Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 36 (4.9.1841)
- Article
- Der Charakter Esau's
- Date
- 1841-09-04
- Page
- Spalte 559-560 (sequence 3)
- Language
- German
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560 559 Der Charakter Esau's von H. Hochheü.. er in München. Lit. Ankündigungen. Rache? nein, fern sind ihm in diesem Augenblick? alle Rachegedanken, der Verlust des väterlich«» Segens geht ihm näher, weinend spricht er: segne mich doch auch mein Vater: Als er hört, daß ihm der Bruder zuvorgekommen, erwähnt er nur des zweimaligen Betruges und bricht in die Worte aus: hast du mir den keinen Segen zurückbehaltm? Da erzählt der betrübte Barer, wie er fast alles wegegeben: gehe hm, mein Sohn, was soll ich thun? Da sprach Esau zu seinem Vater: hast du denn nur einen Seegen? segne mich doch auch mein Mater! und er Hub seine Stimme und weinte (27, 36) Als Esau nun die spärlichen Ueberreste des Vatersegens bekam, der ihn noch überdieß seinem Bruder knechtisch unterordnet, (-oyn - NdN) da bricht der Haß hervor aus seinem Busen, da entstehen schwarze Mordgedanken in seiner Brust, und Esau wäre vielleicht Brudermörder geworden, wenn nicht Ehrfurcht vor dem alten Vater seiner Erbitterung Schranken gesetzt hatte, er verschiebt daher alle Rachegedanken bis nach Isaaks Tod und Jakob kömmt der Ausführung dieses Entschlusses durch Flucht zuvor. — Ein langer Zeitraum i^iergangen, Jakob ist Vater einer zahlreichen Famielie gewordW nach zwanzig Jahren mühevollen Waltens hat er sich endlich dem Netze des ränkespinnenden Labans entwunden, er hat sein, oder vielmehr seine Schäfchen, die die Farben so oft gewechselt, ins Trockne gebracht und wünscht nun die Früchte seiner Mühen in der Heimath, am Heerde seiner Vater zu genießen, aber nicht mit Unrecht befürchtet er, seine lange Abwesenheit möchte noch nicht alle Spuren des Hasses im Bruderherzen getilget haben. Er schickt Goten an Esau, ihn durch sauste Worte und Geschenke zu besänftigen, aber der kehrt sich wenig daran, er zieht dem friedliebenden Jakob zum Kampfe gerüstet entgegen, denn was soll die vierhundert Mann starke Leibgarde anders bedeuten? Da erblickt er ihn, den Bruder, dem Jahre und Leiden ihre Furchen tief mögen eingeprägt haben, da sieht er ihn wehrlos heramvanken, den gebeugten Vater im Kreise seiner Famielie, — er vermag ihn nicht länger auszuhalten, diesen Anblick; brüderliche Liebe, die vielleicht nie ganz aus seinem Herzen gewichen, und Mitleid überwältigen ihn, und wir sehen, des Forstes wilden Sohn am Halse des Bruders Thränen vergießen, Großmüthig schlägt er alle Geschenke des dankbaren Jakob aus und entbietet sich sogar dem Bruder auf der Weiterreise Beschützer und Begleiter zu sein. Einmal nur noch sehen wir das Brüderpaar vereinigt, am Sarge des Vaters nämlich, demselben die letzte Ehre zu erweisen (36, 24) und bald überlaßt Esau dem Bruder das väterliche Land, das allein die Doppelheerde nicht zu ernähren vermag und ’-pyj# wird die Stammburg eines neuen, mächtigen Geschlechtes. Doch wir erzählen eine alte Geschichte die Jeden bekannt; indem wir daher noch die Schlußbemerkung machen, daß wäre Esau verderbten Herzens gewesen, dieses gewiß nicht in einer solchen Reihe von Jahren dem weniger bestechlichen Vaterauge entgangen wäre und Isaak sicherlich nicht in so hohem Grade seinem Sohne seine Liebe hätte zufließen lassen,, können wir füglich diese Scizze enden, als deren Ergebniß wir vielleicht nur die Webauptuug betrachten können, daß die Fehler unseres Helden mehr dem Leichtsinne entsprungen als aus schlechtem Gemüthr hervorgegangen seien. Literarische Ankündigungen. In diesen Ankündigungen werden literarische Anzeigen aller Art, so weit sie jüdische und orientalische Geschichte und Literatur betreffen, gegen Einen Groschen für die gespaltene Petit-Zeile oder deren Raum ausgenommen. £81,] Bei M. I. Landau in Prag ist erschienen, und durch alle Buchhandlungen von Unterzeichneten zu beziehen: non di 3 Kerem CItemed VI. Bd. (enthält vebväische Briefe jüdischer Gelehrten wissenschaftlichen Inhalts.) 8. Preis 1|- Rthlr. (1 Rthlr. l-l Ngr.) neisn Hazofe lelbetli Ifsrael (Tbü»n) von Isaak Erter. 8. Preis 9 Ngr. Zugleich den geehrten Subskribenten aus den Talmud in gi% 8. Die Nachricht: daß der 15. Bd. desselben in dirsen Tagen an sie versendet, und der 16—18 Bd. schnell folgen wird. Vom Schulelian Arucii* Megine Erez wurden Heft 17 und 18 als Schluß dieses Werkes ausgegeben und ist dasselbe nun vollständig, für Druckpapier Rthlr 5 — 74 Ngr. Schreibpapier Rthlr. 7 — 26 Ngr. zu haben. Leipzig im August. C. L. Fritzsche. [82.] Bei Gcrhard Ste lling in Oldenburg ist erschienen und durch alle Buchhandlungen Deutschlands zu beziehen: Jüdische Bemerkungen zu den Bemerkungen eines Protestanten über die Confession der SZ Bremischen Pastoren. Von einem Juden. Der gelehrte Verfasser, der Oberrabbiner Dr. Hirsch in Oldenburg, ist auf dem Gebiete der jüdischen Theologie genugsam als Verfechter des reinen jüdischen Glaubens bekannt, als daß wir diese seine Broschüre zu empfehlen nöthig hatten; wir bemerken daher blos, daß diese gelehrte Vertheidigung gegen Angriffe auf das Judenthum von Seiten des Protestantismus jeder Partei innerhalb des Judenthums willkommen sein dürfte, da sie ihre Waffen und Beweise nur aus der von allen anerkannten Rüstkammer, aus dem alten Testamentherholt. Verlag von C. L. Fritz sche. Druck von 3« H. Nagel.