Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1841)
- Article
- Pesth: Emancipationsschrift des Hrn. Cotvos
- Date
- 1841-08-14
- Page
- Seite 226 (sequence 2)
- Language
- German
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226 täglich einleuchtender und der Wille der meisten ist so ziemlich gut. Halten wir aber" die wenigen israelit. Schulen in Stadt und Land der christlichen Unterrichts - Anstalten . neben ihnen entgegen, so gibt dieß dennoch ein günstiges Resultat für die erstern und stellt die Aussicht, wie weit es der Jude, wenn sich ihm einmal die Erkenntnißquellen öffnen, bringen könne, ganz außer Zweifel. Sollte das projektirte Lehrer-Seminar zu Stande kommen, so werden die Fortschritte bei sonst zweckmäßiger Einrichtung der Landschulen, gewiß die erfreulichsten sein. Die -Gemeinden von Großwardain, Totis, Komorn und 9?* Surany haben sich zu bedeutenden Beiträgen erboten. An der Spitze der israelitischen Schulen steht die hiesige Normal-Hauptschule, der, den übrigen Anstalten dieses Ranges gegenüber, unstreitig der Vorzug gebührt. Und wenn ich auch nicht umhin kann, das religiöse Moment, welches nun einmal zum Theil auch in der Sprache der heil. Bücher wallet, weniger beachtet zu finden, als dieß von einer -israelitischen Schule besonders gefedert werden darf; so liegt die Schuld gewiß nicht an den Lehrern, als vielmehr an dem Lehrplane, dessen Entwerfung von Männern herrührt, die gar kein Hehl daraus machen, das Hebräische (denn von Religionsunterricht als solchen haben diese Leute keinen rechten Begriff) so nur nebenbei toloriren zu wollen. Was nun demnach für diesen geschieht, ist lediglich dem guten Willen der Lehrer zu verdanken, die sich im Uebrigen auf ihre Kommittenten berufen, die es nur auf eine Industrie- Schule abgesehen haben. Die Schule leistet auch wirklich Ersprießliches, wenn man sich auch von der, besonders bei der Prüfungen, zu sehr hervortretenden Ostentation nicht irre wachen laßt, an welcher letzten: wiederum Niemand Anstoß nehmen wird, der da weiß, wie prekär die Stellung dieser Lehrer ist, deren Wirksamkeit schon längst die Sanktion der höhern Behörden verdient und erhalten hätte, wenn es nicht die jetzige überaus weitsichtige Gemeindeverwaltung gerachener fände, dieselbe zu Hintertreiben, um so über die armen Angestellten eine Superiorität zu behalten, die wohl am allerletzten das Emporbriingen der Schule zum Zwecke hat. — Im Ganzen herrscht hier die treffliche Maxime: „?jrp N'bi |iT n!? bnrw" und die Art, wie die Gemeindeausgaben aufgebracht werden ist hievon der deutlichste Beweis *); eine Eintheilung derselben nach dem Vermögensstande oder gar nach einen genauen Sensus, würde Hierlands als heilloser Uebergriff verschrien werden: und so ist es die Mittelu. Armen-Klasse, die alles bestr>eitet, und dafür ganz submiss diejenigen stimmen und schalten laßt, die beider eigenen Bildungslosigkeit kein Höheres kennen, als Gold und Geldersparniß. — Hie und da siegt aber dennoch ein besserer Sinn und — bringt mit Kleinigkeiten durch. — Letztlich wurde die Kantorstelle am hiesigen Tempel von Neuem besetzt und —- endlich doch auch darauf Rücksicht genommen, daß der Vorsänger richtig lesen könne und, mirsbile ckietu! das Gebet verstehe; das waren früher unbeachtete oder doch sekundäre Anfoderungen gewesen.