welchem er den Befehl Gottes dazu erhalten hatte. Es heißt im Eingänge zu dieser Darstellung, im erwähnten Capitel, Abraham wäre damals neun und neunzig Jahve alt gewesen und das Lebensalter, in welchem Jsmael zur Zeit der Operation sich befand, wird mit dreizehn Jahren angegeben. Diese beiläufigen Notizen stimmen mit der bibli- 42