Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 33 (14.8.1841)
- Article
- Gedanken über Religionsphilosophie und Judenthum
- Date
- 1841-08-14
- Page
- Spalte 503-504 (sequence 4)
- Language
- German
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503 504 Das Glaubensbekermtniß der Zenobia, Fürstin von Palmyra, v. S. Cassel. Der.geistige Messias, d.h.ein nationales Selbstgefühl, eine nationale Wiedergeburt durchziehet jetzt den Lebensstrom des rationellen Judenthums, statt der bornirten hyperphysischen Träumereien, die früher die hohe niessianische Idee umgaben und verdunkelten. — Reform, zeitgemäße Reform ist das große Loosungswort der Gegenwart, Licht und Recht ist sein Echo, — und eine Stimme Gottes begeistert die Herzen Israels, die da ruft: „Das Vergängliche vergehe und welke wie Graö dahin, das Ewige aber bestehe, und das Wort Gottes bleibe für und für!" wnbtf W) T»ifn BO' ,(n d ,'M') ob)yb Dip’ Das GlaichensLekermtniß der Zeuobia, Fürstin von Palmyra. Von Selig Cassel. (Fortsetzung) Hat man denn je die Pauliciamr Juden genannt? Ein Judaizans schuf eine judirizans, ein Haereülcv eine Haeretikerin, ein Christ eine Christin. Deshalb nun geht es dem armen Philastrius sehr schlecht; Seller behauptet, er müsse geträumt 2J) haben, da er dieses geschrieben, und Wernsdorfs^) nennt seine ist eine Institution für den Menschen. Sie soll den Menschen erheben, erbauen, belehren und heiligen, sie muß also der Natur seines Geistes vollkommen entsprechen. Nun finden wir aber im Menschen ein doppeltes und zwar sich selbst widersprechendes Bestreben — es ist der ästhetische Widerspruch. Einerseits verehrt und begehrt er das Alte, andererseits liebt er und wünscht immerfort das Neue. Die Gewährung der einen Seite dieses Begehrens ohne Bcrücksi'chtigung der andern, ist unzureichend und befriedigt ihn nicht;; daher muß auch die Religion, um als vollkommene Institution alle Seiten des menschlichen Herzens Ln harmonischen Einklang zu bringen, das Alte und das Neue i n v o l v L r e n. Es muß das Bild eines Beharrlichen im Wechsel, eines Bleibenden mitten rm Vergänglichen, in schönster Klarheit und Lebendigkeit jederzeit darstellen. Mit andern Worten, die vollkommenste Religion wird j ederzeit Einheit i m M a n n i g fa l L i g e n, d. h. die Ein heit der Idee in den verschiedensten Formen aufs vollkommenste darstellen." — 21) Seller: hist, of Palmyra p. 85 ,,for Philastrius was certainly in a dream3 when he aver’d that Paulus of Samosata, Bishof of Antioch, being a Iudaizing Christian . . . persuaded her to tum Jew.“ — 22) Wernsdorffii efc Deilingil dissert. de Sept. Zenobia Palmyrenorum Augusta pag. 37. „Nam qum narrafc Philastrius, Zenobiam a Paulo Samosateno. ad Judaeorum sacra fuisse transductam, es: quippe plane ahsona merito exploduntur.“ — Worte widersinnig. Man hat seine Aussage widersprechend mit Andern gefunden; und hart genug, ohne sich erklären zu wollen, woher sein Jctthum kam, wenn es ein solcher war, bald den Stab über ihn gebrochen; allein wir halten uns an die Quelle und an das Wort und sehen ein, ohne hi er. seine Ausdrücke erklären zu wollen, daß seine Autorität uns keinesweges vermögen wird, Jenobien für eine Jüdin zu halten. Ebenso wenig vermögen das Nicephorus^) und Theodoret^), von denen der Erstere den Letzteren fast wörtlich abgeschrieben 2c>) hat. Beide nennen si'e nicht Jüdin, sondern eine tu ’lovöcdcov cpgovovoav, der Paulus zu Gefallen ein Haeretiker wird, tu ’lovöcdcav cpQovüv ist das Griechische des lateinischen judatzare, von dessen Bedeutung schon gesprochen worden. Keinenfalts in wörtlichem Sinne können wir sie deshalb Jüdin nennen, wir werden dies bestätigt finden, durch eine Erklärung des tu ’lovdcdavyqoveiv, die uns Nicephorus 26) m, 23) Niceph.: Callist. lvist. ecclesiast. (>. 27. ,7JJav?.og 8s ZU 7iQ0g>ft'EQ0C7t£LttV SUShl] <d'iXcüV TCOLEIv tu lovdcdow (pQOVOVÖCiV Kcä ftSQUIZEVELV ' CQ£ TCXblGGOV TCEtQCOflEVOg Etg TTjv 3Agzs[.uxwog b^cdkelLsv ULQSGlV.iC 24) Theodoret. haeret. fah. 2. 8. TluvXog 81 o 2ajioGazEvg . . 3Avzi,o%ecöv STciGKOTtog r]V. Zrjvoßiug 8h y.UT EKEIVOV ZOV XUQOl zo nug^ovajg.Big ’Aqzs- {icovog b^coxslIev ui'gsGiv^ zccvzrj voiml^cov ftsgcaiEvsiv ekel- V7]V TU IovScilCQV CpQOVOVGUV.C( 25) Wales, ad Euseb. 7. 30. Seller. hist, of Palmyra pag, 87 „Butitas amost indisputably certain that all tliis fair stojy is built on a mistake of the words of Theodorct who only says, that Paulus seil into the heresie of Artenion and affinid, that our Saviour was only a meer man; by this means designing to ingratiate himself with and to flatter Zenobia, who was a Hewess and so would not aliow Jesus to lee God,“ Wir sehen hieraus, daß Dr. Jost, wenn er diese Nachrichten als Quellen angeben wollte, Jheodoret nicht übergehen durfte, wenn er Nicephorus nannte. Dadurch ferner, daß man Nicephorus des Mißverständnisses von dem Worte ^equtzevelv beschuldigt, sieht man auch ein, daß der Hauptwerth ihrer Citate in den Werten tu Iqvöulcqv cpgavslv liegen müsse. 26) Ich wage es nun als Hypothese herzustellen, was bei Vergleichung der Stelle des Nicephorus 11, 47 und ihrer Fortsetzung „aber jene benachbarten Völker verdarben die von Jsmael empfangenen väterlichen Sitten, indem sie nicht nach geschriebenen Gesetz, sondern nach empfangener Gewohnheit lebten zo" mit Rühle von Menstern z. Gesch. d. Araber vor Muhammed p. 312 einleuchten könnte, nämlich, daß jene Sarazenen, wozu auch die Palmyraner gehörten, dem Hanefitismus (!) oder Abrahamsglauben angehangen haben, den Rühle von Lilicnstern 1. e. gegen Sylvestre de Sacy vertheidlgt. Ich glaube wenigstens, daß alles was wir von der Religion der Palmyraner wissen sich mir dieser Ansicht vereinigen läßt, und daß, wenn wir die Zenobia dieses Glaubens theilhastig machen wollten, dies dem Zwecke dieser Arbeit nicht entgegen streben würde, denn der Unterschied des Israeliten und Ismaeliten Glaubens tritt darin am meisten hervor, daß der letztere theilweise mit dem Sabäerdienst (Sonnendienst) ver-