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Der Orient · 1841-08-28 · 35 (28.8.1841) · p. Spalte 535-536

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
35 (28.8.1841)
Article
Stunden der Weihe ... [Rezension]
Date
1841-08-28
Page
Spalte 535-536 (sequence 2)
Language
German
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535 Stunden der Weihe für isr. Consirmanden, v. Dr. Creizenach^ beurth. v. Dr. Landau. 536 len." Bis hierher Warme. Nun wird fortgefahren: /,Sie besteht m der möglichen Vermeidung aller Verrichtungen rc. In der möglichsten, setzt unbestimmte Fälle voraus, wo die Vermeidung nicht stattsinde." Diese Falle sind nicht angegeben, also dem Leser überlassen; abnehmende Warme. Ferner: „Es ist sehr zu beklagen, daß durch die jetzigen Verhältnisse die Strenge der Sabbatruhe sich bedeutend vermindern m u ß te^. Eispunkt. Wenn sich die Strenge vermindern mußte, jo hat der Consirmand schon im voraus Absolution. Dieses mußte ist aber streng genommen nicht wahr« Mel liegt dabei an dm collidirenden Verhältnissen, mehr aber an dem Mangel eines emmüthigen starken Willens. Hatten jüdische Kaufleute und Gewerbtreibende mit Aufopferung einigen Gewinnes ein Bündniß geschlossen, den Sabbat nicht zu entweihen: hatten sie gezeigt, daß sie eines Priestervolkes würdige Mitglieder seien, denen Charakter und Religionsheiligung über irdischen Gewinn geht: so würde die Sabbatruhe durch ihre Allgemeinheit bei den Juden sich von außen Anerkennung und Berücksichtigung erworben haben, und viele Mißverhältnisse würden ausgeglichen worden sein. Der jüdische Lehrling würde, wenn ein christlicher Meister oder Kaufmann nicht auf die Bedingung der Sabbatruhe eingehen wollte, einen Jüdischen gefunden haben, während er dies Augeständniß jetzt eher von christlicher als von jüdischer Seite erlangt. Es würde sich Manches der jüdischen Sabbatheiligung accomodirt haben, was jetzt störend einwirkt; denn ein starker gemeinsamer Wille überwältigt viele äußere, hemmende Verhältnisse. Kurz, Leichtsinn und Kleinmut!), irdische Gewinnsucht und Mangel an Vertrauen und böses Beispiel haben wehr Theit, als die äußern Verhältnisse. Es verdient kein Lob, da Gott zu vertrauen, wo kein anders Mittel übrig bleibt;, sondern der wahrhaft Vertrauende heiligt Gott, indem er aus Gehorsam gegen ihn, lieber göttlich entbehrt als ungöttlich gewinnt. In Holland, wo die Juden vollkommen emancipirt sind, wird die öffentliche Sabbatruhe bei weitem besser beobachtet, als in manchen Städten Deutschlands, wo die Emanzipation kaum begonnen hat, exempln 8unt odiosa. — Halt aber der Verfasser die Verminderung der Sabbatruhe für ein Muß, so hatte er dem Schüler lieber rathen sollen, in wichtigen Verhinderungsfällen den Ortsrabbinen zu befragen, als ihm dieses Muß so trocken hinzustellen. — Weiter „die Beschäftigungen meines künftigen Berufes sollen mich nie veranlassen die Heiligkeit des Sabbats außer Acht zu lassen, wenigstens werde ich mir es zum Gesetz machen, die Morgenstunden des Ruhetages der Andacht und der Erbauung zu widmen. Zunehmende Kalte. Durch dieses Wenigstens rc. wird stillschweigend zugegeben, daß er den Nachmittag immerhin dem Geschäfte widmen könne. Ferner: „und nur wichtige Abhaltungsgründe sollen mich verhindern können, im Gotteshause zu erscheinen". Aus wichtigen Gründen also wird es endlich jede Spur von Sabbat-Heiligung verlassen. Wozu dem Kinde dieses alles vorführen und die anfangs erzeugte Warme für die Sabbat-Heiligung nach und nach in frostige wmterliche Temperatur umzuwandeln, in welcher der Consirmand zum letzten Stoffe Zeit und Ruhe gewinnt? Denn es wird ohne Zusammenhang und ohne Grund hinzugefügt, „die Verlegung des Sabbat auf einen andern Tag der Woche wäre für jetzt noch mit unübecsteiglichen Hindernissen verbunden." Hier wird also dem Kinde gesagt, als ob dies mit zum Glaubensbekenntnisse gehörte, daß von Seiten des Gesetzes der Verlegung des Sabbats nichts im Wege (ege. Ist der Verfasser aber berechtigt oder ist es vernünftig gehandelt, einen Punkt, der beim Volke und bei so vielen Volkslehrern so starken Widerstand findet, dem Kinde für ausgemacht hinzustellen? Wird das Kind nicht fragen, wenn der Sabbat wirklich von Gott eingesetzt, und die Festsetzung des Tages nicht den Volkslehrern überlassen, sondern von Gott selbst ausgegangeu war, durch das Ausbleiben des Manna in der Wüste anerkannt und seit Jahrtausenden gefeiert wurde, wie könnte man sich erkühnen einen andern dafür anzunehmm? Wird nicht dadurch sein ganzer Glaube erschüttert?^ Und woher kommen denn diese Hindernisse? doch nicht von Seiten des Staates? Sie bestehen eben darin, daß die Heiligung des Sabbats so mit diesem Tage verknüpft ist, daß man einem andern neu creirten keinesweges diese Heiligkeit zuerkennen und die Folge der Verlegung des Sabbats, Aufhebung derselben sein würde. Wenn dies aber das Hinderniß ist, so durfte der Verfasser um so weniger dem Kinde diese Verlegung zumuthen. Von der Beschneidung, dieser so nachdrücklich gebotenen, so heilig gehaltenen Ceremonie, deren Unterlassung den Austritt aus dem Judenthume manifestirt, geschieht lm ganzen Buche keine Erwähnung. Desto nachtheiliger, schwächender wirken die leicht hm geworfenen Worte im Artikel 42. „Gottesdienstliche Handlungen im Hause. Zu den gottesdienstlichen Handlungen zahlt man auch — die Beschneidung, als Zeichen des Bundes, den Gott, nach dem Berichte der Hl. Sehr., mit Abraham geschlossen hat." Und was bedeutet denn der Zusatz: nach dem Berichte der H. Sch.? Das sieht ja fast aus^ als wolle 5) Schwerlich würde sich wohl der Conft'rmand. mit der Fiction, welche der Verfasser im „Schnrat Hadin" vorschlägt, begnügen, daß wahrend bei Gibeon die Sonne um Josua willen stillstand, der Sabbat mittlerweile auf den Sonntag fort' rückte. Der Verfasser beweist dadurch nur, daß ihm kein Wunder zu groß, und keine Spitzfindigkeit Zu kleinlich ist, wenn es gilt, eine Neuerung bei den Orthodoxen einzuschmuggeln.

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