Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 36 (4.9.1841)
- Article
- Der Charakter Esau's
- Date
- 1841-09-04
- Page
- Spalte 557-558 (sequence 2)
- Language
- German
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557 558 Der Charakter Esau's von H. Hochheimer in München. lehr vorteilhaftes; bei vielen wenigstens ist der Ehrentitel mit dem Namen Esau's unzertrennlich uns mehr ep.ithetou jiecessarium als ornans geworden. Dem gebildeten Israeliten kömmt nie der Gedanke, Esau geradezu einen j/fcrj zu nennen, doch ist die Mehrzahl immerhin geneigt seinen Character sich makelvoller zu denken, als es bei näherer Beleuchtung sein dürfte, was um so natürlicher, da eine kleine, wohl verzeihliche Parteilichkeit für Jakob, als unfern Stammvater, mit ins Spiel kömmt, dessen Persönlichkeit natürlich aus dem Gegensätze in desto helleres und vortheilhafteres Licht tritt; was auch die wahrscheinliche Ursache sein mag, daß die Commentatoren der h. Schrift Esau mit weniger günstigen Augen betrachten. Der Zweck dieser Characterskizze sei cs also, die Licht- und Schattenseiten im Charakter Esau's hervorzuheben, um zu erkennen, ob vielleicht die crsteren den letzteren das Gleichgewicht hatten, oder sie wohl gar überwiegen. Schon durch die genauere Auseinandersetzung der Umstande, welche die Geburt dieser Zwillingsbrüder begleiteten, deutet die heil. Schrift auf ihre Gemüthsart hin; noch mehr lernen wir diese aber kennen aus den Neigungen, die sich früh entwickelten und die uns die Schrift so schön in Gegensätzen schildert: (1 B. 25, 27) rjpyij rw KW TK JTP KW Wy VP? O'biW DL" DH KW* Aus dem Prädicate Orl, das dem Jakob beigelegt ist, geht meines Erachtens keineswegs hervor, daß als Gegegensatz Esau ein MD gewesen, denn DD will hier wohl nur sagen, daß Jakob die Zurückgezogenheit liebte, daß -er sich mehr im häuslichen Leben gefiel, wie es auch durch das hergefügte tD'^W DK/' erklärt wird; dem jagdkundigen (y^i TSJ (Sfau aber war es zu enge in der kleinen stillen Hütte, «er, dem die Natur gleich bei seiner Geburt mit einem, für Waldluft abgehärteten Körper begabt nYi£0)j er hielt es nicht aus am heimischen Heerde, ihn trieb es hinaus ins Freie, einzugehen den Kampf mir den Bewohnern den Wälder. Es war aber nicht die Lust allein, das Wild zu erlegen, was ihn hinaus trieb aus's Feld, nein, ein Galt würde an Esau's Schädel nicht blos Jagdsinn, er würde auch das Organ kindlicher Liebe an denselben entdeckt haben. Ja es war auch Liebe zu seinen greisen Vater, die ihm den öden Wald der sichern Wohnung verziehen hieß, darum liebte ihn aber auch Isaak wieder: Tä - O. Der Midrasch und mehrere Commentatoren legen diese Worte so aus, als ob Esau seinen Vater (durch Worte) betrogen hätte, wahrscheinlich brachte sie die ungewöhnliche Conftruction zu dieser Erklärung, doch spricht sich der Vers in der Folge ganz deutlich aus, wo Isaak seinen Sohn Esau beauftragt, ihm Jagdbeute zu bringen (11, 3)., Der auf den besprochenen folgende Vers berichtet uns eine Handlung Esau's — den Verkauf seiner Erstgeburt für ein Gericht d'KHJJ " die freilich von großen Leichtsinn zeigt und sich nicht einmal durch die Ermattung und Erschöpfung, die er sich aus der Jagd geholt, entschuldigen läßt, obwohl er nur für geringen — höhern, zeitlichen Äortheil — den größern Antheil an der Väterlichen Verlaffenschaft — aufgiebt. Esau mag den Leichtsinn seines Tausches selbst gefühlt haben, indem er ihn (Vers 32 durch die Worte zu beschönigen sucht: ich gehe zum Tode, was soll mir die Erstgeburt? Der Vers nimmt nun eine Zeitlang Abschied von Esau, um ihn uns wieder als Ehemann vorzuführen (26, 34). Wohl mag er kundig gewesen sein, zu verfolgen die Spur des schnellen Rehes oder Hündin, aber in der Psychologie des Weibes scheint er trotz seiner vierzig Jahre nicht sehr weit gebracht zu haben. Seine Wahl war schlecht, denn seine Frauen „machten dem Isaak und der Rebekka viel Herzeleid" (35), nach weil sie dem Götzendienste ergeben waren.