Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1841-08-14 · 33 (14.8.1841) · p. Spalte 497-498

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
33 (14.8.1841)
Article
Gedanken über Religionsphilosophie und Judenthum
Date
1841-08-14
Page
Spalte 497-498 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8555529-9897381-9897476-2366129--1609-2366153
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

für mm züdische Geschichte und Literatur M 03« Leipzig, den 14. August 1841. Abhandlungen. Gedanken über Religionsphllosophie und Iudenthum, von Dr. Jul. Fried sohn. — Das Glaubensbekenntniß der Senobia. und Rückblicke auf ihre Seit, von S. Cassel. — Cif. U e b er si ch ten. Die exegetischen Schriften des Saadja. Die geographischen Namen verglichen mit Vinjamin von Tudela. S. Munk. Prof. Haneberg. — Sit. Anzeigen. Bemerkung. G edanken über Religionsphilosophie und Judenthuur, von Juliws Frredsvhn. IV. . Wir haben gezeigt, daß die Wahrheit und Nothwenüigkeit positiver Religion überhaupt nur in ihren Grenz e n und u e b e r g a n g s p u n k t e n, mit andern Worten in ihrer ununterbrochenen Manifestation zu suchen sei; daß, wie der Staat, von Anbeginn her nach einem Ideale strebt, um sich danach zu reaUflren, ohne jedoch dies bisher erreicht zu haben, ja vielleicht je erreichen zu können, dies auch mit der positiven Religion überhaupt der Fall sei. Ihre Idee durchwandert alle individuellen Religionsformen, nimmt überall eine andere Gestalt an, behalt jedoch ihren eigenen Grundtypus in allen diesen Metamorphosen immer bei. Dieses führt uns zur Betrachtung über Relig io n sform e n. Ich sage, so wie die allgemeine Idee positiver Religion überhaupt lebt nnd sich bewegt, vorwärts schreitend ohne je zu sragniren, so ist es auch, und muß auch so sein in jeder einzelnen positiven Religion. Jede positive Religion, muß selbst leben, wenn sie ihre Bekenner beleben und erquicken soll, d. h. sie muß nicht auf einer Entwickelungsstufe stehen bleiben, sondern immerfort vorwärts schreiten. — Daraus geht unmittelbar die Nothwendigkeit einer ununterbrochenen Religionsreform, als in der Idee der positiven Religion selbst begründet, zur Genüge hervor. Wir wollen dieses nun auf das Iudenthum anwenden. Die Beschränkten im Volke glauben, daß der Begriff einer Religionsreform im Judenthume mit der traditionell begründeten Göttlichkeit desselben d. h. der Offenbarung widerstreite. Was Gott schafft, sagen sie, muß vollkommen sein und für alle Zeiten gelten. Ist das Iudenthum von Gott gezeugt, so muß es niemals modisicirt werden können. Wenn ihr von einer Reform desselben sprecht, so liegt die versteckte Andeutung im Hintergründe, daß das Iudenthum keine göttlich geoffenbarte Religion, sondern ein erfundenes Menschenwerk sei; und weil wir dieses unmöglich zugeben-können, so müssen wir auch jene durchaus verwerfen. Die Kurzsichtigen! Ist denn die Natur nicht auch ein Werk Gottes? sind sie selbst nicht Glieder dieser unendlichen Natur? Ist das Universum nicht das allervollko m menste Meisterwerk des Ewigen? Und doch, wo bemerkt man Stillstand? Wo sind die Spuren der ununterbrochenen Veränderung und des Fortschrittes nicht sichtbar? Welches Wesen im Himmel und auf Erden bleibt auf einer Stufe seines Daseins als der für alle Zeiten vollkommensten und unübersteiglichen stehen? Selbst der Geist des Menschen, wie bedaueruswerth müßte er sein, wenn er nicht in jedem Augenblicke vermöge der unabläßlich unermüdlichen Erwerbung neuer Kenntnisse, gleichsam über sich selbst hinausschritte, und in jedem spätem Momente höher stände als in nächst früherem? Ueberall ist ein Auf- und Vorwärtsschreiten, überall ein Ringen nach Vollkommenheit, aber kein ruhiger Besitz derselben vorhanden, mb doch ist dieses alles — auch jene müssen es zugestehen — unleugbar das Werk des Unendlichen, sind diese alle Kinder des lebendigen Gottes. — Fürwahr nur darin unterscheidet sich Gotteswerk von Menschenwerk, daß jenes für irgend eine n Zeitmoment das Vollkommenste ist; es entspricht einem bestimmten Zweckein einem bestimmten Augenblicke aufs Vollkommenste, was bei diesem, nicht der Fall ist; denn Mmschenwerk kann zu keiner Zeit ein Vollkommenes und 33

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.