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Der Orient · 1841-08-21 · 34 (21.8.1841) · p. Spalte 519-520

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
34 (21.8.1841)
Article
Dorsche Haddorot ... [Rezension]
Date
1841-08-21
Page
Spalte 519-520 (sequence 2)
Language
German
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519 Entwickelungsgeschichte des mos. Rltualgesehes v. Dv. Creizenach^ beurlh. v.-Jolowicz. 62V gekommenen Geistes errungen/ die Fortschritte des philosophischen Denkens, welche sich von Tag zu Tag mehr kund geben und Geltung verschaffen; > der jetzt immer stärker sichtbar werdende Anwachs aller Branchen des Wissens, die so viele Jünger und Anbauer, welche in der Neuzeit Kritik und Geschichte sich erworben; die bildende Thärigkeit des Geistes, welche in unserer Zeit es nicht verschmäht, den in finstern, verborgenen Schachten verunstaltet und verrostet daliegenden Stoff, mit aller Mühe, Kraftanstrengung und Ueberwindung an das Tageslicht zu fördern und ihn seiner Bestimmung nach gehorigzu bearbeiten: Alles dieses ist der Erfolg jener großen von der neuesten Philosophie gefundenen Wahrheit, daß die echte, wahrhafte Wissenschaft eine historische sei, daß die absolute Idee jedes geistigen Produktes nur aus seiner geschichtlichen Entwickelung mit Sicherheit zu erkennen und zu begreifen sei; mit einem Worte, daß alles Vernünftige geworden, und alles Gewordene auch vernünftig sich entwickelt habe. Dieser Wahrheit haben wir es zu verdanken, daß man jetzt nicht mehr wie sonst die ganz entgegengesetzten Denkungsarten, welche sich im Allgemeinen seit beinahe einem Jahrhundert die Gemüthec bemächtigt haben, durch schale Vernünftelei und flaches Raisonnement auszugleichen und zu vereinigen sucht; sondern daß man eine radikale Heilung jener krankhaften Elemente anftrebt, den Ursprung des Uebels zu erforschen und dessen Symptome aus dem Fortgang seiner Geschichte genau und achtsam wahrzunehmen sorgt und die Heilmittel der Natur des Uebels anzupassen trachtet. — Zwar ist es der menschlichen Beschränktheit versagt, überall bis zu den ersten Gründen hinaufzusteigen und das Gewordene aus der ersten Ursache vollkommen zu erklären, allein die Verkettung und Wechselwirkung der geistigen Tätigkeiten und Kräfte, die Impulse und Hemmungen, welche in der Entwickelung des Lebens der Völker und Individuen anzutreffen und gleichsam die Angelpunkte für den forschenden Geist des Historikers sind, diese wenigstens kann und muß er Nachweisen, um dns Substrat seiner Untersuchungen in der begriffsmäßigen Nochwendigkeit darzulegen. Mir Recht sagt darum ein bekannter Geschichtsforscher^) „Für ihn (den Historiker) ist kein anderes Princip der Ordnung denkbar, als das, welches in den Begebenheiten selbst liegt, der innere Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung, welchem selbst die chronologische Folge nachsteht." Weiß nun der Geschichtschreiber dieser seiner hohen Ausgabe nachzukommen, weiß er den Causalnexus der Thatsachen und Begebenheiten, im Hervortreten geliogab. und Alex. Sever (überhaupt was Religiöses betrifft) Eine Sammlung von lauter Curiosicaten giebt uns das Leben der Zenobia von Treb. Pollio unter den 30 Tyrannen. I) Dr. Fr. R eh m, Handbuch der Geschichte des Mittelalters rc. Ir Band. S. 72. wisscr leitenden 2(nsichten und Ideen, den Anfangs- und Ausgangspunkt anzugeben; weiß er darzuthun, wie das äußere Leben der Völker von der jedesmaligen gewonnenen Erkenntniß und derselben entsprechenden Gesinnung abhängig war, und weiß er endlich seiner geschichtlichen Darstellung belehrende Winke für das Leben beizugeben, wodurch der Leser sich sagen kann, was zu thun oder zu lassen, was recht oder unrecht, was wahr oder falsch sei: dann erhalten wir eine pragmatische Darstellung des sittlichen Lebens eines Volkes. Weil aber das sittliche Leben mit der Religion eines Volkes aufs innigste verbunden ist, ja, weil die Religion dem sittlichen Leben erst die wahre Weihe und Würde, die rechte Ersprießlichkeit und Heiligkeit verleiht, darum muß der Historiker stets sein Augenmerk auf die jeweilige Gestaltung der Religion und deren Institutionen richten; er muß mit umsichtigem Blick zu gewahren suchen, welchen Anwachs oder welche Abnahme die religiösen Zeremonien und Satzungen im Lause der Zeit genommen und welche Heilig- und Bedeutsamkeit ihnen zugeschrieben worden, um den richtigen Maßstab für das sittliche Leben zu haben. Zur Ermittelung solche« historischen Wahrheiten müssen Kritik und Hermeneutik den Forscher leiten, sie sind die himmlischen Lichter, welche die tiefe Dunkelheit und Verirrung der Vergangenheit beleuchten und aufhellen; sie sichern und befestigen den Standpunkt und eröffnen die klarste Einsicht in Gebräuche, Ansichten und mündliche Ueberlieftrungen eines Volkes. — Auch unser Verfasser, der bereits seit dem Jahre 1824 2) sich mit unermüdlicher Thatigkeit bemüht, die Perfektibilität des Judenthums nachzuweisen, liefert in angezeigter Schrift eine Geschichte der.. Ausbildung des jüdischen Ritualwesens, und wenn diese auch nicht streng nach den von uns aufgestellten Principien gearbeitet ist, so schließt sie sich doch gar sehr eng an dieselbe an, und der Verfasser seiner Aufgabe wohl bewußt, beherrscht seinen Stoff mit vieler Meisterschaft; in Folge dessen der klarste und bestimmteste Ausdruck jeden Gedanken zum Bewußtsein des Lesers bringt. Die Wichtigkeit des Buches, welche Jedem von selbst emleuchtet, erforderte, daß wir mit sorgsamer Kritik dessen Gesammtinhalte Schritt vor Schritt folgen und dabei die Leistungen des Dc. Jost und die trefflichen Forstungen eines Zunz berücksichtigen müssen. Vorläufig aber wollen wir zur rmhern Uebersicht den Inhalt unseres Werkes angeben. S. 1 — 21 enthält den Ersten Zeitraum. Von der Schöpfung bis zur Offenbarung am Berge Sinai 2448 d. W. (4000—1480 v. Chr.- S. 21—135» Zweiter Zeitraum. Von der Offenbarung des Gesetzes bis zur Rückkehr aus dem babyloru- 2) Man vergl. unsere Schrift s die fortschreitende Entwickelung der Cultur in Deutschland S. 16. und Orient 16-10. S. 647 des LB.

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