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Der Orient · 1841-07-31 · Heft 31 (31.7.1841) · p. Seite 214

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 31 (31.7.1841)
Article
Damask: Nachrichten üb. d. Familie Farkhi
Date
1841-07-31
Page
Seite 214 (sequence 2)
Language
German
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- 214 — dänische Consul allein so weit vorgeschritten, daß er sich ganz fränkisch kleidete, welches ihm, wie man mir nachher erzählte, theuer zu stehen kam. Denn da man hier gewohnt und genötigt ist, alle europäischen Kleidungsstücke aus Marseille zu verschreiben- und er eine dänische Consular- und Nitterklcidung begehrt hatte, so waren ihm für 8000 Piaster abenteuerliche LheatertrachLen zugeschickt worden. Die jüdische Bevölkerung - betragt ohngefahr 5000 Köpft. Hr. Nafail Picciotto gab mir zu Ehren ein pomphaftes, cousularisches Mahl. Ich war der erste russische Reisende, den er ofsiciell aufnahm, und ich muß gestehen, daß er es an nichts mangeln ließ, was der Anstand nur irgend fordern, konnte. Man speiste gegen vier Uhr, und unterhielt sich vor und nach dem Essen mit ciarm jüdischen Orchester, ans einer türkischen Trommel, zwei kleinen Pauken, einem Hackebrett und einer Geige zusammengesetzt. Auch sangen sie arabische Lieder dazu, die nicht übel warm. Seltsam klingt eine Art Recitativ, Mauleh genannt, welches in frei abwechselndem Takte vorgetragen wird. Ich saß zwischen zwei Damen, einer alten Venetkanecin und der hübschen Wirthin des Hauses, die aus Damaskus stammt, aber die Unterhaltung wurde mir erschwert, da sie nur arabisch sprachen. — Kurz vor meiner Abreise (22. Febr. 1816) starb der Vater des russischen Consuls, Hr. Moses Picciotto, der von allen hiesigen Juden, deren Aeltester er war, fast wie ein Heiliger angesehen ward, und auch als talmudischer Schriftsteller Einiges in Venedigchat drucken lassen. Am folgenden Morgen bezeugte ich mit den übrigen Franken dem Consul unsere Theilnahme. Wir fanden ihn in Trauer, die sich von der der andern Juden nicht unterscheidet. Hrn. Esra Picciotto, dem Bruder des Rafail, wurde an dem Todestage des Vaters ein Sohn geboren; er nahm also zugleich Glückwünsche und Beileidsbezeugungen an. — Zum Uebermaaß der Güte schenkte mir der russische Consul ein Exemplar des Antar, des berühmten arabischen Ritterromans, in 32 Bänden in verschiedenen Formaten. (Dieses Geschenk P i c c i o t t o's, vielleicht die reichste Bändezahl dieses Romans , befindet sich jetzt auf der Universitätsbibliothek zu Dorpat, und ist eine Zierde der dortigen orientalischen Handschriften. (S. Dorpatische Beiträge Hl. S. 464—66). Am Abende vor meiner Abreise machte mir Herr Picciotto einen Abschiedsbesuch und zwar, da seine Trauerzeit noch nicht geendigt war, erst nach Sonnenuntergang, und versteckte den ungewohnten Bart unter einem Shawl." — Türkei. Der österreich. Beobachter berichtet unterm 30. Jün. ans Konstantinopel: „Heute sind die drei Patriarchen und der Großrabbiner bei der Pforte erschienen, wo ihnen der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Rifaat Pascha, Exemplare des zum Schutze der vier Culte an den Ferik Tahw-Pascha, neuernannten Gouverneur von Jerusalem, erlassenen Fermans einhändigte. Rifaat-Pascha hielt bei diesem Anlaß eine angemessene Anrede, worin er die Regierungsgrundsätze und die wohlwollenden Absichten des Sultans in Betreff seiner sämmtlichm nicht-muhanunedcmischen Unterchanen. entwickelte. Hierauf wurden die erwähnten drei Prälaten ^ünd der Großrabbiner, die in vollem Ornate sich eingefunden hatten, zum Großvezier geführt, der ihnen dieselben Versicherungen des großherrlichen Wohlwollens ertheilte. Ta- Hir-Pascha ist bereits in dieser Hauptstadt, eingetroffen. L.A.Z. Syrien. Der Glöbe enthält ein Schreiben des Oberhauptes der Judengemeinde zu Damaskus, Rafail