— Da waren nun Leidenschaften rege, Gönnerschaften rhatig, wie bei einer Konsulwahl: und die Sache war doch so klar und faßlich! Dann und wann verlautet auch Manches vom Lande, das *) Die Fleischconsumtion ist Hierlands bei allen Klassen allgemein; wer hat die meisten Kinder? — der Arme. AVer zahlt also bei der beliebten Einrichtung des sogenannten Pauschal das Meiste? — Wieder der Arme. Denn die Reichen essen Hühner und — Andere s F le i sch., zeigt, wie weit man noch dort vom zweiten Stadium, der Reform im Gottesdienste, entfernt ist. Zu Gyöngyös waren die Wohlhabendern schon langst darauf bedacht-, einen Lehrer anzustellen, gegen welchen Antrag sich aber die Uebrigen sträubten; da nun aber bald daraus die Berufung eines Vorsängers (nach altem Geschmacke) zur Sprache kam, machten jene ihrerseits ebenfalls Opposition mit dem Bemerken, es könne wohl bei der bisherigen Aushülfsweise auch ferner sein Verbleiben haben. Man fand sich endlich dahin ab, gegenseitig nachzugeben, und es wurde gesungen und gelerntt Hintennach fand sich aber Janhagel in dem Kantor getäuscht (denn ein guter, regelrechter Triller ist leider, auch in dem „reformirten" Gotteshause noch immer die Hauptsache) und will ihn entlassen; da nun jene Ueberemkunft nur auf die Basis der beiderseitigen Wünsche zu Stande gekommen war, soll der Vertrag rückgängig werden, und das Wohl und Weh des Lehrers hangt von dem Umstand ab, ob der Vorsänger nach der Hand vielleicht dennoch Gnade findet, oder einem sing- und schreifertigern Nachfolger Platz macht. Ich würde Sie mit dergleichen Dorfzeitungen gerne verschonen, wenn nicht solche Exempel den Beweis lieferten, wie finster es noch in den meisten Landgemeinden aussieht, wo' die Rabbinen weder im Interesse der sogenannten Orthodoxien, deren es doch heutzutage ebenfalls um konsequente Durchführung ihrer Argumente zu thun sein muß, noch im Gefolge des Fortschrittes, den man auch nicht mehr vornehm ignoriren darf, noch irgend eine Weise thatig sind, ging es ihnen nach „diesen frommen heiligen", „diesen Grundpfeilern der Welt", „diesen gewaltigen Cyklopen mit Amboß und Hammer, von denen Funkensprüchen"— wir würden in diesem Zustande der Auflösung und des Abfalls verharren, D^l'* und diese großen Lichter" — W ♦ hätten dem Iud § nrhum zu Grabe gel'e'uchter. — Statt eines weitern Commentars nur noch ein Histörchen dieser Worte. Zu Balassa - Gyarmat wagten es einige achtbare Männer, auf die Autorität des miTO jniJ und seiner Schildträger sich in der Festwoche des letzten Pessach den Bart abzunehmen. Ueber diese Autonomie aufgebracht, untersagte ihnen der Rabbiner den Eintritt ins Bethaus und jede Theilnahme an Synagogal-Functionen, der von dem Amte erlassene Bescheid wurde (durch Bestechung des mit der Lesung beauftragten Aktuars) umgangen und die Excommuni'eirmig in Kraft gelassen. Die Sache ist nun bei den höhern Behörden anhängig gemacht, vorerst aber von den Beschwerdeführern an den hiesigen Oberrabbinen, Hrn. Schwab, recurrirtworden, während die Finsterlinge im Bewußtsein ihres Unreches, sich an den Wunderthater in Ujhely (das dermalige Haupt des hirnverbrannten Chassidäismus in Ungarn) wandten. Nach der höhern Entscheidung sollen die Urtheile von zwölf Nabbinen eingeholt werden, die unmöglich auf eine so eklatante Strafe wie enn und erkennen können. Ohne hier Argumentationen zu. eruiren, die bei der Mehrzahl unserer Zeitgenossen bereits überflüssig geworden, frage ich nur noch, was der Verfasser des Horeb z. B. dazu sagen wird, daß in Ungarn dem Barte noch so viel Ehre wiederfährt.-Die Unwissenheit ist hier zu groß und der Dünkel der Führer .„mß'ND wn tybn auf den Einfluß, den der Volksglaube in ihren Händen gelegt hat, so erpicht, daß sie sich nicht entblöden, gegen has Gutachten der ersten Autoritäten zu protestiren, um als Vorfechter des Unverstandes sich einen N emen zu machen. rw “DK ~ XW' "OX Diesen Uebermuthigen aller Orten das Heft aus'den Händen zu winden, wird aber nur einer Synogal - Oberbehörde oder — einer Fa-