Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 40 (2.10.1841)
- Article
- Methodologie des Talmuds [Rezension]
- Date
- 1841-10-02
- Page
- Spalte 609-610 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Meratnrblatt des Orients. . Berichts, Stuöisn unö Kritiken für Mische Geschichte Md Meratur M 4Ed» Leipzig, den 2. Ocrober AA4R» Lit. Ueber sichten. Methodologie des Talmuds. Hcrlachische Exegese, oder Geist der Äalmudischen Bi'belauslegung von Dr. Hirsch selbbeurtheilt von Dr. Herzfeld. Drei Predigten von Dr. Hold heimein ernstes Wort darüber. Nordische Blüthen oder Pirche Zafon, eine hebräische periodische Schrift in Wilna. K loden, der Handel mr Mittelalter in Bezug aus jüdische Verhältnisse. — Lit. Anzeigen. Literarische Uebersichten. Methodologie des Talmuds. 33) Der Geist der talmudischen Auslegung der Bibel. I. Halachische Exegese, von Dr. Hirschfeld (Rabbiner in Wollstein). 1841. In 8. X. 479 S. Berlin bei Simion. Dieses Buch ist gleich bei seinem Erscheinen von vielen Seiten her freudig begrüßt worden als das erste Werk, welches den Talmud einer wissenschaftlichen Behandlung unterworfen habe. Der Vers., mit welchem Rec. in früheren Jahren mancherlei Studien, namentlich talmudische, gemeinschaftlich trieb, ist bei seiner großen Gelehrsamkeit einer der bescheidensten Männer, die mir im Leben begegnet sind. Daher versprach ich mir im Voraus sehr viel von dem Werke, als der Vers, mich um eine unverholene Beurtheilung desselben ersuchte. Diejenigen Leser dieses Blattes , welche Rec. und dessen Anforderungen an die Wissenschaft kennen, werden keine Lobhudeleien erwarten, dafür aber das ertheilte Lob für hinlänglich begründet halten; Freunde des in der jüdischen Literatur jetzt üblichen Tones der Recensionen mögen jeden lobenden Positiv in einen Superlativ umsetz cn. Das Buch enthalt viel Gutes neben manchem weniger Guten und einigem Tadelnswerthen. Was zunächst die wissenschaftliche Behandlung des Talmuds anlangt, so findet man sie in Anfängen schon in den §, 15 citirten Schriften, in ihrer Vollendung aber auch noch in unserem Werke nicht; der Unterschied zwischen den beiderseitigen Behandlungen ist also nur ein gradueller. Der wesentlichste Fortschritt der- Verfassers in dieser .Beziehung besteht in der versuchten historischen Entwickelung der talmudischen Ansicht von Welt und Bibel. Seine an die Spitze vieler Abschnitte gestellten, meistens gründlichen Erklärungen'philologischer Ausdrücke rechne ich nicht dahin: auch gehören sie überhaupt nicht in das Buch, da ihre herkömmliche Auffassung bei den Lesern vorausgesetzt werden durste, und des Vfs. Modift'cationen derselben vor das Forum des Methodologen der Philologie oder des Aesthctikers gehören, aus die talmudische Exegese aber, wenigstens in dem vorliegenden Werke, keinen mir ersichtlichen Ein-, fluß gewonnen haben. Im Gegentheil scheint mir die dorthin' gehörige und cousequentt durchgeführte' Meinung des Vfs.: daß alle und jede Exegese nur relative Wahrheit enthalte, weil kein Exeget seüun Autor vollkommen ergründen könne: wenn auch, in der äußersten Strenge genommen, richtig, .doch für den Gebrauch unrichtig, ja selbst verderblich zu fein’ weil sic Träumereien - und sogar absichtliche Verdrehungen des Textes mit dem r'hft^chsten Streben nach Wahrheit und Licht in Eine Klasse zusümmmwrrft. Der vernichtet die Wahrheit, wer behauptet, daß sie in soweit nicht einmal, als sie dem Menschen nöthrg ist, sich finden lasse» Unrichtiger noch finde ich es, wenn der Vers. §♦ 11 und noch zu wiederholten Malen behauptet, jede Exegese wolle nichts weiter als das, was nach vorgefaßter Meinung der Text enthalte, in demselben wenn auch durch Künstelei Nachweisen , die iexegetische Behandlung sei daher gewissermaßen eine poetische. Zwar hat er vollkommen Recht, daß die verschiedene Subjektivität der Leser verschiedene Auffassungen bedinge; aber unsere Subjectivitat ist bis aus einen gewissen Punkt, der in den meisten Fallen für das Verständniß des fraglichen Textes gleich Null erscheint, flüssig und veränderlich, die Worte des Textes haben daher genug objective Macht über ein wahrheitliebendes, von seiner Fehlbarkeit überzeugtes Individuum, um feie vorgefaßte Meinung zu berichti» gen und nölhigeZrfalls ganz zu verdrängen, und keinem anderen Individuum gestehe ich eine wahrhafte Exegese zu; ein Jeder wird und soll suchen, seine erste Auffassung zu hatten und zu rechtfertigen, aber es hat me an Männern gefehlt, die sie vor der unzweideutigen Stimme des Textes fahren ließen. Was aber den Vf. veranlaßt hat, beide Behauptungen aufzustellm, 40