Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 34 (21.8.1841)
- Article
- Das Glaubensbekenntnis der Zenobia, Fürstin von Palmyra
- Date
- 1841-08-21
- Page
- Spalte 513-514 (sequence 1)
- Language
- German
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MeraturblaLt des Orients. Berichte, Studien nud Kritiken für M-ifche Geschichte und Literatur M A4. Leipzig, den 21. August 1841. Abhandlung. Das Glaubensbekenntnis der Zenobia, Fürstin von Palmyra. Von S. Cassel. Ein Blick auf die Geschichte ihrer Zeit. — L i t. Uebersichten. Entwickelunasgeschichte des mosaischen Ritualgesetzes v. Dr. Creizenach. benrth. v. Heim. Iolowicz. Stunden der Weihe für israelitische Confirmanden, v Dr. Creizenach, beurth. v. Dr. Landau. — Sit. Analekten. Lieber einige Targumstellni von Hirsch Ehajas, Kreisrabb. zu Zolkiew. — Lit. Anzeigen. Bemerkungen. Das Glaubensbekenntniß der Zenobia, Fürstin von Palmyra. Von Selig Cassel. (Fortsetzung) Freilich ist es ein undankbareres schwereres Geschäft, das ein hypothesenartiges Gewand tragt, die Wahrscheinlichkeit seines Denkens ins Licht zu setz-rn, als einen armen Kirchenvater für träumerisch und widersinnig zu erklären. Philastrius hat rückwärts geschlossen, im Verhältrnß zu dm Nachrichten der Andern; er hatte gehört von dem Umgang Paulus mit Zenobien, kannte seine verruchten judaisirenden Grundsätze und hielt es folglich, um das Gerücht'von dem jüdischen Glaubensbekenntniß der Zerwbia sich zu erklären, für das natürlichste und einfachste, Zenobien diese Lehre von Paulus empfangen zu lassen, indem sie wie alle Paulicianer durch seine Beredsamkeit bekehrt ward. Aus denselben Quellen hat man sie zur Christin gemacht. Bedeutende Gelehrte haben die Stelle des Philastrius ihrer Behauptung, daß sie dem Christenthume angehöre, untergelegt, namentlich Johann Tristan (Comment. hist. des emp. iom, 3, pag. 203.). Er sagt: *My a Heu de croire que tun ei tauf re Avienl Chreiiens {Odenatur et Zenobia) comme y ayant eie instruüs par Paulus Samosatenus cy-devant, komme, qui eioü Eveque d’Aniioche, mai$ en sorte loulefois, qu il y avoil beaucoup de meritmge du Judaisme en leur croiapce.“ Er wird widerlegt in der Dissertation von Wernsdorf und Deilmglus, weil er den Photius so angeführt hatte, als'ob dieser von dem Odenat das erzählte, was er von der Zenobia erzählt, in dem er die lateinische Version, nicht den Text benutzt habe (siche diese Abhandl. p. 36). Derselben Meinung wie Tristan sind Casar Baronius in seinen Kirchenannalen Theil HL zum Jahre 271 und Ludwig Schönleben in den Am. Cannolae pari\ 3. p- 195 der sie zwar eine Christin aber maJum nactam iuslructorem Paulum Samosalenum nennt. Es ist dies nun ganz die angegriffene Meinung des Philastrius, der allerdings dergleichen angiebt. Und das ist sicher, daß wenn Zenobia mit Paulus in religiöser Hinsicht umgegangen ist, sie sicher von ihm angenommen haben muß, weil dies nicht nur die Ordnung der Jahre 36, sondern am Ende die Vernunft und die Kenntniß seiner Lehrsätze gebieten. Durch Paulus kann sie keine Jüdin geworden sein, sie wäre eine Haeretikerin, wenn sie in religiösen Dingen von ihm angenommen, ein Umstand, der mir unwahrscheinlich dünkt; die Kirchenväter dichteten ihre Disputationen in die Zelte des wandernden Sarazenen und die Gaben des Sonnentempels hinein, und die Sarazenen sind nie Freunde von langen Disputationen gewesen. Religiöse Dinge haben Paulus.mit Zenobim nicht verknüpft, und wenn Paulus in seiner Bedrangniß Schutz bei Zenobien gefunden, so hatte das andere Gründe, die ich schon erwähnt habe. Sie war weder Christin noch 36) Ich habe schon bemerkt, daß es ganz unwahrscheinlich ist, daß Paulus überhaupt durch Religiöses mit Aenobien in Verbindung gestanden; ich behaupte nur, daß, wenn dies der Fall gewesen wäre, sie in der Lhat deshalb von ihm hätte annehmen müssen, well, wenn wir der Zeit genau folgen, er schon früher seine Satze, die ihm diese Anklage bereiteten, ausgesprochen haben muß, als sie Herrin von Antiochien ward. Freilich Möglichkeiten anderer Fälle sind unzählbare da» —■ 34