Farkhi, an Sir Moses Montesiore, worin nochmals die von Böswilligen verbreiteten Insinuationen gegen die dortigen Juden ausführlich widerlegt werden. Das Schreiben weist namentlich die Beschuldigung , daß die Juden zu Damaskus bei Gewalttätigkeiten gegen Personen andern Glaubens betheiligt gewesen, mit der größten Entrüstung zurück. Sir Moses Montesiore scheint, wie aus dem Schreiben hervorgeht, seine Glaubensgenossen daselbst wahrend seines Aufenthalts im Orient ermahnt zu haben-unter den neuen Verhältnissen ein verständiges Benehmen zu zeigen, sich in den Schranken der Mäßigung zu halten und wohl zu bedenken, daß durch ihr Gesetz ihnen Vergessen erlittenen Unrechts vorgcschrieben werde. Mit Bezug hierauf heißt es in dem Schreiben, sie hätten das volle Bewußtseyn ihrer Lage und wären nicht aus der ihnen durch dieselbe angewiesenen Bahn gewichen; sie'vermieden jede Collision mit Andern, würden aber in der Ausübung eines ihnen von der hohen Pforte neuerdings eingeräumten Rechts von boshaften Neidern bedrängt. Was er mit diesem Recht oder Privilegium für ein Bewenden hat, erhellt aus folgender Stelle des nach London gelangten Schreibens: „So wie der von der hohen Pferre abgesendete Pascha ankam, wurde ich wieder in meine frühere Function eingesetzt; sie besteht darin, daß ich im Municipalcollegium Sitz und Stimme habe. Diese Ehrenstelle wurde mir mit ausdrücklichen Worten im Fermau des Sultans zuge- (heilt, und als Grund der Begünstigung ist angeführt, es sty 'der hohen Pforte bekannt, daß ich einige Fähigkeit besäße, im Interesse des Gemeinwesens wirksam zu seyn. Sobald unsere Gegner von dieser uns so günstigen Stimmung der Behörde Kemttniß erlangten, bemühten sie sich bei dem Gouverneur von Damaskus, mich um meinen Posten zu bringen und ein Individuum von einer andern Gemeinde dazu zu befördern. Oie Allmacht aber wachte über uns: die Versuche der Feinde hatten keinen Erfolg. Zurückgewiesen von dem Gouverneur und außer Stande uns auf diesem Wege zu schaden, suchen sie nun andere Mittel, uns die öffentliche Meinung abwendig zu machm." Im weitern Verfolg des Schreibens werden die gegen die Juden zu Damaskus vorgebrachten Verleumdungen, als jedes Anlasses entbehrend, unter lebhaften Betheuerungen, auch .unter Beibringung eines ihre Unschuld bekräftigenden Zeugnisses des griechischen Patriarchen und mit Berufung auf den österreichischen Consul widerlegt. Deutschland. Halber st adt, Monat Juli 1841. Am Sonnabend, d. 4. d. M. war ' Unterzeichneter Zuhörer einer in der Synagoge zu Magdeburg von dem würdigen Herrn Dr. Philippfott gehaltenen Predigt. Der geehrte Kanzelredner stellte in seinem gehaltvollen Vortrage sinnreiche Betrachtungen an, wie der Segen des Himmels auf alle Lebensverhältnisse des Menschen einwirkt und führte mit vieler Sachkenntnis dieses Thema zur allgemeinen Zufriedenheit durch. Bei dieser Gelegenheit nun ist es meinem Blicke zugleich nicht entgangen, daß die betreffenden Gemeindemitglieder nicht allein durch diesen geistlichen Vortrag wahrhaft erbaut wurden, sondern vielmehr einen gerechten Stolz darin fanden, einen solchen Seelenhirten an die Spitze ihrer Gemeinde gestellt zu sehen. Indem ich nun einerseits selbst an dem Glücke unserer Schwesterstadt den innigsten Antheil nahm, so bemeisterte sich meiner andererseits zugleich ein schmerzliches Gefühl, wenn ich dagegen in Erwägung zog, daß die in dieser Stadt seit 32 Jahren erst begründete Gemeinde, in ihrem obgleich beengten Gotteshause einen würdigen Prediger, welcher nicht allein die Liebe und Verehrung seiner Mitglieder besitzt, sondern auch der Achtung des In- und Auslandes sich zu erfreuen hat; wogegen in, meiner lieben Vaterstadt sich ein alter, überaus prachtvoller, geräumiger Tempel des Herrn befindet, der schon

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