-— Wir müssen jetzt der Geschichte ein wenig voran eilen und auf die Verbindung Esau's mit der Tochter Jsmaels (28,8) sehen. Die Uebersetzung dieser Stelle, nach Mendelfohn, lautet: „Als nun Esau gewahr worden, daß Isaak den Jakob gesegnet und nach Paden-Aram sich von daher eine Frau zu nehmen geheißen, nämlich indem er ihn segnete, verbot er ihm zugleich und sprach, nimm keine Frau von den Töchtern Kanaans, und das Jakob seinem Vater uud seiner Mutter gehorcht und nach Paden-Aram gereist sei, da merkte Esau, daß die Töchter Kanaans in den Augen seines Vaters mißfällig sind, daher ging Esau zu Jsmael und nahm über seine bisherigen Frauen die Machloth Tochter Jsmael's, des Sohnes Abcaham's, Schwester des Nebajot sich zur Ehefrau (cap. 28 v. Vers 6 — 10)". Diese Stelle ist diejenige, welche nach der gewöhnlichen Auslegung das nachteiligste Licht auf Esau's Charakter wirft; erklärt die Stelle)^ so: Esau habe seine Frauen nicht nur nicht vertrieben, sondern noch eine dazugenommen (nuitwin nx tnj x^t? inytsn nptn rj>Din). Nach der Erklärung des pjfcn erfüllte Esau zwar darin den Willen seines Vaters, daß er Mne Frau aus dessen Familie wählte, doch konnte er es nicht^^r sich und seine Leidenschaft gewinnen, seine bösen Frauen zu vertreiben. — Nach der ersten Erklärung wäre Esau wirkliich der vollendetste Bösewicht gewesen, der diese Erweiterung seines Harems nur aus Trotz gegen seine Eltern unternahm. Hätte es aber in Esau's Plane gelegell, seinen Eltern Kummer zu bereiten, hätte er dann nicht statt einer Tochter Jsmael's noch eine Kanaaniterm geheirachet? Die zweite Erklärung zeigt uns Esau doch insofern als folgsamer Sohn, als er sich mit einer Jsmaelitin verband, vernehmend den Wunsch, den der Vater Jakob äußerte, doch immer noch klebt der Makel an ihm, daß er seine, den Eltern so mißfälligen Frauen nicht vertrieb. — Aber wie wäre es, wenn wir das Wörtchen hy hier in einer Bedeutung brauchten, in der es so oft vorkommc, nämlich in der Bedeutung: wegen z., B. (Ier. 2, 35) “pDn und dann besonders in in Verbindung mit den Wörtern: p/ DDH und dann wäre der Sinn der: Esau nahm die'Tochrer Jsmael's wegen seiner Frauen, d. h. wegen ihrer Gottlosigkeit vertrieb er sie und nahm dafür die Tochter Jsmael's. Aber auch davon abgesehen, stehen die Pflichten gegen die Ettern den Gattenpflichten nach, nach dem Vers (1 B. 2, 3.) nNl PDN riN KW DTJP p hy intWD pD7 1DN Auch Mendelsohn übersetzt mit über, was doch sehr häufig synonym mit wegen ist. Doch wollen wir diese Verteidigung als Meinung nur, nicht als Behauptung hingestellt wissen, so wie wir es uns überhaupt nicht zur Aufgabe gesetzt haben, Esau's Character rem zu sprechen, wofür er uns auch in seiner cmgebornen Rauhheit wenig Dank wissen würde, sondern wie schon am Eingänge bemerkt wurde, seine Licht- und Schattenseiten gegeneinander zu halten, um ihn allenfalls nur von dem Prädicate zu reinigen, was wir um so leichter ausführen zu können glauben, wenn wir den Faden der Erzählung da wieder aufnehmen, wo er uns entgangen. Der greise Isaak befiehlt seinem Sohne Esau (27,1. u. ff.) auf die Jagd zu gehen und ihm Wildpret zu bringen, um des väterlichen Segens theilhaftig zu werden. Das hört Mutter Rebbekka, die natürlich den sanften Jakob mehr liebt, als den rauhen Esau; sie bestehlt daher ihrem gelieüeen Sohn durch List den väterlichen Segen sich zuzueignen, der Anfangs sich sträubende Jakob unterliegt endlich der Beredsamkeit der dringenden mütterlichen Zunge und empfangt den Segen des Vaterr. Da kömmt Esau, beladen mit Jagdbeute, in der väterlichen Wotmung an, aber zu fpat, der Segen ist vergeben. Was thut der rauhe Sohn der Wälder? er wüthet, schnaubt