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Der Orient · 1841-08-21 · 34 (21.8.1841) · p. Spalte 523-524

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
34 (21.8.1841)
Article
Stunden der Weihe ... [Rezension]
Date
1841-08-21
Page
Spalte 523-524 (sequence 2)
Language
German
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523 Stunden der Weihe für isr. Confirmanden, v. Dr. Creizenach-, beurth. v. Dr. Landau. 524, Weihesiunden gelesen zu haben: Man wird zu urtheilen geneigt, daß seit der Schöpfung, Gott nicht auf den Gang der Begebenheiten einwirke, man sagt „Es zieme keinem großen Künstler, an dem vollendeten Werke immer zu bessern". Nun wird der eines selbstständigen Urtheils noch unfähige Confirmand, mit dem man gleichwohl phitosophirt hat, denken: was man sich zu urtheilen geneigt fühlt, und was man sagt, das kann ja auch wahr sein. Sehr weise ist dagegen im ganzen Buche die Abneigung der mosaischen Religion gegen den Pro, selytismus, so wie die Unvernunft und Schädlichkeit des Parteihasses unter Glaubensgenossen stark hervorgehoben, und auf der andern Seite, die von der israelit. Religion ihren Bekennecn so vielfach und kräftig ans Herz gelegten Tugenden der Häuslichkeit, Mäßigkeit, Pietät und Wohlthätigkeit, Aufopferung für Gott gefällige Werke und Beharrlichkeit, durch welche die Juden sich stets vortheilhast auszeichneten. '• Sehr zweckmäßig und zu weiterer Forschung anregend ist die Aufzählung der bedeutendsten Männer vom Talmud bis auf unsere Zeit, die sich besonders in der theologischen Literatur ausgezeichnet haben. Ganz verfehlt scheint uns dagegen die Behaudlungsweise des positiven Theiles unserer Religion. 5jatte der Verfasser wirklich, wie wir so gern glauben möchten, die redliche Absicht, die Consirmandm zu einem Fortschritte innerhalb des Offenbarungsglaubens vorzubereiten, ohne sie in ihrem Glauben an die göttliche Autorität der H. Sch. wankend zu machen, sie zur gründlichen Prüfung anzuregen, ohne sie zu einer Partei hinüberzuziehen, so müssen wir gestehen, daß das Mittel zweckwidrig, und das Streben mislungen ist. — Unmündige, kaum den Kinderschuhen entwachsene Knaben und Mädchen, werden, statt sie mit Warme für die. Aufrechthalttmg der Gesetze zu begeistern, und jede Anregung zu Zweifeln, zu vermeiden, unberufen, in theologische Zweifel und Streitigkeiten hineingezogen und zu Richtern antorisi'rt. Denn wenn, wie in diesem Buche geschieht, erst durch allgemeine salbungsreiche Phrasen der Kinder kindliches Zutrauen gewonnen wird, dann dieselben mit Zweifeln und ganz von einander und zum Theil vom positiven Glauben (wenigstens nach jetzt allgemeinen Begriffen) abweichenden Meinungen erfüllt, mit wirklichen oder scheinbaren Mißverhältnissen der bestehenden Formen bekannt gemacht werden: so können und sollen wohl die Nr. 57 nachträglich angebrachten Worte: „Ich kann daher nicht sicherer gehen, als wenn ich mich mit kindlichem Vertrauen nach dem Willen derjenigen richte, die mir meine Religion gegeben rc." (welchem Rache überdies durch die öftere Einschärfung nach eigner Überzeugung zu handeln, widersprochen wird), nicht den Sinn des Kindes wirklich wieder für die so gleichgültig hingesiellten, vielfach bestrittenen, religiösen Formen seiner Eltern einnehmen, sondern vielmehr den Vorwurf der Urtheilsfahigen, als werde das Kind statt zu festem Glauben zu unzeitiger höchst schädlicher Mündigkeit in Religionsangelegenheiten geführt, nur scheinbar widerlegen. Wahrlich der Leser wird an der Absicht dieser Schrift ganz irre; es scheint als wolle sie den zarten Kindern durch kalte Verstandeszergliederung und historische Kritik die Ehrfurcht vor den bestehenden Ritualgesetzen benehmen, um ihnen das zeitliche Leben angenehm zu machen; als wolle sie die Begriffe von Offenbarung möglichst verflachen, um das Kind zu einem Vernunftmenscheu zu bilden, der sich mit allen Meinungen über Offenbarung wohl vertragt, weil es ihm mit keiner Ernst ist. Zwar wird oft gegen die Alleinherrschaft der Vernunft in diesem Buche gewarnt und ausdrücklich gesagt S. 85. „Die, der Vernunstreligion allein gehorchend, das Ritualgesetz gar nicht berücksichtigen, bilden keine israelitische Religionspartei, weil sie nicht dem Begriffe nach Israeliten sind," aber desto sorgloser wird das Kind sich durch den Geist dieses Buches dazu verleiten lassen, wovor in demselben gewarnt wird. — Oie nichtssagende Erklärung des Offenbarungsbegriffes V. 20, nach welcher Moses und den spätem Propheten nicht mehr Autorität zukäme, als Plato und Hegel, und dem Vf. dieses Buches selbst; die kühne dem Consirmandm in dem Mund gelegte Kritik gegen viele, zur Zeit allgemein anerkannt, noch nirgend aufgehobene Religionsgebräuche; das willkürliche Verfahren nach Vermuthungen Gesetze als noch bindend oder ausgehoben darzustellen, und ein darüber obwaltenden Streit unter dm Theologen dem Kinde so theilnahmlos mitzutheilen als wolle man sagen: disputant de lana caprina, dieses Alles kann bei dem Kinde unmöglich geläuterten Offenbarungsglauben erwecken, sondern es auf den Gedanken führen, daß es dem Lehrer weniger Ernst um den Glauben an Offenbarung als um die Kritik derselben sei. Denn, wird der Confirmand sagen, wenn die Offenbarung nach meinem vorliegenden Buche, auf Mendelssohns Ausspruch in Jerusalem gestützt, nicht die Grundwahrheiten des Glaubens betrifft, die dem menschlichen Verstände überlassen bleiben, wenn sie nicht geoffenbarte Religion sondern geoffenbarte Gesetzgebung ist, und nur Gebote, Verordnungen vorschreibt (was wir einstweilen dahingestellt sein lassen *), so müssen doch diese Gebote, als göttliche mit möglichster Gewissenhaftigkeit beibehalten werden, und darf man wohl keines derselben eher als aufgehoben anfthen/als bis es von Allen ohne Widerspruch, (nach S. 40) als „mit dem ehemaligen Tempeldimst, oder mit dem aufgelösten israelitischen Nationalleben oder mildem Aufenthalt in Palästina in enger Verbindung stehend", 1) Wir behaltcv uns vor, über diese Meinung nächstens uns auszusprechcn so wie über die Weise, wie Offenbarung, geoffenbartes Gesetz, im Geiste des Fortschrittes gelehrt werden müsse.

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